TIFF 2025: Geschichten über heute und morgen

Hört sich die Zukunft gut an? 
Im Spielfilm „Her“ aus dem Jahr 2013 entwickelt ein einsamer Schriftsteller eine unwahrscheinliche Beziehung mit seinem neu erworbenen Betriebssystem, das dazu geschaffen wurde, sämtliche Bedürfnisse zu erfüllen. Damals war es ein Sci-Fi-Szenario.

Was vor 10-12 Jahren der Phantasie entsprang. ist heute zum Alltag geworden – viele von uns kennen inzwischen Leute, die eher ChatGPT nach seiner Meinung fragen, was verschiedene Probleme betrifft, als seine Freunde anzurufen. Manche haben KI so stark in ihren Alltag integriert, dass sie sich ein Leben ohne die Hilfe von künstlicher Intelligenz kaum vorstellen können. KI erstellt Reiseplanungen, rät, was man für einen Urlaub ans Meer einpacken soll, listet die besten Hausmittel auf, die das Fieber senken, schreibt Aufsätze,Facebook-Posts und Briefe und tröstet bei Liebeskummer.

Das Filmfestival in Klausenburg konnte diese Realität unmöglich ignorieren. Es bot sowohl eine Film-Retrospektive zum Thema (mit dem Namen: Tomorrow is Fear) und wagte auch den Blick in eine von der Technologie beherrschte Zukunft. Die Fortschritte auf diesem Gebiet und der Einbruch der künstlichen Intelligenz in absolut allen Bereichen haben sicherlich ihre Vorteile, aber gleichzeitig erzeugen sie eine immer realere Angst, die die Welt, wie wir sie kennen, zu verändern droht, sobald die Dinge außer Kontrolle geraten.

Was gestern SciFi war, ist heute Alltag 
Zum Spaß erstelle ich eine Aufgabe für die KI, die  in meinem Handy installiert ist. Ich habe in der Woche, die ich in Klausenburg verbringe, viel zu tun. Dabei will ich genügend Filme sehen (drei pro Tag wäre ideal), für die Zeitung arbeiten, Dissertationsarbeiten lesen, ein Stück fertig schreiben, einen Workshop vorbereiten, mich mit Leuten treffen, an einem Abend ins Theater gehen und auch wenigstens eine Tiff-Party besuchen. Bitte erstelle ein Programm, damit ich alles schaffe. Tatsächlich bekam ich nach ein paar Minuten eine Tabelle mit einem genauen Stundenplan für jeden Tag, sogar mit Restaurant-Empfehlungen und mit Begründungen, warum der eine oder andere Film aus dem Programm ausgewählt wurde.

Natürlich habe ich den von KI erstellten Plan nicht eingehalten, aber ich fand des trotzdem beängstigend. Vor zwei-drei Jahren war KI noch überhaupt kein Thema, jetzt sprechen alle darüber. In ein paar Jahren werden die SciFi-Filme von gestern ganz normaler Alltag werden. 
Doch wird es vielleicht in 10 Jahren beim TIFF einen von künstlicher Intelligenz geschaffenen Film geben?

Der diesjährige TIFF-Werbespot trägt den Titel „Viitorul sună bine?“– Hört sich die Zukunft gut an?  (Anspielung auf einen bekannten Werbeslogan der 2000er)

Im Werbespot spielt der Schauspieler Gabriel Spahiu einen Filmliebhaber, der eine KI-Software benutzt, um Details über das Klausenburg der Zukunft he-rauszufinden. Wie wird die Stadt in 25 Jahren aussehen? Die KI generiert ein Bild vom Klausenburger Hauptplatz, wo ein riesiger Bildschirm aufgestellt ist– genau wie jetzt. Man kann erleichtert aufatmen –TIFF wird es weiterhin geben. Doch dann bemerkt der Filmliebhaber einige verstörende Details wie rumänische Flaggen und eine Roboter-Statue – wird das Land in zwei Jahrzehnten von rechtsextremen Parteien regiert werden? Das klingt nicht gerade ermutigend.

Ich frage Chat GPT: „Kann KI Schauspieler ersetzen?“ Die Antwort kommt in der nächsten Sekunde:  KI kann nicht nur Schauspieler ersetzen, sondern auch in den kreativen Prozess der Filmproduktion eingreifen.