Zwischen Ausgrabung und Trompetenklang: Petersberg feiert sein kulturelles Erbe

Pfarrer Peter Klein sprach in seiner Predigt von Heimat und Identität.

Bei den archäologischen Ausgrabungen wurde unter anderem Keramik aus dem 14. Jahrhundert gefunden. Fotos Bernice Krech-Lițoiu

Geschichte lässt sich nicht nur aus Büchern lesen – manchmal erklingt sie auch in Musik und kommt bei archäologischen Ausgrabungen ans Licht. Beides verband sich am 5. Juli in der Petersberger Kirchenburg zu einer Veranstaltung, die Gottesdienst, Bläsermusik und Ausstellungseröffnung auf besondere Weise miteinander verknüpfte.

Den Auftakt bildete ein festlicher Gottesdienst, den Blechbläserinnen und Blechbläser aus Rumänien und Deutschland musikalisch gestalteten. Die Musiker hatten zuvor gemeinsam an zwei Tagen Bläserworkshop in Petersberg teilgenommen. Das abwechslungsreiche Programm reichte von Henry Purcells feierlichem Marsch als Präludium über eine „Mozart-Erinnerung“ von Ulrich Knörr, Schuberts „Das Gebet des Herrn“ bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen wie „Another Day“ von Joshua Bredermeier. Auch die Gemeindelieder wurden von den Bläsern eindrucksvoll begleitet.

Im Mittelpunkt der Predigt von Pfarrer Dr. Peter Klein stand das Wort aus dem Epheserbrief: „Ihr seid nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Er spannte den Bogen von diesem Bibelwort zur Frage nach Heimat und Identität. Heimat, so Klein, entstehe nicht allein durch Gebäude, sondern durch Menschen, Glauben, Sprache und gemeinsame Werte. Gerade die Petersberger Kirchenburg stehe dafür exemplarisch. Sie sei weit mehr als ein historisches Bauwerk – sie verkörpere Erinnerung, Beständigkeit und Verantwortung für das kulturelle Erbe. Angesichts kleiner werdender evangelischer Gemeinden in Siebenbürgen sei es umso wichtiger, dieses Erbe bewusst zu pflegen und weiterzugeben.

Archäologische Funde vorgestellt
Nach einer kurzen Pause bei Sekt und Saft schloss sich die Eröffnung der Ausstellung über die archäologischen Ausgrabungen an der Kirchenburg an. Die Archäologin Dr. Daniela Marcu Istrate, die die wissenschaftlichen Untersuchungen leitete, stellte die Ergebnisse der Grabungen vor. Sie zeigte auf, welche neuen Erkenntnisse die freigelegten Mauern, Gräber und Fundstücke über die Baugeschichte und Entwicklung der Kirchenburg liefern. Seit dem Jahr 2023 wurde ein Sommerschulen-Programm in Petersberg durchgeführt, zu dem Studenten aus den Vereinigten Staaten für jeweils mehrere Wochen nach Petersberg kamen. Diese hatten dadurch die Möglichkeit, in ihren Sommermonaten einen praktischen Einsatz zu erleben, als auch neue Kulturen kennenzulernen. Dabei wurden Perlen, Hemdknöpfe, Knochen, Keramikstücke und andere Funde fachmännisch gesichert – einige der weniger wertvollen Objekte sind nun in der Ausstellung in der Petersberger Kirche zu finden.

Blasmusik-Workshop
In seinen Grußworten würdigte Dietmar Abraham, Nachbarvater der Petersberger Nachbarschaft in Deutschland, den Workshop der Bläser als gelebte deutsch-rumänische Zusammenarbeit. Musik überwinde Grenzen und schaffe Gemeinschaft – eine Erfahrung, die die Teilnehmenden während des gemeinsamen Wochenendes gemacht hätten. Zugleich dankte er allen Beteiligten und Organisatoren, die diese Begegnung ermöglicht hatten.

Pfarrer Dr. Peter Klein würdigte in seinem Schlusswort das Engagement der Archäologin, ihres Teams und der beteiligten Studierenden. Dank ihrer Arbeit sei es gelungen, ein bedeutendes Kapitel der Ortsgeschichte sichtbar zu machen und dauerhaft zu dokumentieren. Die Ausstellung ermögliche den Besucherinnen und Besuchern, die Kirchenburg mit neuen Augen zu sehen – nicht nur als Wahrzeichen, sondern als lebendigen Geschichtsspeicher.

Beim anschließenden Beisammensein klang die Veranstaltung in geselliger Atmosphäre aus. Musik, Wissenschaft und Glaube ergänzten sich an diesem Tag auf bemerkenswerte Weise und machten deutlich, dass die Kirchenburg von Petersberg nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit ist, sondern ein lebendiger Ort der Begegnung und der Erinnerung.