Die vier Kalender des Banats

Von der römischen Zeit am Anfang des 1. Jahrtausends bis zur Besetzung durch das Osmanische Reich im 16. Jahrhundert galt im Banat der julianische Kalender. In den 164 Jahren türkischer Herrschaft wurde der islamische Kalender verwendet und nach der Rückeroberung durch Österreich der gregorianische Kalender. Darüber hinaus haben die jüdischen Gemeinden den jüdischen Kalender gepflegt. In Rumänien wurde der gregorianische Kalender am 14. April 1919 eingeführt, die orthodoxe Kirche verwendet für ihre Osterberechnung noch immer den julianischen Kalender. Dieser Artikel beleuchtet historische, astronomische und theologische Aspekte dieser vier Kalender und der grundlegenden Kalendersysteme.

Die Ära oder Zeitrechnung ist eine Periode der Geschichte, für die ein bestimmtes Verfahren der Jahreszählung und Datumsfestlegung gilt.
Die Epoche ist der Anfangstag einer neuen Ära, in der Regel ein einzelner Tag, der ein historisches oder fiktives Ereignis widerspiegelt, z. B. den Beginn einer Königsherrschaft, die Gründung einer Stadt oder die Erschaffung der Welt.

Der Kalender

Ein Kalender ist ein System zur Strukturierung der Zeit über längere Zeiträume, Tage, Monate oder Jahre und zur Anordnung dieser Unterteilungen in einer bestimmten Reihenfolge.

Der Tag, die mittlere Zeit von Mitternacht bis Mitternacht, ist die natürliche Einheit der Zeit und die Grundeinheit für alle Kalender. Alle anderen Zeiteinheiten sind davon abgeleitet.

Die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten, heißt synodischer Monat und beträgt im Mittel 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden.
Das tropische Jahr ist die Zeit von einem Frühlingsbeginn bis zum nächsten, astronomisch durch die Frühlings-Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) festgelegt. Die mittlere Länge ist 365 Tage, fünf  Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden.

Kalender haben aber notwendigerweise eine ganze Anzahl von Tagen im Monat und eine ganze Anzahl von Monaten im Jahr. Die astronomischen Perioden Jahr und Monat sind inkommensurabel, ihre Werte sind keine ganzzahligen Vielfachen voneinander: Das tropische Jahr, geteilt durch den synodischen Monat, ergibt eine krumme Zahl: 12,368266.

Wie genau man diese Zeitperioden koordiniert und mit welcher Genauigkeit sie sich ihren astronomischen Werten annähern, das unterscheidet einen Kalender von einem anderen. Es entstanden drei Kalendertypen:

  • Sonnenkalender, bei denen man versuchte, eine Übereinstimmung zwischen den Tagen und dem Jahr herzustellen.
  • Freie Mondkalender, bei denen man versuchte eine Übereinstimmung zwischen den Tagen und dem Mondmonat ohne Rücksicht auf das Sonnenjahr zu erlangen.
  • Gebundene Mondkalender oder Lunisolarkalender, mit denen versucht wurde, zwischen allen drei Zeiteinheiten eine Übereinstimmung herzustellen.


Der altägyptische Kalender

Im Alten Ägypten wurde der Stern Sothis (römisch Sirius), als hellster Stern am Himmel, seit ca. 4000 v. Chr. verehrt. Der erste Frühaufgang des Sterns war mit der Sommersonnenwende verbunden und kündigte den Beginn der Nilüberschwemmung an. Mit dem Sothis-Fest wurden symbolisch die Wiedergeburt des Lebens und der Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres gefeiert. Durch langjährige Beobachtungen wurde die Länge des Jahres mit 360 Tagen ermittelt. Das Jahr wurde in 12 Monate mit je 30 Tagen aufgeteilt. Durch weitere Beobachtungen der Aufgänge des Sirius wurde die Länge des Sonnenjahrs auf 365 Tage festgelegt.

Die Monatsaufteilung blieb gleich, die zusätzlichen fünf Tage wurden an das Ende des Jahres angehängt. Dieser Kalender ist der älteste Sonnenkalender der Menschheit und die Epoche das älteste Datum der Geschichte.

Epoche: 19. Juli 4241 v. Chr. mit der ersten Sothisperiode (1460 Jahre)

Der babylonische Kalender

Während der Regierungszeit des babylonischen Königs Hammurabi (1792 – 1750 v. Chr.) wurde der Kalender der Stadt Ur zum offiziellen Kalender von Babylon. Es ist ein Mondkalender von 354 Tagen mit einer regelmäßigen Abfolge von 12 Monaten zu je 29 und 30 Tagen. Babylon kann als Wiege des ersten Mondkalenders angesehen werden.

Der Kalender wurde allmählich zu einem Lunisolarkalender. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. verwendete man einen 19-Jahre-Zyklus, in dessen Verlauf man sieben Schaltmonate einschob. Die Datierung der Ereignisse erfolgte in Babylon nach der Regierungszeit von Königen.

Epoche: 26. Februar 747 v. Chr., Thronbesteigung von Nabonassar.

Der julianische Kalender

Das Chaos im alten römischen Kalender verursachte derart große Schwierigkeiten im Alltag, dass eine Reform dringend notwendig wurde.
Julius Caesar führte am 1. Januar 45 v. Chr. einen Sonnenkalender nach ägyptischem Vorbild ein. Der Kalender wurde vom alexandrinischen Astronomen Sosigenes erarbeitet und besteht aus 365-tägigen Gemeinjahren, die wiederum in 12 Monate unterschiedlicher Länge eingeteilt sind. Jedes vierte Jahr ist ein Schaltjahr, in dem der Februar einen Tag länger ist. Sosigenes teilte das Jahr in 12 Monate ein: Ianuarius, Februarius, Martius, Aprilis, Maius, Iunius, Quintilis, Sextilis, September, October, November und December. Der Januar galt als der erste Monat.

44 v. Chr. wurde der Monat Quintilius als Dank an Cäsar in Iulius umbenannt und im Jahr 8 v. Chr. Sextilis in Augustus, zu Ehren von Kaiser Augustus.
Die Abweichung des Kalenders von der Länge eines Sonnenjahres beträgt sieben Minuten pro Jahr (1 Tag in 128 Jahren).

Epoche: 21. April 753 v. Chr., a. u. c. (ab urbe condita) ab der Gründung Roms, „Varronische Ära“

Der gregorianische Kalender

Die Ungenauigkeit des julianischen Kalenders führte dazu, dass die Frühlings-Tagundnachtgleiche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts um zehn Tage früher, am 11. März, eintrat. Je länger die Ostertafeln nach den alten Computus fortgesetzt und der Osterbestimmung zur Basis gelegt wurden, umso mehr musste die Abweichung der Oster-Vollmonde von den realen sowie die Verschiebung der Tagundnachtgleiche zu sehen sein. Auf diese Weise ist die mittelalterliche Osterberechnung schließlich die eigentliche Ursache zur Reform des Kalenders geworden.

Zur Kalenderreform setzte Gregor XIII. (1502-1585) eine Kommission ein, in der Astronomen, Mathematiker und Theologen zusammenarbeiteten, und reformierte am 24. Februar 1582 mit der „Bulle Inter gravissimas“ den Kalender. Die Reform beruhte auf der Arbeit des Arztes und Astronomen Aloysius Lilius (Luigi Lilio 1510-1576) und des Jesuiten Christophorus Clavius (Christoph Klau 1537-1612).

Am 4. Oktober 1582 wurden mit dem Sprung auf den 15. Oktober 1582 die zehn, seit dem Ende des 3. Jahrhunderts angesammelten Tage korrigiert und der Frühlingsanfang wieder in die Nähe des 21. März gebracht. Schaltjahr ist jedes Jahr, dessen Jahreszahl, erstens, durch 4, aber nicht durch 100 oder, zweitens, durch 400 teilbar ist. Die Abfolge der Wochentage wurde nicht verändert.

Der gregorianische Kalender ist eines der bedeutendsten Reformwerke der Renaissance und wurde zum de facto Weltstandard. Die Abweichung des Kalenders von der Länge eines Sonnenjahres beträgt 27 Sekunden pro Jahr (1 Tag in 3236 Jahren).

Der gregorianische Kalender wurde erstmals 1582 in Italien, Polen, Portugal, Spanien und Frankreich eingeführt. Die katholischen Reichsstände des Heiligen Römischen Reichs führten ihn in den Jahren 1583 bis 1584 ein. Die evangelischen Territorien des Heiligen Römischen Reichs übernahmen den gregorianischen Kalender 1700. In Großbritannien und seinen Kolonien (inklusive den USA) wurde er 1752 eingeführt. Die orthodoxen Länder Osteuropas behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei.

Epoche: 15. Oktober 1582

Computus oder Osterrechnung

Das Christentum übernahm vom Römischen Reich den julianischen Kalender, vom Judentum – über das Römische Reich – die Woche und durch den Ostersonntag – über das Judentum – die Babylonische Mondabhängigkeit.

Nach den Evangelien ist Jesus am Tag nach dem Sabbat, der auf das Passahfest folgte, auferstanden. Das Passahfest wird am 14. Nisan in der Zeit des ersten Vollmonds nach Frühlingsbeginn gefeiert.

Das Konzil von Nicäa legte im Jahr 325 das Osterfest einheitlich auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, dem 14. Nisan (Luna XIV), fest. Zur Berechnung wurde nach und nach die alexandrinische Methode verwendet. Diese legt den Frühlingsanfang auf den 21. März und verwendet einen 19-jährigen Mondzyklus, Metonzyklus genannt. Der Berechnung liegt ein durchschnittlicher Mondumlauf zugrunde, mit einem Mondkalender, der im Hintergrund des julianischen Jahres als Hilfsmittel mitläuft.

Mit der Gregorianischen Reform wurde der alte Computus korrigiert. Es wird keine Rücksicht auf aktuelle astronomische Beobachtungen von Vollmond und Tag-und-Nacht-Gleichen genommen.

Die christliche Ära

Im Jahr 241 der Ära Diokletian (525) beschäftigte sich der römische Mönch Dionysius Exiguus mit der Berechnung einer Ostertafel zur Vorausberechnung des Osterfestes ab dem Jahr 248 der Ära Diokletian. In dieser Tafel stellte er aber an Stelle der Jahre Diokletians die „anni domini nostri Jesu Christi“, weil er es für würdiger hielt, „Jahre nach der Menschwerdung Christi“ / „n. Chr.“ zu bezeichnen als nach einem Manne, der ein tyrannischer Kaiser gewesen sei.

Die von Dionysius vorgeschlagene Zeitrechnung wurde nur zögerlich angewandt. Erst seit Mitte des 15. Jahrhunderts wird sie in allen päpstlichen Dokumenten obligatorisch. Im 18. Jahrhundert begannen englische Historiker eine Zählung „vor Christi Geburt“ / „v. Chr.“ zu verwenden.

Epoche: 1 n. Chr. (nach Christi Geburt) = Jahr 284 vor der Ära Diokletian

Der jüdische Kalender

Dieser ist ursprünglich ein freier Mondkalender, aus dem babylonischen Kalender abgeleitet, mit 354 Tagen, mit einer regelmäßigen Abfolge von 12 Monaten zu je 29 und 30 Tagen. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurde er von einem Lunisolarkalender verdrängt, der vom Jahr 499 an gültig ist.
Ein Jahr im jüdischen Kalender kann 353, 354, 355, 383, 384 oder 385 Tage dauern. Gewöhnliche Jahre haben zwölf Monate mit insgesamt 354 Tagen, Schaltjahre haben 13 Monate und dauern insgesamt 384 Tage. Monate mit ungeraden Zahlen haben im Normalfall 30 Tage, Monate mit geraden Zahlen haben 29 Tage.

Die Reihenfolge der Monate mit Anzahl von Tagen (in Klammern): Nisan (30), Ijjar (29), Siwan (30), Tammus (29), Aw (30), Elul (29), Tischri (30), Marcheschwan/Cheschwan (29/30), Kislew (30/29), Tevet (29), Schevat/Schwat (30), Adar beth (29). In Schaltjahren kommt der 13. Monat Adar aieph/Veadar (30) dazu.

Im jüdischen Kalender verwendet man einen 19-jährigen Zyklus, der aus 12 Gemeinjahren und sieben Schaltjahren besteht.

Epoche: 7. Oktober 3761 v. Chr., biblisches Datum der Schöpfung

Der islamische Kalender

Der islamische Kalender ist ein reiner Mondkalender. Seine Kalenderjahre bestehen aus 12 Mondmonaten zu 29 oder 30 Tagen und sind 354 oder 355 (im Durchschnitt etwa 354 plus ein Drittel Tag) Tage lang, also zehn bis 12 Tage kürzer als die 365 oder 366 Tage langen Sonnenjahre der christlichen Zeitrechnung. Demzufolge entsprechen 33 Jahre islamischer Zeitrechnung etwa 32 Jahren christlicher Zeitrechnung. In diesem Zeitraum wandern die Daten des islamischen Jahres einmal durch ein Sonnenjahr.

Es gibt 12 Monate mit 29 oder 30 Tagen (in Klammern): Muharram (30), Safar (29), Rabi I/al-awwal (30), Rabi II/ath-thani (29), Dschumada I/al-ula (30), Dschumada II /ath-thaniya (29), Radschab (30), Scha’ban (29), Ramadan (30), Schawwal (29), Dhu l-qa’da (30), Dhu l-Hiddscha (29/30).

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit dem Jahr der Auswanderung (Hidschra) des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Jahresangaben nach der islamischen Zeitrechnung werden in westlichen Sprachen mit dem Kürzel AH (Anno Hegirae), d. h. im Jahr der Hidschra, versehen. Länge: 354 Tage, im Schaltjahr 355 Tage, das in 30 Jahren elf Schalttage hat.

Epoche: 16. Juli 622


Aus „Kalender und Epoche“: www.sarlota.de