„Weil das Weinfest im letzten Jahr so ein Erfolg war!“

Zweites Wein- und Kulturfest lockt vom 31. Juli bis 2. August ins siebenbürgische Bogeschdorf

Eine Tradition in der Region sind die Weinkavaliere – hier ein ungarischer lokaler Verein. Auch ihre Produkte werden auf dem Weinfest vertreten sein.

Weingut Terra Regis, Hauptstraße 101, im Vorjahr | Fotos: George Dumitriu

Die ungarischen Partner von Terra Regis, Laszlo Fülöp, Weinkavalier Levente Czirnai, Zoltan Fülöp und Csaba Czirmai, freuen sich auf Besucher ihres Ywine-Stands.

Die beliebte Roma-Gruppe „Muzicieni din Ceuaș“ wird auch diesmal wieder mit ihrem schmissigen, schnellen Balkan-Jazz begeistern.

Zum erstenmal jährt sich am nächsten Wochenende das Wein- und Kulturfest in Bogeschdorf/Băgaciu, inmitten einer historischen sächsischen Weingegend, die den Bewohnern einst zu großem Wohlstand verhalf. Ein Wohlstand, der sich nicht zuletzt in der Kirchenburg reflektiert: Wer sonst hätte sich einen inzwischen 508 Jahre alten  Flügelaltar des Schäßburger Meisters Johannes Stoß leisten können, dem Sohn des berühmten Veit? Auch diesen kann man vor Ort bestaunen. Gründe, an jenem Wochenende nach Bogeschdorf zu kommen, gibt es viele: Zwei Tage wird auf der  Straße zwischen dem Weingut „Terra Regis“ an der Hauptstraße Nr. 101 und der Kirchenburg sowie auf dem Hof des Anwesens gefeiert – mit Musik und Tänzen auf zwei Bühnen, Trachtenparade und gelebter deutsch-rumänisch-ungarischer und Roma- Interkulturalität. Parallel dazu soll ein „Transilvanian Brunch“ in der Kirchenburg als Synergieeffekt weitere Gäste anlocken.

„Weil das Weinfest im letzten Jahr so ein Erfolg war, haben wir Organisatoren, also die Familie Gaber und unsere ungarischen Partner, die Familie Fülöp, erneut den Mut gefasst, den Wein und die Kultur mit diesem Fest bestens in Szene zu setzen“, erklärt Helmuth Gaber von Terra Regis der ADZ am Telefon. Denn das sei genau, was das Weingut brauche – „eine Atmosphäre, die gute Erinnerungen weckt – an die Produkte und an all das Schöne.“

Auch in diesem Jahr wird das Weinfest am Freitagabend mit einer Weinprobe eingeläutet, diesmal allerdings in größerem Stil am Waldesrand bei den Weinbergen – „ein bis in die Nacht hineindauerndes Fest mit Live-Musik und gutem Essen, passend zum Wein“, wofür man sich allerdings kostenpflichtig anmelden muss (Beginn: 19 Uhr, Anmeldung: office@ywine.ro). 

Das umfassende Kulturprogramm am Samstag und Sonntag steht dann allen Besuchern offen. Um 12:30 Uhr spielt die Blaskapelle aus Petersberg/Petrești auf der Hauptbühne im Hof von Terra Regis. Es folgen die Ansprachen der Veranstalter und Ehrengäste von 13 bis 13.45 Uhr. Aus Deutschland wird auch diesmal wieder Dr. Bernd Fabritius mit dabei sein, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedler und Vertriebene, zusammen mit zwei Mitarbeitern aus dem Bundesministerium für Inneres. „Das BMI unterstützt in diesem Jahr das Wein- und Kulturfest“, freut sich Gaber. Aus Deutschland werden noch erwartet: Reinhold Sauer, Vorsitzender der Carl Wolff Gesellschaft, und Manfred Binder, der Landesvorsitzende der Siebenbürger Sachsen in Bayern.  „Und zahlreiche Siebenbürger Sachsen, die ihren Sommerurlaub in der Region verbringen und sich schon angekündigt haben“, verrät Gaber. Ebenfalls zugesagt haben der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Paul-Jürgen Porr, und Winfried Ziegler, der Geschäftsführer des Siebenbürgenforums. Dank des Forums steht die sächsische Kultur aus Siebenbürgen diesmal im Vordergrund, letztes Jahr war es die Projektgruppe Haferland aus Deutschland. Tanzgruppen aus Sächisch-Regen/Reghin, Hermannstadt/Sibiu und Schäßburg/Sighișoara werden zusammen mit ungarischen und rumänischen Gruppen das Tagesprogramm bestreiten. 

Am Abend gibt es dann Live-Musik bis Mitternacht auf beiden Bühnen: Auf der Dorfbühne soll die Roma-Band „Muzicieni din Ceuaș“ mit ihrem schmissigen, schnellen Balkanjazz „alle anlocken, die zufällig vorbeikommen – da geht die Post ab, damit wollen wir die Straße stärken!“, motiviert Helmuth Gaber. Auf der Bühne im Hof von Terra Regis bieten zur selben Zeit eine rumänische und eine ungarische Band abwechselnd ein abendfüllendes Programm mit internationaler Tanzmusik (kostenpflichtige Veranstaltung: 50 Lei/10 Euro).

Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche, abgehalten von Pfarrer Mihai Udrea, an der Orgel Edith Toth. Nach dem Festumzug von der Kirche zum Festplatz gibt es auf der Dorfbühne ein kleines Platzkonzert der Bogeschdorfer Blaskapelle, bestehend aus Mitgliedern der lokalen Adventisten-Gemeinschaft. 

Parallel zum Wein- und Kulturfest findet in der Kirchenburg die Veranstaltung „Transilvanian Brunch“ des Vereins My Transilvania statt, die das ganze Jahr durch die Kirchenburgenlandschaft tourt. In diesem Rahmen werden auch eine Kirchenburgenführung und ein geführter Spaziergang über den Friedhof angeboten. 

Auf der Hauptbühne im Hof des Weinguts bestreiten anschließend sächsische, ungarische und rumänische Gruppen das Nachmittagsprogramm, bis die Sathmarer Band „Stranger Party“ den Abend bis  21 Uhr ausklingen lässt.

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist die Zusammenarbeit mit dem Nachbardorf Gănești als Ko-Organisator, „um die Stärke der Region zu unterstreichen“ und weitere Teilnehmer anzulocken, erklärt Helmuth Gaber. In Zukunft soll jedes Jahr ein anderes Nachbardorf als Mitorganisator eingeladen werden.

Entlang der gesperrten Dorfstraße reihen sich Verkaufsstände, ähnlich wie im letzten Jahr, wobei nicht nur die Weine von Terra Regis mit Ywine vertreten sein werden, sondern auch die Produkte von lokalen kleineren Weinbauern. „Eine Besonderheit der Region sind die sogenannten Weinkavaliere“, erläutert dazu Gaber. Das sind Zusammenschlüsse lokaler kleinerer Weinproduzenten- und Liebhaber, die untereinander zahlreiche Wettbewerbe durchführen. In der Regel kaufen diese die Weintrauben bei Terra Regis oder auch anderen Weinbauern, etwa in Tekendorf/Teaca oder bei Villa Vinea, und bauen den Wein dann selbst aus. Die größeren davon werden auch eigene Stände haben.

Etwa 2200 bis 2400 durchlaufende Besucher erwartet Gaber dieses Jahr an beiden Tagen, vor allem durch den Zuwachs aus Gănești;  im letzten Jahr waren es rund 2000. Auch diesmal wird wieder ein Standplatz für Wohnmobile angeboten, der bei großem Andrang auch erweitert werden kann, so Gaber (Anmeldung unter +491796628201 oder +4917663209293). Unterkunftsmöglichkeiten gibt es lokal in der Pension „Sachsenhof“, im Boutiquehotel „Butoiul Sasului“ im benachbarten Gănești, in Târnaveni oder in Mediasch. Die Region sei laut Gaber noch nicht ausgebucht.  

Das Bogeschdorfer Weinfest setzt eine lange Weintradition in der Region fort, die nicht nur ihrer Lage auf demselben Breitengrad wie die Toskana oder Bordeaux zu verdanken ist, sondern auch sächsischer Tüchtigkeit: Einzigartig ist die über 500 Jahre durchgehende Dokumentation im Mediascher Stadtbuch der evangelischen Kirche, wo Menge, die Qualität und der Weinrichtpreis notiert wurden, wie Helmuth Gaber bei der Weinprobe im letzten Jahr erzählte. Wein aus der Region, auch aus Bogeschdorf, wurde einst überregional verkauft, sogar bis Ulm, Augsburg und Nürnberg. Nun kann man hoffen, dass es bald umgekehrt sein wird – wenn das jährlich geplante Wein- und Kulturfest bald Fans aus aller Welt anzieht.