Bukarest – „Die Geschichte der Roma gehört hierher“ heißt die gerade eröffnete Ausstellung, die Videointerviews, Porträtfotografien und wissenschaftliche Literatur kombiniert. So soll sie einen Überblick über die Geschichte und Kultur der Roma in Rumänien geben. Das Ziel: Das Publikum zum Nachdenken über die Narrative anregen, die die öffentliche Wahrnehmung der Minderheit prägen. Der Europarat schätzt die Zahl ihrer Angehörigen in Rumänien auf fast zwei Millionen.
„Das Image der Roma ist voll von Fehleinschätzungen und Vorurteilen“, konstatiert Delia Popa, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung. „Wenn man genau hinschaut, sieht man die Machtstruktur, die diesen permanenten Minderwertigkeitsstatus der Roma in ganz Europa erzeugt.“ Dessen sollen sich die Besucher bewusst werden, so ihr Wunsch. Popa hofft, einen Ort geschaffen zu haben, der zum Dialog über das Thema einlädt.
Im Eingangsbereich der Ausstellung – im Erdgeschoss der Bibliothek des Goethe-Instituts – laufen auf Bildschirmen Interviews mit politisch engagierten Roma-Vertretern, die über ihr Verhältnis zur eigenen Ethnie reflektieren. Welche Rolle spielt die Kultur in ihrem Leben, wie werden sie mit Vorurteilen konfrontiert? Im Hauptraum, dem sogenannten Pavillon, sind die Aktivisten auf Porträtfotos in verschiedensten Situationen zu sehen.
Dort informieren auch Texttafeln über die Geschichte der Minderheit. Besucher können das erlernte Wissen in einem puzzleartigen Spiel anwenden und sollen dabei verstehen, wie sich historische Ereignisse auf das Leben der einzelnen Angehörigen ausgewirkt haben. In einem weiteren Bereich liegen wissenschaftliche Texte aus, die sowohl von Roma als auch außenstehenden Forschern verfasst wurden. Sie vermitteln unterschiedliche Narrative über die Minderheit. Leser sind eingeladen, die Texte zu bewerten, indem sie ihnen beschriftete Holztäfelchen zuordnen. Einen zusätzlichen Eindruck davon, wie Roma heute ihre eigene Identität verarbeiten und darstellen, will die Ausstellung mit einem kurzen Überblick über das zeitgenössische Roma-Theater bieten.
„Ich finde es sehr wichtig, dass viel mehr Stimmen von Roma gehört werden“, sagt auch Luiza Medeleanu, die zweite Kuratorin. Die verschiedenen Perspektiven innerhalb der Minderheit angemessen abzubilden und insbesondere allen beteiligten Roma-Aktivisten gerecht zu werden, sei bei der Gestaltung der Ausstellung kompliziert gewesen. „Vielleicht habe ich ja jemanden mehr abgebildet als jemand anderen! So ging es die ganze Zeit in meinem Kopf.“ Trotzdem zeigt sie sich zufrieden mit dem Ergebnis und spricht über die Zusammenarbeit mit dem Institut als eine „Kooperation auf Augenhöhe“.
Die Ausstellung hat die EU über das „NARDIV – United in Narrative Diversity“-Projekt finanziert, das mit Perspektivenvielfalt zu mehr europäischem Zusammenhalt beitragen soll. Die Idee zur Ausstellung entstand bei einem Workshop für Kulturschaffende, bei dem sie zur Reflektion über Narrative in der Geschichtsschreibung angeregt wurden. Das war im Oktober 2025. „Die Geschichte der Roma gehört hierher“ ist noch bis Sonntag, den 5. Juli im Pavillon des Goethe-Instituts (Calea Dorobanți 32, Bukarest) zu sehen. Das Institut bittet Interessierte vorab um eine E-Mail an maria-andreea.mora@goethe.de. Der Eintritt ist frei.





