Hermannstadt – Den Frühling zu begrüßen – dazu kamen am Samstag, den 23. Mai, unter freiem Himmel wieder alle Generationen zusammen: Am Hermannstädter Maifest im Jungen Wald/Pădurea Dumbrava nahmen in diesem Jahr vierzig Tanzgruppen der Hermannstädter Kindergärten und Schulen teil.
Prächtige Trachten, beschwingte Tänze, entspannte Eltern und Zuckerwatte essende Kinder beim Picknick auf der weitläufigen Wiese. Am Stand des Deutschen Kulturzentrums konnte man Brettspiele ausprobieren und Bücher auf Deutsch entdecken. Die große Gelöstheit angesichts des strahlenden Sonnenscheins und die Hoffnung auf die herannahenden langen rumänischen Sommerferien war vielen anzusehen. Auf zwei Bühnen präsentierten die Kinder und Jugendlichen ihre monatelang einstudierten Tänze – beklatscht von ihren Eltern, Geschwistern, Lehrerinnen und Lehrern.
Ursprünglich sollte das 33. Maifest bereits am 9. Mai, dem Europatag, stattfinden. Aufgrund der instabilen Wetterlage entschieden sich die Organisatoren jedoch für eine zweiwöchige Verschiebung. Dass es zehn Prozent Glück braucht, damit eine Großveranstaltung gelingt, weiß auch Sebastian Arion, Kulturreferent des Hermannstädter Forums (DFDH) aus jahrelanger Erfahrung. Diese zehn Prozent hätten sie aber glücklicherweise in diesem Jahr gehabt: „Das Wetter spielt mit, wir haben mehr als 800 Tänzer auf der Bühne, auch eine Singgruppe wird auftreten. Die Kinder haben Spaß, und das möchten wir auch in Zukunft erhalten.“
Begonnen hatte das Traditionsfest auch in diesem Jahr bereits in den Morgenstunden in der Hermannstädter Innenstadt. Der festlich-bunte Trachtenumzug mit allen Tänzerinnen und Tänzern, darunter auch eine Lehrertanzgruppe, beginnt traditionell im Hof des Brukenthalgymnasiums und durchquert eine Stunde lang das gesamte Stadtzentrum – begutachtet vom Stadtpublikum, stolzen Eltern und touristischen Besuchern, die, Handys zückend, ihre Erinnerungsfotos für zu Hause knipsen.
Seit 1991 wird das Hermannstädter Maifest vom Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt in Zusammenarbeit mit seinen Partnern organisiert. Seitdem ist es zum festen Bezugspunkt im Stadtgeschehen und im Kulturveranstaltungskalender geworden. Seit 2018 ist es sogar als Marke eingetragen. Hier machen alle mit, auch, weil es um das gemeinsame Erlebnis geht. Man kennt sich, man zeigt sich, man wächst zusammen.
Die Anfänge des Fests reichen in das Jahr 1865 zurück – in dem Schüler des evangelischen Gymnasiums den „Majalis“ begangen. Die Veranstaltung galt zunächst als „Waldfest“, dann als „Schulfest“. Es wurde über lange Zeit hinweg von Schülern und Nachbarschaften organisiert. Nach einer fünfzigjährigen Pause nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Kommunismus knüpfte man schließlich neu an die Traditionslinie des Fests an.
Auch über drei Jahrzehnte später kann man beim Maifest eine besondere Form der Gemeinschaft erleben. Ein Fest, bei dem man sich kennt und sich in verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen immer neu kennenlernt. Bei dem man sich gegenseitig aufwachsen sieht, an das man sich als Erwachsener erinnert und bei dem man ins Schwelgen gerät, wenn das erste eigene Maifest – ganz schleichend und plötzlich – schon einige Jahrzehnte her ist.








