Ein Hermannstädter erfindet das Fernweh

Hugo d’Alési und die Geburt des modernen Reiseplakats

Cătălina Costache führte die Gäste in die Welt Hugo d’Alésis ein. Foto: Roger Pârvu

Hermannstadt - Dass ein Plakat einladend sein muss, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Eine Selbstverständlichkeit jedoch, die einem gebürtigen Hermannstädter zu verdanken ist. Hugo d’Alési, der als Frédéric Alexianu am 10. Februar 1849 in Hermannstadt/Sibiu geboren wurde, war derjenige, der das Reiseplakat aus einem nüchternen Informationsträger in ein Versprechen der Ferne, der Sehnsucht und der möglichen Traumerfüllung verwandelte. Obwohl sein Werk weltweit Anerkennung findet, wird er nur selten mit der Stadt am Zibin in Verbindung gebracht – ein kulturhistorischer blinder Fleck, den eine neue Ausstellung zu korrigieren versucht.

Am 1. September wurde in der Heartfully-Galerie, der ersten gemeinnützigen Kunstgalerie in Rumänien, in Hermannstadt eine Ausstellung mit einer Auswahl an Plakaten des Künstlers eröffnet. Die Galerie, getragen von der Stiftung Polisano, realisierte das Projekt gemeinsam mit dem Verein „Ille et Vilaine – Sibiu“. Als symbolisches erstes Plakat wurde jenes für die Bretagne ausgewählt – ein bewusster Hinweis auf die Städtepartnerschaft zwischen Hermannstadt und Rennes, aus der der Freundschaftsverein hervorgegangen ist, wie Cătălina Costache, Vorsitzende der Polisano-Stiftung und zugleich neue Vorsitzende des Vereins, erläuterte. Sie begrüßte die Gäste mit dem Hinweis, dass die Ausstellung genau in jene Jahreszeit falle, in der die meisten ihren Urlaub bereits hinter sich haben, die Sehnsucht nach der Ferne jedoch noch nachklingt. „Wir wollten diese Stimmung aufgreifen und sie mit dem Werk jenes Mannes verbinden, der als Vater des modernen Reiseposters gilt“, so Costache.

D’Alési, der vor seiner Übersiedlung nach Paris als technischer Zeichner im Hafen von Izmir tätig war, erhob das Reiseplakat zur Kunstform. In Paris arbeitete er zunächst für die lithographische Gesellschaft „Le Mercier“ und gestaltete ab den frühen 1880er Jahren Plakate für Theater und Vergnügungsstätten. Für die großen französischen Eisenbahnlinien – PLM, Paris-Orléans, Jura-Simplon – schuf er ab 1890 jene ikonischen Bilder, die den bis dahin üblichen überladenen, textlastigen Stil radikal hinter sich ließen.

D’Alési brach radikal mit dem bis dahin üblichen, überladenen Stil voller Fahrpläne, Tarife und kleiner Illustrationen. Stattdessen setzte er auf ein einziges großformatiges, atmosphärisch dichtes Motiv: eine Frau, die bei Menton auf das Meer blickt, oder ein Panorama von Bordeaux das aus der Ferne gesehen wird. Seine Plakate, oft in Chromolithografie oder Dreifarbdruck ausgeführt, zeigten die Riviera, die Côte d’Azur, die Alpen, die Pyrenäen oder nordafrikanische Motive und machten ihn europaweit bekannt.

Dieser Ansatz ging als „Landschaftsstil“ in die Kunstgeschichte ein und gilt als stilistischer Ursprung nahezu aller Reiseplakate, die seitdem entstanden sind. Sein monumentalstes Werk war das Maréorama, ein bewegtes Mittelmeer-Panorama, das auf der Weltausstellung 1900 gezeigt wurde und ihm das Kreuz der Ehrenlegion einbrachte . D’Alési starb am 11. November 1906 in Paris, hinterließ jedoch ein Werk, das die visuelle Sprache des Reisens nachhaltig prägte.

Die Ausstellung ist Teil eines größeren Projekts, das durch die Kulturagenda der Stadt mitfinanziert wird und bis November eine Reihe weiterer Veranstaltungen umfasst. Dazu gehört unter anderem ein Wettbewerb für neue Reiseplakate, die Hermannstadt gewidmet sind – ein kreativer Brückenschlag zwischen historischer Plakatkunst und zeitgenössischem Grafikdesign. Die Ausstellung selbst kann noch bis zum 14. September besucht werden und lädt dazu ein, einen Künstler neu zu entdecken, der die visuelle Sprache des Reisens geprägt hat wie kaum ein anderer.