Hermannstadt – Das beispielhaft renovierte Interieur lässt sich wirklich nur von innen bewundern, Hereinschauen durch die acht Fenster nützt wenig. Wahrscheinlich ist es Absicht der Architekten vom Büro „Modul 28“ nebenan im gleichen Hof, dem Erdgeschoss vom alten Haus auf der Rosmaringasse/str. M˛sarilor an der Ecke zum Weinanger/Târgu Vinului und Rosenanger/Târgu Peștelui in der Unterstadt keine neuen Fenster eingebaut zu haben. Dafür aber wurde alles andere fein herausgeputzt, und die Taktik ging auch in der Tat auf: Publikums-Mangel hatte Architekt Robert Makkos als Dichter und Künstler der ersten Ausstellung im eigens dafür hergerichteten Parterre überhaupt nicht im Geringsten zu beklagen. Ob es primär am Mundfunk, am Plakat oder an der Vernetzung durch Social-Media-Kanäle liegt, dass größtenteils Erwachsene jungen bis mittleren Alters den Könnern vom Studio „Modul 28“ scharenweise und sprichwörtlich die Bude einrannten, ist zweitrangig. Denn was Robert Makkos und seine Kollegen sich gewünscht hatten, war ein artistischer Einstand nach Maß, und er klappte wie am Schnürchen. Neugierig vorbeigeschaut haben auch Restaurator Ștefan Vaida aus Alzen/Alțîna und Stefan Bichler, Pressesprecher der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien bis März 2024. „Cernoziom“ hatte Robert Makkos als Titel für diese Expo gewählt und auf das weiße Podest folgerichtig einen gläsernen Krug voll Schwarzerde gestellt. Leider war klar, dass seine Ausstellung nur einen Nachmittag und Abend lang zur Besichtigung offenstehen würde. Bei solch ausgesprochen stimmiger Qualität des räumlichen Angebots dagegen ist sicher mit Weiterem zu rechnen.
„Ich bin aus Kronstadt“, sagt Robert Makkos, der im rumänischen Brașov von der 1. bis zur 8. Klasse nebenher als Privatschüler eines bildenden Künstlers mit Schwerpunkt auf Bildhauerei zu gestalten gelernt und das Abitur an einem Gymnasium für Anwärter auf das Architektur-Studium abgelegt hat. „Sehr gerne würde ich die Expo auch in Kronstadt zeigen, damit meine Lehrer sie sehen.“ Der Stolz von Robert Makkos ist nicht unberechtigt. Seine Prosagedichte mit Fokus auf Intro-spektion und Selbsthinterfragung des Menschen in einer auf das Materielle verkürzten Welt, von denen ausgehend er 2018 und 2019 Grafiken entworfen hat, verlangen Lesern Hingabe ab. So gezielt aber, wie Robert Makkos schreibt, zeichnet er auch, und das mit Offset-Druckerschwärze, also von Hand statt digital. Das der Grund, weswegen seine Grafiken förmlich Frische atmen, wo ihr Pechschwarz bei dünnem Auftragen eine matte Farbschicht ergibt und das nach dickerem Pinselstrich Bleibende glänzen lässt, als ob es eben erst langsam tropfend aushärtet. Das Kunstlokal der Architekten von „Modul 28“ meint es ernst, bietet mehr als nur das Einfache eines spektakulären Orts ohne Tiefgang. Auch und gerade die spiegelnde Raumdecke gleich rechts nach Eintritt geht nicht auf eine Zufalls-Entscheidung zurück. Oder Interesse an Balkendecken wie vor Jahrhunderten? Bitteschön, auch so eine urige Machart lässt sich an derselben Adresse bedenkenlos vorzeigen.