Hermannstadt – Am vorletzten Augustwochenende war es so weit: Das „Holzstock“ brachte wieder Leben ins Harbachtal/Valea Hârtibaciului. Im Dorf Holzmengen/Hosman nahe Hermannstadt wurde rund um die Holzmengener Kirchenburg Musik geboten, gewerkelt, gebastelt, gespielt und Sport getrieben.
Innerhalb der Ringmauern der Burg hatten die Festival-Teilnehmer auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu zelten. Unter dem Motto „Drei Tage jenseits von Zeit und Raum“/„Three days outside time“ verwandelte sich die Burg zu einem Ort der Jugend, der Entspannung und des ewigen Sommers.
Seit 2014 findet das Festival statt, damals noch mit 30 Jugendlichen, der Band Domino und 100 Pfadfindern aus Leschkirch/Nocrich. Die ersten Gehversuche des Festivals waren kleiner angelegt, inzwischen hat sich die Veranstaltung aber schon längst etabliert. Gedacht als Format von „Jugendlichen für Jugendliche“, bei dem diese die Gelegenheit bekommen, ihre eigenen Ideen einzubringen, sollte es über die Jahre immer größer werden. Jedes Jahr lädt die Festivalleitung Bands aus Hermannstadt und Umgebung, aber auch aus ganz Rumänien ein. Auch Bands aus Deutschland und Österreich stehen meist im Programm. Die familiäre Atmosphäre seiner Anfänge hat sich das Festival jedoch bis heute bewahrt.
Insgesamt zehn Bands hatte das Organisationsteam für zwei lange Musikabende an Land gezogen, darunter die Publikumsmagneten „Fără Zahăr“ und „Robin and the Backstabbers“. Mit den Bands „This Rromarican life“, „Mano & Gregor“, der österreichischen Band „Hertzinger“ und „Membra“ stand der Freitag-abend im Zeichen der Folk-Musik. Am Samstag wurde es dann mit den Bands „Brainwasher“, „Far away from earth“, „Hypno Ceperco“ und „The groovy bastards“ etwas rockiger.
Über 500 Besucherinnen und Besucher verzeichnete die Festivalleitung in diesem Jahr. Auffällig sei, wie viele unterschiedliche Menschen in Holzmengen zusammenkämen, um das „Holzstock“ zu gestalten, freut sich Marius Laabs, einer der Organisatoren des diesjährigen Festivals. Aber nicht nur das Publikum ist vielfältig. Auch das Programm, das neben den musikalischen Auftritten geboten wurde, konnte sich sehen lassen: So standen Malen, Töpfern, ein Improvisationstheater, verschiedene Aktivitäten wie ein Fotografie-Workshop und ein Workshop zu siebenbürgisch-sächsischen Tänzen, ein Erste-Hilfe-Kurs und ein Kinderprogramm mit Riesen-Holzspielen und Brettspielen des Deutschen Kulturzentrums auf dem Programm.
Einige der Workshops erfreuten sich beim Publikum eines durchschlagenden Erfolgs: „Die Workshops oben auf dem Hügel waren non-stop belegt, erzählt Marius Laabs. „Der Schnitz-Workshop von Cristina Feleki-Dengel fand gleich dreimal in Überlänge statt. Der Broschen-Workshop von Ana Hideg lief am Freitag, Samstag und Sonntag bis zum Beginn der Konzerte, obwohl ursprünglich jeweils nur eine Stunde dafür eingeplant war.“ Auch in der Kirche selbst fand ein Teil des Programms statt, so Marius Laabs: „In der Kirche gab es am Samstag um 14 Uhr ein Sing Along mit Alex Mirea. Die versammelte improvisierte Gemeinde aus Festivalbesuchern sang Hits wie Let It Be, Andrii Popa und Knockin’ on Heaven’s Door.“
Für Corina Stănese, Koordinatorin des Festival-Teams, standen die Besonderheit des Ortes und der Teamgeist im Vordergrund: „Für mich war es vor allem schön, wieder mittendrin zu sein. Ich wusste gar nicht mehr, wie sehr es mir gefehlt hat, an diesem Ort, an dem ich sozusagen mit aufgewachsen bin und seit mehr als zehn Jahren Jugendprojekte mitmache und umsetze, wieder mit anzupacken und das Holzstock mitzugestalten. Gerade hier in Holzmengen merkt man, dass diese alte Kirchenburg weiterleben kann, wenn eine neue Generation einen Bezug dazu aufbaut. Besonders gefreut hat mich die Gemeinschaft, die in den letzten Jahren rund ums Festival entstanden ist: es war bereichernd, die Jugendlichen aus dem Helfer-Team kennenzulernen und am Ende zu sehen, wie begeistert alle waren.
Für mich war es besonders, gemeinsam mit dem Team und auch mit unseren Freunden zu arbeiten, von denen einige sehr spontan eingesprungen sind und mitgeholfen haben.“
Für die Zukunft erhoffe sie sich, dass es gelinge, die Jugendorganisationen stärker zusammenbringen und zu vernetzen: „Ich glaube, dieses Jahr haben einige richtig Lust auf das Festival bekommen – und diese jungen Leute kommen beim nächsten Mal hoffentlich mit neuen Ideen und noch mehr Leuten zurück.“ Nur so könne wieder eine stärkere Verbindung zwischen der jungen Generation und dem kulturellen Erbe der deutschen Minderheit entstehen.
Das „Holzstock“ wird immer mehr zum Treffpunkt: für die Menschen vor Ort, aus Hermannstadt und Umgebung, für junge Menschen aus dem Ausland. Lernen an einem historischen Ort, Musik und pure Entspannung gab es also auch in diesem Jahr beim Festival von „Jugendlichen für Jugendliche“ vor siebenbürgisch-historischer Kulisse – stimmungsvolle Sonnenuntergänge inklusive.
Veranstalter des Festivals waren das Jugendbegegnungszentrum Holzmengen (Europäisches Jugendbegegnungszentrum Kirchenburg Holzmengen e.V., EJBZ/Centrul European pentru Întâlnirea Tineretului Hosman (CEPIT) und das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS).
Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Departement für interethnische Beziehungen, den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, das Bundesministerium des Innern, das Land Kärnten und das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen.






