Hundert Freiwillige retten die hundertjährige „Uszoda“

Frühere Badeanlage soll nach jahrzehntelangem Verfall endlich wiederbelebt werden

Die Gerüste stehen, doch es steht viel Arbeit bevor. Foto: Ambulanța pentru Monumente – Banat / Facebook

Temeswar – Mehr als hundert Freiwillige aus verschiedenen Landesteilen arbeiten derzeit an der Sicherung und Restaurierung der historischen Uszoda in Temeswar. Die ehemalige städtische Bade- und Schwimmanlage wurde 1926 eröffnet und besteht damit seit hundert Jahren. Bis zum 13. September sind Studenten der Architektur und verwandter Fachrichtungen sowie Restauratoren und Denkmalschutzfachleute auf dem Gelände tätig. Die Aktion wird von der Stadt Temeswar und dem Verein ArhaBito im Rahmen des Projekts „Ambulanța pentru Monumente – Banat“ durchgeführt.

Gearbeitet wird zunächst dort, wo weiterer Substanzverlust droht. Dachstühle werden gesichert und ergänzt, Ziegeldächer instand gesetzt, später zugemauerte Öffnungen wieder freigelegt und deren ursprüngliche Profile rekonstruiert. Hinzu kommen Arbeiten am Mauerwerk und an den Fassaden. Die Stadt stellt die benötigten Baumaterialien zur Verfügung. Ziel ist nicht die originalgetreue Wiederherstellung eines Freibades wie vor hundert Jahren. Vielmehr soll die Anlage langfristig wieder für Sport, Bewegung sowie kulturelle und gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren.

Über die Zukunft der Uszoda wird in Temeswar allerdings schon seit vielen Jahren diskutiert. Die Anlage war nach der Wende außer Betrieb und verfiel zunehmend. 2017 wurde sogar öffentlich über ihren Abriss gesprochen. Der damalige Bürgermeister Nicolae Robu wollte das Gelände dem Zentralpark zuschlagen. Dagegen formierte sich Widerstand aus der Zivilgesellschaft; eine Online-Petition forderte den Erhalt der Anlage, an die viele Temeswarer persönliche Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend knüpfen. Zu einer grundlegenden Sanierung kam es zunächst nicht. Noch Anfang 2020 berichteten lokale Medien über den schlechten Zustand und große Mengen Abfall auf dem Gelände; anschließend ließ die Stadt die Anlage säubern.

Einen neuen Anlauf gab es 2021. Bürgermeister Dominic Fritz kündigte damals an, die Uszoda gemeinsam mit Architekturstudenten wiederzubeleben. Geplant waren unter anderem Grünflächen, Sportplätze und ein provisorisches Amphitheater im ehemaligen großen Schwimmbecken; die Anlage sollte noch im selben Sommer zumindest teilweise zugänglich werden. Die Stadt bezeichnete dies ausdrücklich nur als Übergangslösung auf dem Weg zu einer späteren Neugestaltung. Auch 2022 wurde die „Stadterneuerung Zone Uszoda – Phase I“ in den Unterlagen der Stadtverwaltung als Planungsprojekt geführt. 2024 erfolgten weitere Aufräumarbeiten als Vorbereitung für die Sicherung und Sanierung der Gebäude.

Damit unterscheidet sich die jetzige Aktion von mehreren früheren Ankündigungen: Seit dem 17. August wird tatsächlich unmittelbar an der erhaltenen historischen Bausubstanz gearbeitet. Parallel versucht die Stadt, das Areal schrittweise wieder für die Öffentlichkeit zu öffnen; ein Basketballplatz wurde bereits eingerichtet. Im Juni dieses Jahres bereitete die Stadt zudem eine Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum PLAI vor, um Teile der ehemaligen Sportanlage für kulturelle, sportliche und gemeinschaftliche Zwecke herzurichten.

Mit der „Ambulanța pentru Monumente“ hat die Stadt dabei einen Partner gewonnen, der im rumänischen Denkmalschutz inzwi-schen einen sehr guten Ruf besitzt. Das 2016 gegründete Netzwerk verfolgt ein vergleichsweise pragmatisches Konzept: Gefährdete historische Bauten sollen durch rasche Sicherungsmaßnahmen vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden. Fachleute, Handwerker, Architektur- und Restaurierungsstudenten sowie Freiwillige arbeiten dabei gemeinsam, meist unter Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung und Behörden. Neben der Rettung der Gebäude dient das Programm zugleich der praktischen Ausbildung junger Denkmalschützer.

International bekannt wurde das Projekt 2020, als es bei den European Heritage Awards/Europa Nostra Awards, einer der wichtigsten europäischen Auszeichnungen im Bereich Kulturerbe, in der Kategorie Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung ausgezeichnet wurde. Zusätzlich erhielt die „Ambulanța pentru Monumente“ den Publikumspreis; bei der europaweiten Abstimmung mit mehr als 12.000 Teilnehmern erzielte das rumänische Projekt die meisten Stimmen. Die Europäische Kommission würdigte dabei insbe-sondere das Zusammenspiel von Fachleuten, Freiwilligen, jungen Menschen und lokalen Gemeinschaften.

Im Banat wird das Programm in den Kreisen Temesch und Karasch-Severin vom Verein ArhaBito umgesetzt. Bislang konzentrierte sich die Banater „Denkmalambulanz“ vor allem auf gefährdete Bauten im ländlichen Raum. Die Uszoda ist ihre erste Intervention in einem städtischen Umfeld. Für ArhaBito-Vorsitzenden Mihai-Claudiu Moldovan geht es dabei nicht nur um Mauern und Dächer. Bewahrt werden sollen auch die Geschichten und Erinnerungen, die Generationen von Temeswarern mit der einstigen Badeanlage verbinden.