„Jedes Werk ein Schauspiel“

Brukenthalmuseum vollendet das Erbe von Magdalena Rădulescu

Wer die Ordnung nicht stört, kann sich auch sitzend in die Welt des artistischen Arbeitens von Magdalena Rădulescu hineinfühlen.

Vernissagen-Stammpublikum Hermannstadts. Fotos: Klaus Philippi

Hermannstadt – „Maimeri“ in Großbuchstaben ist auf den Deckfarbe-Tuben zu lesen, mit denen die beiden Stühle historischen Datums bestückt wurden. Und nur bei genauerem Hinschauen mag der Gedanke aufkommen, dass die schon deutlich alten Behälter für die Gouache der italienischen Traditionsmarke vielleicht doch nicht originales Zubehör aus dem Pariser Atelier von Malerin Magdalena Rădulescu (1902-1983) sind: den für Restaurierung Zuständigen des Brukenthalmuseums ist eine Werkstatt-Nachbildung geglückt, wie sie in der Abteilung für Zeitgenössische Kunst kaum stimmiger zu lösen gewesen wäre. Auch das grobe schwarze Tuch mit goldener und roter Musterung, zur Dekoration auf den Boden zwischen den Sessel und die zwei Stühle gelegt, passt wie gerufen zur Farbwahl von Magdalena R˛dulescu in ihren Arbeiten, wovon keine auf die Wiedergabe gleich mehrerer Menschen verzichtet, Einzelporträts natürlich ausgenommen. Obwohl in Râmnicu Vâlcea geboren, hat die spätere Meisterin der Avantgarde ihre Kindheit und Jugend in Constanța sowie schließlich auch Curtea de Argeș verbacht, dessen Reichtum an Kirchen voll herrlichster Fresken es der Hochbegabten bleibend antun sollten. Eine gewisse Ähnlichkeit der Gesichtszüge von Magdalena Rădulescu mit jenen von Mexikanerin Frida Kahlo außerdem konnte zur Stunde der Vernissage am Freitagnachmittag, dem 7. März, auch Museums-Mitarbeiter Dr. Alexandru Sonoc nur bestätigen.

37 Bilder in Gouache, die als eine Kombination der Eigenschaften von Öl- und wasserlöslichen Farben verstanden werden will, und 17 Grafiken von Magdalena R˛dulescu zählen zur Sammlung des Brukenthalmuseums, das vor Jahren von einer großen Schenkung des Ehepaars Eliza und Vladimir Cantaragiu profitiert hat. Es sind Werke einer in München und Paris Studierten, die „Bestand in der Zeit“ haben, wie Mitarbeiterin Alexandra Runcan es auf den Punkt brachte, und letztlich auch Zeugnisse einer Künstlerin der Diaspora Rumäniens in Frankreich, die sich das Wohlwollen von Constantin Brâncuși zu sichern vermochte, von ihrer Leidenschaft zum Reisen und der nur 13 Jahre währenden Ehe mit Maler Massimo Campigli ganz zu schweigen. „Tumulthaft, aufregend und nicht eben ruhig“ wäre das Leben von Magdalena Rădulescu vonstatten gegangen, unterstrich Alexandru Chituță als kommissarischer Direktor des Brukenthalmuseums während der Ausstellungseröffnung. „Ihre Ruhe hat sie weder in Rumänien noch Paris, dafür jedoch in ihren Arbeiten gefunden.“ Kuratorin Alexandra Goșnescu sprach davon, dass die 1983 Verstorbene „die letzten Augenblicke ihres Lebens in einem unzureichend sauberen Hotel an der Botschaft Rumäniens in Paris verbracht hat, um in ihrem Heimatland beigesetzt werden zu können.“ An den Wänden der Brukenthalmuseums-Abteilung für Zeitgenössische Kunst hängt ihr Weltklasse-Schaffen noch bis Ende April zu später Wertschätzung aus. Mit seinem Ratschlag frei nach Nichita St˛nescu, „nicht wie in einer Fischhalle“ von Bild zu Bild zu schlendern, liegt Intendant Dr. Alexandru Constantin Chituță völlig richtig. Was die in Constan]a aufgewachsene Malerin skizziert und ausgestaltet hat, fesselt Besucheraugen.