Temeswar – Der Temescher Kreisrat wirft der Regierung vor, die Übertragung mehrerer verfallener Schülerferienlager im Kreis Temesch weiter zu blockieren. Die Einrichtungen könnten nach Angaben des Kreisratsvorsitzenden Alfred Simonis (PSD) mit europäischen Mitteln saniert und wieder für Kinder und Jugendliche geöffnet werden. Die Regierung lehne die Übergabe jedoch bislang ab. Betroffen sind nach Angaben von Simonis unter anderem die Lager in Poieni-Strâmbu und Poieni-Sat, Großkewe-resch/Chevereșu Mare, Neuhof/Bogda und Herneacova. Die Gebäude seien stark heruntergekommen. In den vergangenen Jahren habe der Kreisrat mehrere Beschlüsse gefasst, um die Übernahme der Anlagen von den nationalen Behörden zu beantragen. Zuletzt sei ein solcher Antrag im April gestellt worden, nach Gesprächen mit Premier Ilie Bolojan und den zuständigen Ministern.
Simonis erklärte, der Kreisrat habe inzwischen auch neue Katasterunterlagen erstellen lassen, damit die Grundstücke und Gebäude rechtlich übertragen werden könnten. Als inoffizielle Begründung für die Weigerung sei dem Kreisrat jedoch mitgeteilt worden, dass die Beschäftigten, die die Schülerferienlager derzeit betreuen, nicht zusammen mit den Anlagen übertragen und auch nicht entlassen oder anderweitig versetzt werden könnten. Deshalb müssten die Lager weiter in der Zuständigkeit der Regierung bleiben.
Der Kreisratsvorsitzende kritisierte diese Begründung scharf. Es sei widersprüchlich, wenn die Regierung einerseits von Reformen und Dezentralisierung spreche, andererseits aber Einrichtungen nicht an die Kreise übertrage, obwohl diese konkrete Sanierungsmöglichkeiten hätten. Simonis erklärte zudem, der Kreis Temesch und die betroffenen Gemeinden hätten bereits mehrere Finanzierungslinien verpasst, weil sie nicht Eigentümer der Anlagen gewesen seien. Nach seinen Angaben habe der Kreisrat den derzeitigen Verwaltern auch vorgeschlagen, eines der Lager zu behalten und die Beschäftigten dorthin zu versetzen. Auch dieser Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden.
Eine Ausnahme bildet das Lager in Nadrag/Nădrag. Dieses befand sich nicht in der Verwaltung nationaler Behörden, sondern bei der Gemeinde und konnte deshalb an den Kreisrat Temesch übertragen werden. Auch diese Anlage ist stark sanierungsbedürftig. Der Kreisrat hat nach eigenen Angaben bereits Pläne für die Modernisierung und Umgestaltung des Standorts. Für das Projekt in Nadrag soll nun ein Antrag zur Finanzierung aus EU-Mitteln eingereicht werden. Der Kreis könnte dafür bis zu drei Millionen Euro erhalten. Die Gesamtkosten werden auf etwa 4,5 Millionen Euro geschätzt; die Differenz müsste aus dem Kreishaushalt gedeckt werden. Simonis forderte die Regierung erneut auf, eines oder mehrere der Schülerferienlager an den Kreis Temesch zu übertragen. Der Kreisrat wolle sie nach dem Vorbild von Nadrag sanieren und wieder nutzbar machen.




