„Mein Grundlebensgefühl ist Dankbarkeit“

Würdigung von Helga Pitters fand im Spiegelsaal statt

Ehrung im Spiegelsaal: Helga Pitters (rechts) im Gespräch mit der Journalistin Christel Ungar-Țopescu und Benjamin Józsa. Foto: Aurelia Brecht

Hermannstadt - „An diesem Abend unter Freunden“ waren im Hermannstädter Forumssitz zahlreiche Menschen „zusammengekommen, um ein langes Leben zu ehren“ – so eröffnete Benjamin Józsa, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) die Veranstaltung im Spiegelsaal. Unter dem Titel „Helga Pitters in Wort und Bild“ hatte man sich am Freitagabend des 7. März zusammengefunden, um die Lebensleistung von Helga Pitters, geborene Rehner, zu würdigen. Die Veranstaltung richtete das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt in Kooperation mit der deutschen Akzente-Sendung von TVR aus.
Deutlich wurde, dass Helga Pitters im Laufe ihres Lebens viele Rollen innehatte: Als Lehrerin und Pfarrfrau setzte sie sich an verschiedenen Orten für ihre Mitmenschen ein. Diesen Aspekt griff gleich zu Anfang auch der Film der Serie „Frauenpower“ von Christel Ungar-Țopescu auf, in der die Journalistin der deutschen Akzente-Sendung bereits mehrere Frauen porträtiert hat.

Das Porträt, das im Jahr 2020 anlässlich des 90. Geburtstages von Helga Pitters entstanden war, wurde an diesem besonderen Abend ein weiteres Mal aufgeführt: „Die Pfarrerstochter, gelernte Lehrerin und Pfarrfrau hat sich ein Leben lang für die Gemeinschaft eingesetzt, vieles initiiert und auf die Beine gestellt: Von Lese-abenden und Theatergruppen bis hin zu Sammelaktionen, Weltgebetstagen und dem Frauenverein. Sie ist aus Hermannstadt nicht wegzudenken“, heißt es in der Anfangssequenz. Tatsächlich war Helga Pitters eine der Mitbegründerinnen der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Frauenvereine gab es schon seit dem 19. Jahrhundert vielerorts in Siebenbürgen; allerdings waren sie von 1948 bis zur Wende 1990 verboten.
Der Film zeichnet die verschiedenen Lebensstationen von Pitters nach. Für die Besucherinnen und Besucher des Abends erwachten ihre Kindheit und Jugend in Wolkendorf/Vulcan und Hermannstadt/Sibiu, die Schulzeit am Schäßburger Lehrerinnenseminar, der Berufseinstieg als Lehrerin in Schellenberg/[elimbar und die Zeit als Pfarrfrau in Zied/Veseud bei Agnetheln/Agnita an der Seite des Theologieprofessors Hermann Pitters zum Leben. Im Film sagt Pitters: „Mein Grundlebensgefühl ist Dankbarkeit. Das kann ich nicht genug unterstreichen. Dankbarkeit für alles, was sich ergeben hat in meinem Leben.“

Sie habe ihr Leben nicht nur für sich, sondern vorrangig für andere gelebt, so Benjamin Józsa nach dem Ende der Filmvorführung: „Das ist die große Lebensleistung, die wir heute ehren können: Im Dienste anderer stehen – im besten Sinne von Dienen“, so Józsa weiter.
Als zweites von vier Kindern sei sie schon früh selbstständig gewesen, sagte Pitters in der Diskussion im Anschluss an die Filmvorführung. Helga Pitters hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und war vierzehn Jahre alt, als ihr Vater nach Russland deportiert wurde. Ein Jahr lang habe sie als Kind das Bett hüten müssen, weil sie an einer Herzklappenentzündung litt, die man damals nicht so einfach heilen konnte.

Wie sie sich ihre dankbare Seele erhalten habe, angesichts der Widrigkeiten, die ihr in ihrem Leben begegnet seien, war eine der Fragen, die an diesem Abend gestellt wurden. Darauf antwortete sie: „Es ist vieles gelungen von dem, was ich angefangen habe und ist auch weiter gegangen.“ Das immerwährende Vertrauen, das ihr von ihren Mitmenschen entgegengebracht worden sei, habe sie immer wieder zu Neuem motiviert. Dann fügte sie hinzu: „Zur Dankbarkeit gehört noch etwas anderes. Mein Mann ist Theologe und ein gläubiger Mensch gewesen und die Dankbarkeit kommt aus dem Glauben.“

Was sie einem jungen Menschen mit auf den Weg geben würde, dessen Leben jetzt beginne, war die Abschlussfrage in der Diskussion: Das sei eine schwere Frage, so Pitters. „Denn die Zeiten haben sich geändert und ich weiß nicht, ob ich heutzutage mit dem, was ich vor 70 Jahren gemacht habe, auch weiterkommen würde. Aber: Wenn man etwas anfängt, dann soll man dranbleiben.“