Hermannstadt – Hat sich das römisch-katholische Erzbistum zu Karlsburg/Alba Iulia, bei dem Freuden und Sorgen aus sämtlichen Gemeinden zehn siebenbürgischer Landeskreise gezählt werden, in der Causa des vormaligen Ursulinen-Klosters in Hermannstadt/Sibiu verzockt? Fakt ist, dass ihm die prächtige Immobilie spätestens im Jahr 2010 auf dem Rechtsweg rückerstattet worden sein muss, als dem seit 1948 auf staatliche Pflicht hin eingemieteten Gymnasium der Stadt für die Ausbildung zum Lehramt auf Deutsch und auch Rumänisch in Kindergärten und Grundschulen die Entscheidung mitgeteilt wurde, das wieder in ausschließlich kirchlichem Besitz stehende Gebäude räumen zu müssen.
Ihrer juristischen Aufgabe ist die Geschäftsführung des römisch-katholischen Erzbistums in Karlsburg zwar vorbildlich nachgekommen, nicht aber auch dem Erhalt ihres neuen alten Eigentums durch fortwährende Aktivität unter endlich doch geänderten Umständen, die eigentlich voll und ganz dem beabsichtigten Wechsel im Besitzverhältnis entsprachen. Jedwelche Gestaltung des Innenlebens, die fortan eigenmächtig in die Tat hätte umgesetzt werden können, blieb nichtsdestotrotz aus. Bis Alexandru Constantin Chitu]˛, am Brukenthalmuseum für alle Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und zeitweise auch als dessen kommissarischer Generaldirektor beschäftigt, schon sehr bald nach dem Abklingen der Covid-Pandemie das leerstehende und baulich sichtbar vernachlässigte Ursulinen-Kloster als einen von mehreren Standorten des Sibiu Contemporary Art Festivals (SCAF) in Szene setzte. Auch in Kürze ab Freitag, dem 4. September, werden seine Türen erneut für Ausstellungen des vierwöchigen SCAF geöffnet, das der Stadt zum siebten Mal seit 2020 winkt. Höchstleistungen des Versuchs auf Wiedererschließung, wovon einheimische und regionale Kreise von Künstlern und Zuschauern sich langfristige Sicherheit erhoffen, waren jüngst eine Expo von Ștefan Câlția und die Renovierung des Dachstuhls und der Dachhaut vom zentralen Gebäudeflügel durch die „Ambulanța pentru Monumente”. Sogar die Krypta der Ursulinen-Kirche direkt nebenan steht zu geführten Visiten offen.
In Karlsburg leider, wo man selber keinen Einfallsreichtum mehr für die Ausgestaltung des Klostergebäudes aufbringen wollte, ist unlängst die Entscheidung gefallen, es zum Verkauf freizugeben.
Da es als Baudenkmal höchster Wichtigkeit zählt, hätten zunächst das Kulturministerium und der Kreisrat Hermannstadt Anspruch auf das Vorkaufsrecht als staatliche Obrigkeiten anmelden können, was jedoch nicht eintrat. Weder das Ministerium noch der Kreisrat werden von ihrem Privileg Gebrauch machen wollen. Architektin Heidrun König dafür hat ein Schreiben an das Rathaus aufgesetzt, worin sie und zig weitere Unterzeichner dringend um den Ankauf des Kloster-Altbaus durch das Bürgermeisteramt bitten. Stadtweit brechen sich bereits Gerüchte Bahn, dass andernfalls die Immobilie unweigerlich Interesse privatrechtlicher Investoren wecken würde, und dem Baudenkmal Umfunktionierung und Umwidmung hin zu einem Hotel drohte. Wobei auch die Bemerkung erlaubt sein sollte, dass bei Wahrung architektonisch anspruchsvoller Qualität mutige Umgestaltung als Hotel dem Gebäude nicht zwangsläufig Schaden zufügt. Den Stadtrats-Mitgliedern wiederum war noch bis Montag, den 24. August, keine Beschlussvorlage durch die Rathaus-Leitung gesendet worden, die zum nächstmöglichen Sitzungstermin bereits eine Entscheidung mittels Abstimmung erfordert. Bürgermeisterin Astrid Fodor (DFDR) und der für Kulturerbe und Wirtschaftliches zuständige Mitarbeiter-Stab im Rathaus jedoch gingen im Eilschritt über die Bücher und ergänzten die Tagesordnung der Sitzung vom Stadtrat am Donnerstag, dem 27. August, mittwochs davor um den Punkt, der ein Votum für den Verzicht auf das Vorkaufsrecht in der Sache des Ursulinen-Klosters nahelegte. Vom Schultern der Kosten für die Rehabilitierung des Altbaus wurde eindeutig abgeraten. 40 Millionen Euro dafür veranschlagt die Therme Group, deren Leiter Radu Hanea ernsthafte Bereitschaft zum Kauf und Herrichten des ehemaligen Klosters als regionales Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung zugesagt haben soll. Die Perspektive, es wieder von einer Schule nutzen zu lassen, ist somit vermutlich vom Tisch, trotzdem Immobilien letzterer Kategorie in Hermannstadt Mangelware sind. Alexandru Constantin Chituță für seinen Teil indessen, der sich als kommissarischer Leiter des Brukenthalmuseums und Mitgestalter des SCAF an vorderster Stelle vergeblich darum bemüht hatte, das Ursulinen-Kloster von seinem staatlichen Arbeitgeber erwerben zu lassen, fungiert seit Mitte August kommissarisch als Direktor des Kulturpalasts in Jassy, dem Hauptstandort der Museumsvereinigung „Moldova”. Ostrumäniens Metropole schätze er wie „eine zweite Heimat”, meinte Chituță am Tag seiner Amtsübernahme, nachdem sein Verhältnis zu Entscheidungsträgern besonders siebenbürgisch-sächsischer Kreise in Hermannstadt sich zusehends verschlechtert hatte. Ob aus einseitigem Verschulden oder nicht, sei dahingestellt. Unternehmer Radu Hanea und die von ihm gegründete und nach wie vor auch gelenkte Therme Group stehen bekanntlich in sehr gutem Kontakt zu Hermannstadts Theaterintendant Constantin Chiriac. Bedingungen, unter denen dem Kloster im Suchen nach sinnvoller Rehabilitation viel eher Glück zu wünschen ist, als es misstrauisch dem fortschreitenden Vernachlässigen preiszugeben.




