Hermannstadt – Ein paar kleine Messer zur Mitnahme gegen Entrichten einer Spende lagen zusätzlich zu manchen Postkarten und Zeichnungen auf dem Tisch bereit, wovon alle abgerundete Klingen hatten. Besonders eines mit rundem Holzgriff lag derart bequem und sicher in der Hand, dass es perfekt als Wiegemesser zum Hacken von Petersilie oder Knoblauch taugen müsste. Ob es einen Käufer gefunden haben mag? Donnerstagvormittag, am 20. August, lag es noch zur Übergabe an seinen neuen Besitzer bereit. Allerdings veranschlagten die vor allem Deutsch und Französisch sprechenden Wandergesellen während ihrer drei Wochen langen Schauwerkstatt auf dem Huetplatz vom 3. bis 23. August 600 Lei für das gute Stück, und wegen so stolzer Preisvorgabe ist es nicht auszuschließen, dass bei Räumung des Ateliers auch die zurecht teuren Messer aus traditioneller Fertigung durch Schmieden von Hand wieder von ihren Schöpfern eingesammelt werden mussten. Aber es gab auch erschwinglichere Kostbarkeiten wie zum Beispiel kleinfingergroße Zimmermannsnägel. Bei genauerem Blick auf ihre Köpfe wurde gern verraten, dass Exemplare mit fünf statt üblichen vier Facetten höchst-wahrscheinlich aus einschließlich maschineller Produktion stammen, wohingegen bei vier abgeschrägten Flächen kein Zweifel an der ausschließlich manuellen Herstellung bestehen kann.
Konditorin Vero aus Deutschland wog Mehl aus siebenbürgischer Gegend, und am Akzent von Schmied Sebastian konnte man recht klar vermuten, dass er aus Baden-Württemberg stammt. Forstwirt Henrich aus Mecklenburg-Vorpommern, sonst für das Fällen und Setzen von Bäumen verantwortlich, setzte sich seinen knallig roten Gehörschutz zur Abwechslung am Amboss auf und gestaltete mit unzähligen Hammerschlägen eine Rose. Einheimische Bauarbeiter in Rumänien, die in der Regel ihre lärmenden Tätigkeiten zumeist ohne Gehörschutz ausüben, kann er nicht verstehen. Bedenklichst auffallend am Huetplatz auch der Umgang mit Abfällen und ihrer Entsorgung, da aller unachtsam weggeworfene Müll wirklich nur auf Touristen und Schaulustige zurückgehen konnte: im Bereich, den die Gesellen auf der Walz für ihre Schauwerkstatt freundlich mit einer Kette nach außen hin abgegrenzt hatten, lag kein Unrat auf dem gepflasterten Boden und den hölzernen Werkbänken. So ein Lernen von Gästen konnte Hermannstadt/Sibiu auch diesmal gut gebrauchen.





