Hermannstadt/Ascona – Philosophin und Kunstkritikerin Dr. Iris Ordean, Dozentin an der Lucian-Blaga-Universität Sibiu und Referentin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt, hat im Terminkalender eine Reise in die italienische Schweiz am letzten August-Wochende stehen, da sie auf Englisch einen Vortrag zur Entstehungsgeschichte des Monte Veritŕ halten wird. Grund für ihren Besuch der Stätte bei Ascona im Tessin/Ticino, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Gusto Gräser sich sehr überzeugt mit in die Besetzung und Ausweitung eines Kreises alternativ reflektierter Künstler, Schriftsteller und ehrgeiziger Einzelgänger einschaltete, ist der Jahres-Workshop der vor erst wenigen Jahren gegründeten Gusto-Gräser-Gesellschaft (GGG). Er findet zum vierten Mal statt und behandelt den Einfluss seines Namensgebers auf eine betont oppositionelle Bewegung und Ideenwelt, die auch im Politischen ihren Niederschlag fand und findet. Gusto Gräser, der selber aus Siebenbürgen stammte, jedoch schon als Jugendlicher früh sowie recht vehement gegen die sächsische Anspruchsgesellschaft des urbanen Transsylvanien aufbegehrte und sich individuell als ein Schulabbrecher behauptete, vermochte auf sehr gewisse Art und Weise im deutschsprachigen Westen Europas dank seiner weiten Begabungen Freunde, Gleichgesinnte und manchmal gar Gönner zeitweise um sich zu scharen. Hermannstadt und sein Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien dienten vergangenes Jahr als Ort für den Jahres-Workshop der GGG (die ADZ berichtete).
Mitveranstalter der aktuellen Begegnung am prägendsten Ort der Biografie von Reformdenker, Vegetarier und Pazifist Gusto Gräser überhaupt ist der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg (AKSL), in dessen Namen Kirchengeschichtler und Theologe Prof. Dr. Ulrich Andreas Wien Religiöses in der Vita des bis heute relevanten Nonkonformisten fundiert anschneiden wird. Je einen Vortrag zugesagt haben auch Museumswissenschaftlerin Dr. Irmgard Sedler, Historikerin Dr. Ingrid Schiel, Filmemacherin Brigitte Drodtloff, Kunstgeschichtlerin und Vermittlerin Eleonora Alberti sowie Lehrerin Dr. Silvia Carnelli, die 2022 ihre Promotions-Arbeit über Gusto Gräser vorlegen konnte und dem Workshop der GGG am Monte Veritŕ die Festrede beisteuert. Zum Rezitieren von Gedichten reist Schauspieler Kurt Hohndorf nach Ascona an, und selbst Liedermacher Sergej Perelman aus Stuttgart hat versprochen, präsent zu sein. Das Gesamtprogramm der drei vorletzten August-Tage ist auf der Gesellschafts-Homepage gusto-graeser.info leicht einsehbar und bedient geistige wie landschaftliche Bedürfnisse in ausgeklügelter Balance. Unter gleichem Eintrag findet sich zudem die Aufzählung der Teilnahme-Konditionen logistischer und nicht zuletzt finanzieller Bestimmung. Obschon Gusto Gräser zeitlebens materielle Engpässe durchzustehen hatte, setzt der ihm gewidmete Jahres-Workshop die freundliche Entrichtung eines angemessenen Pauschalbeitrags voraus, wohingegen die Unterkunft wirklich der Schlichtheit treu bleibt. Sämtlich relevante Kontakt- und Bankdaten sind derselben Vorinformation zu entnehmen. Anders als noch vor 13 Jahren, als die Stadtverwaltung von Ascona dem Geschehen auf dem Monte Veritŕ keine Bedeutung beimaß und allgemein im Ort niemand etwas vom Erbe Gusto Gräsers wusste, wird für diesmal auch eine Person im Auftrag vom Rathaus die Gäste, Zuhörer und Mitglieder der GGG willkommen heißen. Die seit 1989 bestehende Fondazione Monte Veritŕ, deren Agenda sich explizit nicht auf die Wirkungsfelder und die Nachwelt von Gräser beschränkt, hat ihre Kulturmanagerin Nicoletta Mongini zur Begrüßung der Workshop-Teilnehmer aufgestellt.
Vorstandsmitglied Dr. Thomas Cieslik und Präsidentin Marianne Hallmen von der ausrichtenden GGG sorgen für die Moderation und das Rahmenprogramm. Enkel und Urenkel von Gusto Gräser werden ausgesuchte Gedichte und Sprüche ihres wegweisenden Vorfahren zitieren. Auf dem Monte Veritŕ übrigens steht ein Hotel mit Terrasse und Panorama auf den Lago Maggiore, wohin der Workshop am ersten Abend zu seinem Empfang einlädt.





