Retrospektive zu Ștefan Bertalan bei „Art Encounters“

Über 250 Werke des Künstlers in einer Ausstellung zu sehen

Temeswar – Die „Art Encounters“-Stiftung in Temeswar/ Timișoara präsentiert vom 3. April bis zum 28. Juni eine umfangreiche Retrospektive des rumänischen Künstlers Ștefan Bertalan (1930-2014). Die Ausstellung mit dem Titel „Im Rhythmus der Welt“ wird von Bernard Blistčne, Ehrendirektor des Musée National d’Art Moderne im Centre Pompidou in Paris, kuratiert und findet im ISHO-Bürogebäude statt.

Die Schau umfasst über 250 Werke Bertalans, darunter Gemälde, Werke auf Papier, Fotografien und Filme. Ergänzt wird sie durch ein umfassendes dokumentarisches Werk sowie die Installation „Structuri gonflabile“ aus dem Jahr 1974, die im Rahmen eines Projekts der Sigma-Gruppe entstand. Die Ausstellung gilt als die bisher bedeutendste Würdigung seines Schaffens.

Ștefan Bertalan wurde 1930 im Dorf Răcăștia, Kreis Hunedoara, geboren und verstarb 2014 in Temeswar. Er studierte von 1956 bis 1962 an der Ion-Andreescu-Akademie der Schönen Künste in Klausenburg/Cluj-Napoca und war ab 1962 Professor an der Kunsthochschule in Temeswar. Von 1970 bis 1981 lehrte er an der Fakultät für Architektur und Städtebau der TU „Politehnica“, bevor er nach Deutschland auswanderte und bis 2012 in Öhringen bei Stuttgart lebte.

Ștefan Bertalan war Mitbegründer der Gruppe 111 im Jahr 1965, zusammen mit Roman Coto{man und Constantin Flondor. Diese Gruppe gilt als eines der ersten experimentellen Kunstkollektive im kommunistischen Rumänien. Später gründete er mit Flondor und Doru Tulcan die renommierte interdisziplinäre Sigma-Gruppe (1969-1980), die Künstler, Denker und Forscher aus verschiedenen Disziplinen vereinte. Als zentrale Figur der rumänischen neokonstruktivistischen Avantgarde der 1950er und 1960er Jahre erweiterte Bertalan seine Forschungen in den 1970er Jahren auf die Bereiche Kybernetik und Systemtheorie. Dabei analysierte er natürliche Formen sowie organische, mineralische und pflanzliche Prozesse. Diese Ansätze führten ihn in den 1980er Jahren zur Erarbeitung einer umfassenden Kosmologie, die den Menschen als integralen Bestandteil der Natur betrachtet.