Särge und Gebeine vor dem Kulturzentrum Tschanad

Funde im Umfeld des Tschanader Kulturzentrums lassen einen Friedhof aus der Ansiedlungszeit vermuten

Repro der Karte der Josephinischen Landesaufnahme mit Tschanad im Banat. Man beachte das auf der Karte Angekreuzte. Foto und Repro: Lucian Petrea

Ein Archäologe beim Freilegen eines der Gräber

Tschanad – Auf der Josephinischen Landesaufnahme des Banats (1769–1772), die nur ein Jahrzehnt nach der Ankunft der ersten deutschen Kolonisten in Cenad/Tschanad erstellt wurde, ist jener Komplex, der jetzt bei Siedlungswasser-Bauarbeiten freigelegt wurde, mit rotem Kreuz und kleinen schwarzen Kreuzen markiert. Das ist der Komplex vor dem im Entstehen begriffenen Kulturzen-trum, umgeben von Linien, was gemäß den Hügelgrab-Studien des Archäologen Victor Bunoiu – Berater für Archäologie bei der Kreisdirektion für Kultur Timiș und Mitautor des Verzeichnisses der Erdhügel im Kreis Timiș (2025) – eindeutig auf einen Grabhügel hinweist.

Was die Datierung betrifft, so fällt der Friedhof nicht mit der Pestepidemie des 18. Jahrhunderts zusammen, sondern mit der Epidemiewelle des späten 18. Jahrhunderts, aus der Zeit der Kolonisierung von Tschanad. Auf einer zweiten, etwas späteren Militärkarte liegt der Friedhof bereits auf einem anderen Hügel, genau an der heutigen Stelle. Mit anderen Worten: der Grabhügel vor dem Kulturzentrum Tschanad, eine Zufallsentdeckung während der Bauarbeiten am Siedlungswassernetz der Gemeinde, fällt mit der ersten Welle der nach Cenad/Tschanad gebrachten Kolonisten zusammen, ungefähr um 1760. Und war die erste der letzten Ruhestätten der ersten Todesopfer unter den deutschen Kolonisten von Tschanad.

2023 kam auch ein (Keramik-) Gefäß mit dem Skelett eines Säuglings zutage (der archäologische Kontext wurde damals absichtlich von den lokalen Behörden zerstört, behaupte ich, um die Bauarbeiten am Siedlungswassernetz nicht unterbrechen zu müssen). Das sagt mir, dass der Komplex noch mehr Schichten aufweist als jene, die bisher im Rahmen von archäologischen Rettungsgrabungen untersucht wurden. Daraus lässt sich schließen, dass der Hügel ursprünglich eine ältere funeräre Funktion besaß und bereits vor der theresianischen Kolonisation genutzt wurde. Die späteren, als Kolonisten angekommenen Nutzer des Hügels verwendeten ihn zunächst genau in der Funktion, in der sie ihn vorfanden – nämlich als Begräbnisstätte. Später, mit dem Wachstum der Gemeinschaft, wurde der Friedhof aus Sicherheits- und Hygienegründen außerhalb der Ortschaft verlegt, auf einen anderen Hügel, der auf einer zweiten Militärkarte sichtbar ist. Das geschah allerdings auf Befehl und Druck der Behörden während der josephinischen Aufklärungszeit, als im ganzen Banat die innerörtlichen Friedhöfe, vorwiegend aus Gründen der Hygiene des Grundwassers, an den Ortsrand, außerorts, verlegt werden mussten – was vielerorts in der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand stieß.

Das zweite Argument für den aufgrund von Befunden und Indizien wie Skelettfunden im Umfeld des Kulturzentrums von Tschanad vermuteten Grabhügels ist die Beschaffenheit der unter den Gebeinen ausgehobenen Erde: ein gelber, sandiger und sehr lockerer Boden mit Eisenoxidspuren. Diese Bodenart ist charakteristisch für die Grabhügel der Banater Ebene – errichtet gerade aus den sandigen alluvialen Sedimenten, junge Böden, die für das Gebiet des unteren Marosch-Tals typisch sind und durch wiederholte fluviatile Sedimentation – während häufiger Überschwemmungen – abgelagert wurden.

Tschanad stand bis ins späte 19. Jahrhundert, als der große Marosch-Damm (bis zur Einmündung in die Theiß) gebaut und der Unterlauf des Flusses teilweise begradigt wurde, ständig unter dem Einfluss der Überschwemmungen der Marosch, seine Böden waren in der Folge überwiegend alluvial. Die in diesem Gebiet errichteten Grabhügel bestehen ihrer Natur nach aus diesem lockeren sandigen Sediment, den vom Fluss angespülten Böden mit viel Sandzusatz – im Unterschied zum verdichteten, dichten Boden des eigentlichen archäologischen Sterilbodens.