Start für One World Romania – Festival für Dokumentarfilm und Menschenrechte

Bukarest – Am Freitag, dem 4. April, wird die 18. Auflage des Internationalen Festivals für Dokumentarfilm und Menschenrechte One World Romania in Bukarest eröffnet. Dokumentarfilme aus aller Welt lenken durch die drei Hauptsektionen, „Dialoge“, „Nachklänge“ und „Existieren, widerstehen“ die Aufmerksamkeit auf brennende zeitgenössische Themen, die mit Filmemachern, Protagonisten oder Fachleuten in unterschiedlichen Bereichen besprochen werden. Wie in den Vorjahren auch, werden heuer wieder Debatten im Rahmen der Sektion „Erweiterte Dialoge“ geführt und es stehen auch eine Reihe weiterer Events auf dem Programm. Eine der acht Sektionen der Festspiele ist extra für Jugendliche gedacht, die eingeladen werden, sich Fragen über die Welt zu stellen, in der sie leben.
„In diesem Jahr suchen wir einander – inmitten eines Lärms, der immer ohrenbetäubender wird. In Angst, Instabilität, Polarisierung, Hass, in einem wir gegen sie, in einem wir gegen uns selbst, in der Auflösung bekannter Realitäten und der Formung neuer“, sagt Andreea Lăcătuș, Leiterin des Festivals. „Wir sehen den Film als Grundbaustein unseres Handelns, den Dokumentarfilm als Sprachrohr und als Kontextschaffer – für Entdeckung, Verbindung und vielleicht auch Wandel.
Widerstand durch Kultur fühlt sich in dieser Zeit immer weniger wie eine bloße Redewendung an – und immer mehr wie ein Rettungsring für manche von uns. Ausgehend davon erkunden wir verschiedene Formen des Widerstands: durch Aktivismus, durch Gemeinschaft, durch Rückzug, durch öffentliche und private Handlungen“.

Der Schwerpunkt der Festspiele richtet sich auf den britischen Filmemacher Marc Isaacs, dessen Stil von einem verspielten Umgang mit filmischer Form und einer bewussten „Intervention in die Realität“ geprägt ist. Als Kameramann, Tonmeister und Regisseur macht sich seine Präsenz im Film sowie sein Ansatz der „geplanten Spontaneität“ im Verlauf seiner Karriere immer deutlicher bemerkbar. Er ist bekannt für die sanfte, aber direkte Art, mit der er seinen Protagonistinnen und Protagonisten begegnet, was zwischen Empathie und Erkundung, zwischen Konfrontation und Respekt wechselt.

Zahlreiche preisgekrönte Filme, Dokumentationen, die in bedeutenden Filmfestspielen gezeigt wurden, laufen bis zum 13. April in den drei Kinos Muzeul }˛ranului, Elvire Popesco und Union.
Bei der Eröffnungsgala am Freitag, um 19 Uhr, wird die Dokumentation „Paradise“ (Paradis) von Ana Rieper über das koloniale Erbe Brasiliens im heutigen Alltag gezeigt. Mit einer musikalisch geprägten Erzählstruktur und Archivmaterial aus unterschiedlichen Quellen entfaltet der Film eine aufwühlende Reise durch die komplexen Verflechtungen zwischen Landbesitz und den Menschen. „No Other Land“ (Regie: Basel Adra, Hamdan Ballal,Yuval Abraham und Rachel Szon), das im Vorjahr bei der Berlinale Premiere hatte, bringt die Geschichte des jungen, palästinensischen Aktivisten Basel Adra auf die Leinwand, der seit seiner Kindheit für den Bestand der Dorfgemeinde Masafer Yatta in der Westbank kämpft. Gemeinsam mit der engagierten Gemeinschaft setzt sich seine Familie seit Jahrzehnten gegen die erzwungene Umsiedlung ein. Basels Familienmitglieder filmen viele Ereignisse und die betroffenen Menschen in der Dorfgemeinschaft, deren Landbesitz zu militärischem Sperrgebiet erklärt wurde. Als Basel den israelischen Journalisten Yuval Abraham traf, dokumentierten sie den Widerstand gegen die israelische Besatzung gemeinsam.

Auch rumänische Produktionen stehen auf dem Programm. In „Tata“ nehmen Lina Vdovîi und Radu Ciorniciuc die Zuschauer mit auf die persönliche Reise einer moldawischen Journalistin, die Filmemacherin selbst, die nach Jahren wieder Kontakt zu ihrem gewalttätigen Vater aufnimmt, nachdem sie erfährt, dass er in Italien ein Opfer von Arbeitsausbeutung geworden ist. Alte Wunden brechen auf.
Die rumänische Regisseurin Andra MacMasters widmet sich in ihrem Film „Viitor luminos“ (Glorreiche Zukunft) einem Thema, das eher selten behandelt wurde. Im Sommer 1989 versammelten sich Tausende Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen in Nordkorea zu einem großen Studentenfestival, das unter dem Motto Frieden, Freundschaft und Antiimperialismus stand. Obwohl das Festival in erster Linie politische Ziele verfolgte – etwa nukleare Abrüstung, Sicherheit, Umweltschutz sowie die Rechte von Frauen und Studierenden – und vor allem dem Frieden gewidmet war, fand es in einem historisch entscheidenden Moment statt.

Die Debatte „Hörst du mich? – SLAPP-Klagen, die uns zum Schweigen bringen sollen“ bringt Journalistinnen und Journalisten, Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsaktivistinnen und -Aktivisten sowie Rechtsexpertinnen und -Experten zusammen, die direkt mit SLAPPs (Strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung) konfrontiert waren. Anhand von Fallstudien und offenen Diskussionen will OWR Bewusstsein schaffen, Solidarität zeigen und Lösungen erarbeiten, um den Schutz gegen solche Angriffe zu stärken, so deren Organisatoren. Gäste der Diskussionsrunde sind Elena Calistru, Vorsitzende des Vereins Funky Citizens, Vlad Stoicescu, Journalist bei Dela0, Investigativjournalist Victor Ilie und Mihail Bumbe{, Bürgerrechtler. SLAPPs stellen eine zunehmende Bedrohung für Journalistinnen und Journalisten, NGOs und Menschenrechtsverteidigerinnen und -Verteidiger in Rumänien und darüber hinaus dar. Diese rechtlichen Maßnahmen werden als Instrumente der Einschüchterung, Ressourcenerschöpfung und des Schweigens gegenüber jenen eingesetzt, die den Mut haben, Korruption und Machtmissbrauch aufzudecken. Das Festival setzt auf Dialog statt Konfrontation – und bringt genau solche Stimmen zusammen, die sonst häufig zum Schweigen gebracht werden sollen.
Zu den Veranstaltern dieses Events zählt das Rechtsstaatsprogramm Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Das volle Programm ist auf der Webseite des Festivals, oneworld.ro, erhältlich. Wer es nicht zum Festival schafft oder Filme verpasst, kann zwischen dem 14. und 30. April einen Großteil der Dokumentationen online schauen.