Trotz Protesten: „MIU“ soll aus der Innenstadt umziehen

Räumlichkeiten sollen Shakespeare-Lyzeum zu Gute kommen

Temeswar – Gegen den geplanten Umzug des Technologischen Lyzeums „Ion I. C. Brătianu“, die als „MIU“ bekannte Schule (ehem. Leichtindustrielyzeum), aus der Temeswarer Innenstadt wurde bereits vor einigen Monaten eine Online-Petition gestartet. Rund 1300 Menschen haben sie inzwischen unterzeichnet. Eltern, Schüler und Lehrer wenden sich darin gegen die Verlegung der Schule vom zentral gelegenen Hunyadi-Platz an die Märtyrerstraße im Süden von Temeswar/Timișoara. Die Stadtverwaltung hält dennoch an ihren Plänen fest und hat den Umzug nun in den Entwurf zur Änderung des Schulnetzes für das Schuljahr 2026/2027 aufgenommen.

Dem Entwurf zufolge soll das „Brătianu“-Lyzeum in das Gebäude des ehemaligen „Azur“-Lyzeums in der Märtyrerstraße Nr. 64 umziehen. In dem Gebäude am Hunyadi-Platz Nr. 2 sollen künftig Klassen des Theoretischen „William Shakespeare“-Lyzeums untergebracht werden.

Die Petition war als Reaktion auf die bereits vor mehreren Monaten bekannt gewordenen Umzugspläne entstanden. Darin wenden sich Eltern, Schüler und Lehrer an den Bürgermeister von Temeswar, den Stadtrat und das Kreisschulamt. Als Argumente gegen den Umzug werden unter anderem längere und schwierigere Wege für Schüler und Lehrer, der Verlust der Identität und des Gemeinschaftsgefühls der Schule sowie mögliche negative Auswirkungen auf die Qualität des Unterrichts und die soziale und emotionale Entwicklung der Schüler genannt. „Unsere Schule ist eine Bildungseinrichtung mit einer langen Geschichte und einem ausgezeichneten Ruf in der Gemeinschaft“, heißt es in der Petition. Die Schüler hätten gute schulische Leistungen erzielt und die Schule bei zahlreichen Wettbewerben und außerschulischen Aktivitäten vertreten.

Die Stadtverwaltung begründet die geplante Verlegung mit den unterschiedlichen Fachrichtungen des „Brătianu“-Lyzeums. Das Gebäude im Stadtzentrum erfülle die dafür erforderlichen Bedingungen nicht vollständig, heißt es in den Unterlagen zum Beschlussentwurf. Das Gebäude in der Märtyrerstraße ermögliche dagegen die Durchführung der für die verschiedenen Fachrichtungen erforderlichen Unterrichtsaktivitäten. „Ziel ist es, die Tätigkeit der Bildungseinrichtung in geeigneten Räumlichkeiten zu konzentrieren und die Verwaltung des schulischen Vermögens auf Stadtebene effizienter zu gestalten“, heißt es in der Begründung. Die Maßnahme solle eine rationellere Nutzung der vorhandenen Räume und eine einheitliche Verwaltung der materiellen Ausstattung ermöglichen.

Für das „William Shakespeare“ begründet die Stadtverwaltung den Umzug mit dem zusätzlichen Raumbedarf. Dieser sei durch die Entwicklung der Schülerzahlen und die organisatorischen Anforderungen des Unterrichts entstanden. Die Unterbringung am Hunyadi-Platz soll nach Ansicht der Stadt bessere Bedingungen für den Unterricht schaffen und gleichzeitig eine effizientere Nutzung der Immobilien im Besitz der Stadt ermöglichen.

Nach Gesprächen mit der Schulleitung und dem Kreisschulamt hatte Vizebürgermeister Ruben Lațcău bereits vor rund zwei Wochen erklärt, dass der Umzug unmittelbar bevorstehe und zum Beginn des neuen Schuljahres erfolgen solle. Das Gebäude des ehemaligen „Azur“-Lyzeums soll demnach zu einem technologischen Bildungszentrum für Berufe umgestaltet werden, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.

Der Entwurf zur Änderung des Schulnetzes muss noch vom Kommunalrat verabschiedet werden. Neben den beiden geplanten Verlegungen sieht das Dokument auch die Aktualisierung von Adressen administrativer Schulstandorte beziehungsweise die Aufnahme von Nebenstellen in das Schulnetz vor.

Ungeklärt bleibt unter-dessen weiterhin die Situation des sogenannten „Kinderpalastes“ von Temeswar, der von Tausenden von Kindern besucht wird. Dieser ist nach wie vor in einem für seine vielfältigen Bildungs- und Freizeitaktivitäten wenig geeigneten Gebäude in unmittelbarer Nähe des Azur-Lyzeums untergebracht, nachdem er jahrzehntelang neben dem Kinderpark im Betrieb war. Auf eine geeignete und einem „Kinderpalast“ würdige Location warten Eltern und Kinder schon seit Jahren.