Über Gemeinschaft und Verbundenheit

In der Bergkirche von Michelsberg fand das erste Burgfest statt

Beginn des Burgfests im Ortskern mit den „Isartaler Adjuvanten“

Pfarrer László-Zorán Kézdi während seiner Festansprache am vergangenen Freitag

Tänze in der Bergkirche Fotos: Laura Micu

Michelsberg – Im Rahmen der „Festtage in Siebenbürgen“, organisiert im Umland von Hermannstadt und im Alten Land, fand in Michelsberg/Cisnădioara die dazugehörige Auftaktveranstaltung statt. Das erste Burgfest hatte zum Ziel, Michelsberger von nah und fern am Ort ihrer Kindheit zusammenzubringen. Alle dem Ort Verbundenen – aktuelle und ehemalige Bewohner Michelsbergs, Gäste aus der Region und aus Deutschland sowie Menschen verschiedener Herkunft, die Michelsberg kennen und schätzen, waren laut Veranstaltern eingeladen, das Fest gemeinsam zu begehen.

Für viele von ihnen ist die Bergkirche bis heute ein Bezugspunkt, nicht nur wegen ihrer exponierten Lage, sondern auch als Wahrzeichen von Michelsberg. Die romanische Basilika wurde vor 800 Jahren erstmals erwähnt –  ihr Bau war eng mit der Ansiedlung der ersten Siedler in Siebenbürgen verknüpft.

Heute ist sie Austragungsort zahlreicher Kulturveranstaltungen wie den Michelsberger Spaziergängen oder dem Mittelalterfestival. Entstanden ist das neue Burgfest in Kooperation zwischen der Heimatortsgemeinschaft Michelsberg und der Michelsberger Kirchengemeinde.

Nach einer feierlichen Zusammenkunft der Trachtengruppen im Dorf und einem gemeinschaftlichen und hitzegeladenen Aufstieg zur Michelsberger Burg, empfing die Bergkirche Besucherinnen und Besucher mit angenehmer Kühle. Musikalisch begleitet von den „Isartaler Adjuvanten“ unter der Leitung von Peter Wagner und Thomas Kieltsch wurde das Publikum hier am späten Nachmittag mit einem Kulturprogramm belohnt. Gabriel Tischer, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) begrüßte die Anwesenden: Wer den Aufstieg geschafft habe, habe sich eigentlich auch das Burgfest schon verdient, sagte er eingangs. Beim Burgfest gehe es mehr als um ein Fest – es gehe um Gemeinschaft, um Erinnerung und vor allem um Heimat: „Viele Michelsberger haben vor Jahrzehnten ihre Koffer gepackt und sind nach Deutschland ausgewandert. Aber Michelsberg ist trotzdem mitgegangen. In den Erinnerungen, in der Sprache, in den Liedern und Bräuchen, in den Geschichten, die den Kindern und Enkelkindern erzählt wurden.“ Gleichzeitig gehe es um noch mehr; denn an diesem Ort seien Menschen zusammenkommen, die geblieben und die gegangen seien – und solche, die irgendwann dazugekommen seien: „Eine Gemeinschaft lebt nämlich nicht davon, dass alle am selben Ort wohnen. Sie lebt davon, dass Menschen sich miteinander verbunden fühlen“, so Tischer.

Pfarrer László-Zorán Kézdi betonte, für viele sei die Burg zu einem Sehnsuchts- und Erinnerungsort geworden. Wer hierher zurückkehre, kehre immer auch ein Stück zu sich selbst zurück. Ein lebendiger Ort verändere sich. Er bewahre seine Geschichte und schreibe zugleich neue Kapitel. Für ihn verbänden sich in der Burg Vergangenheit und Gegenwart: „Diese Burg erinnert uns daran, dass Heimat nicht nur das ist, was einmal war. Heimat lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und weiterbauen. Das ist auch der Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde. Sie feiert Gottesdienste, bewahrt die Kirche, den Friedhof und die Burg, gestaltet Feste und öffnet ihre Türen für Menschen aus dem Dorf und aus aller Welt. Sie versteht sich als gastfreundliche Gemeinde. Michelsberg soll ein Ort bleiben, an dem Erinnerung ihren Platz hat und zugleich neue Begegnungen möglich werden.“

Grußworte sprachen an diesem Festnachmittag Bischof Reinhart Guib, Manfred Schuur von der Heimatortsgemeinschaft Michelsberg, der Bürgermeister von Heltau und Michelsberg Mircea Orlățan, der stellvertretende Kreisratsvorsitzende Paul Kuttesch, sowie Rainer Lehni, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Präsident der Föderation der Siebenbürger Sachsen.

Im Anschluss führten die Tanzgruppe der Heimatortsgemeinschaft Michelsberg und die Rumänische Tanzgruppe aus Heltau in der Bergkirche traditionelle siebenbürgisch-sächsische Tänze wie „Hanaks Konter“, „Schaulustig“ und rumänische Volkstänze auf.

Nach dem Abstieg von der Burg ging die Feier mit Musik, Hanklich und Mici unten im Ort weiter. Für Pfarrer László-Zorán Kézdi war das Fest eine gelungene Veranstaltung der Menschen von hier und dort.

Er sei glücklich über die Gemeinschaft und über die Menschen, die hier zusammengekommen seien und miteinander gefeiert hätten, so László-Zorán Kézdi: „Ich freue mich, dass viele, die seit langer Zeit nicht in Michelsberg gewesen sind, das jetzt als Anlass genommen haben, hierher zu kommen“. So bleibt die Burg auch heute ihrer Aufgabe treu – als Herz von Michelsberg zum Treffpunkt für alle zu werden.

Weitere Veranstaltungen der „Festtage in Siebenbürgen“ finden in Agnetheln (am 14. August), in Holzmengen/Hosman (am 15. August) sowie in Hahnbach/Hamba und Heltau/Cisnădie (beide am 16. August) statt. Alle Informationen sind zu finden unter hog-verband.de/programmuebersicht-festtage-im-august-2026.