Am Jahrmarkt

Hier gibt es fast alles. Fotos: die Verfasserin

Alles für Pferdebesitzer

Hochzeitskleider direkt von der Stange

Armes Federvieh!

Hirschgeweih, nicht selbst erlegt


„Jede Melone nur zehn Lei, zehn Lei pro Stück!“ Der junge Verkäufer steht auf der Ladefläche eines Lasters vor dem Eingang zum Tartlauer Jahrmarkt und schreit sich die Seele aus dem Leib. Hie und da bleibt einer unter den vielen Tausend Besuchern stehen und lässt eine Melone mitgehen. Wir anderen drängen zum eigentlichen Markt, zahlen brav zwei Lei Eintritt, den das Bürgermeisteramt unseres Dorfes erhebt und lassen uns treiben. Auf einen Blick: hier gibt es nichts, was es nicht gibt! Und alles in Hülle und Fülle. Meist direkt auf dem Boden, eventuell aus einem Auto, Heckklappe geöffnet. Zunächst zieht es mich nach rechts, Richtung Schilf und Stoppelfeld. Da sitzen und stehen die Kleintierhändler zu hunderten nebeneinander. Will ich ein Paar Täubchen? Ein junges Kaninchen, einen Hamster, Enten, Gänse oder Hühner? Nein, nur gucken. Das ärgert eine ältere Verkäuferin, die brummt, dass ihr solche Leute nicht gefallen. Marsch weiter. 

Darf ich wohl fotografieren? Zu Hause hat man mich gewarnt, ja kein Handy, kein Portemonnaie und kein Geld mitzunehmen. Es wimmele von Dieben. Allmählich merke ich: die Menschen hier, Käufer wie Verkäufer, sind gut gelaunt, redselig, handeln und feilschen ungarisch und rumänisch und genießen das Gewimmel. Das steckt an. Wo gibt es die großen Säcke voller „pufule]i“, die hier jeder zweite Mensch umherschleppt? Brav reihe ich mich in die Schlange vor einem Laster, aus dem die heiß begehrten Snacks säckeweise verkauft werden. Für lumpige zwölf Lei. So, jetzt gehöre ich dazu. Erwerbe mutig noch einen Strohhut und verzichte auf den Nerzmantel, den jemand von nebenan mir unbedingt andrehen will. „Schauen Sie nur, was für ein Fell, ganz ohne Füßchen, edelste Ware!“ Die liegt, das habe ich auch noch nie erlebt, direkt auf dem trockenen Rasen und lässt sich von der unbarmherzigen Sonne bescheinen. Dafür sind andere Dinge schön ordentlich in Kartons auf Tischen aufgereiht. Ein Schild darüber: jedes Teil zwei Lei! 

Für wenig Geld kann man hier vom Sofa über Vorhänge und Teppiche bis zur Kücheneinrichtung alles für den Hausstand erwerben. Und den Preis noch herunterhandeln, das gehört mit zum Geschäft. Besiegelt wird alles an einem der Stände, wo es brutzelt und raucht, wo Schnaps und Bier in Strömen fließen und die Volksmusik plärrt. Dahin traue ich mich nicht, habe ja auch nichts weiter als ein Kilo Preiselbeeren dazugekauft. Aber fotografieren, das traue ich mich jetzt und nehme die Bilder eines Basars mit, wie ich ihn noch nie erlebt habe, obwohl er an jedem ersten Sonntag im Monat am Dorfrand stattfindet. Einmal muss man das erlebt haben, werde ich zu Hause berichten. Macht euch demnächst auf! Lidl & Co. sind nichts dagegen.

Technische Geräte, alte und neue, sind nicht so mein Ding, ebenso wie Zaumzeug für Pferde, Kuhglocken und Peitschen. Aber etwas sticht mir ins Auge: ein Tisch mit Messern und Äxten. Huh, sind die scharf. Man redet und feilscht ungarisch und ein Sticker für Käufer liegt auch parat: „A fejed betöröm“. Fragen Sie doch mal Google nach der Übersetzung!

Mit dem neuen Strohhut am Kopf, pufule]i unterm Arm und Preiselbeeren in der Tasche winde ich mich durch die immer größer werdende Menschenmenge zum Ausgang. Hier soll ich warten, dass ein Auto mich abholt. Das kann dauern! Die Polizei, die Feuerwehr und der Rettungswagen sind vorsorglich zur Stelle und wachen zwischen hunderten geparkten Autos. Am Eingang steht immer noch der Laster und ein junger Mann ruft: „Zwei Melonen um zehn Lei. Fünf Lei pro Stück!“