Bergstock Semenik: Umbau auf Ganzjahrestourismus

Reschitzaer Rathaus will einzigartige Tourismusattraktionen schaffen

Der „Hausberg der Reschitzaer“, der Bergstock des Semenik, wird – nach seiner binnen mehr als hundert Jahren vollzogenen vollen hydroenergetischen Nutzung – gegenwärtig zu einem Ganzjahresziel für Tourismus umgebaut. Erstpläne dazu liegen schon gut zehn Jahre zurück und die Partnerschaft der als Projektleiter und Zugpferd auftretenden Stadt Reschitza mit dem Kreisrat Karasch-Severin leidet zwar an politischem Hin- und Her, wird aber – wenn auch zeitweilig bloß als Lippenbekenntnis seitens des PSD-geführten Kreisrats – immerhin fortgesetzt, während der Gemeinderat  Franzdorf/V˛liug, der Hauptbesitzer der genutzten Berghänge und Geländeabschnitte und die dritte Verwaltungseinheit im Bunde, seine Zusagen einhält. Er wird damit direkt oder indirekt mit zu den finalen Nutznießern des millionenschweren Investmentprojekts gehören. Entstehen soll am Bergstock des Semenik eine „Ganzjahres-Touristik-Attraktion für jedes Alter“.

Treibende Kraft und Impulsgeber des Projekts ist der Berg-, Ski-, Mountainbike- und Tourismusfan Ioan Popa, der Bürgermeister von Reschitza. Der im Hintergrund einen anderen Reschitzaer als Stütze hat, den langjährigen und verlässlichen Chef der Regionalentwicklungsagentur ADR West, Sorin Maxim. Jüngst hat die Stadt Reschitza bei ADR West einen mit langer Hand vorbereiteten Finanzierungsantrag in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro (die genaue Zahl konnte der Reschitzaer Bürgermeister beim Pressegespräch nicht nennen) hinterlegt, der alle Vorprüfungen durch die Entwicklungsagentur bestens bestanden hatte. Mit dieser beantragten Zweitfinanzierung soll die Erstfinanzierung – Wintertourismus – auf Ganzjahrestourismus ausgedehnt werden.

Ioan Popas Kommentar: „Im Rahmen der Beziehungen, die wir zur Entwicklungsagentur ADR West mit Sitz in Temeswar unterhalten, ist dieser jüngste Finanzierungsantrag einer, bei dem wir am wenigsten um die Genehmigung zittern. Wir haben bereits so viele vorbereitende und Vorprüf-Wege hinter uns, in den sieben bis acht Monaten, seit in Reschitza an dem Projekt gearbeitet wird, das in Temeswar bereits so oft unter die Lupe genommen wurde, dass die dort zuletzt gesagt haben: ‘Ok, ja, alles in Ordnung, legt es uns offiziell vor‘“

Anlage für Aktiv- und Abenteuertourismus

Reschitza plant viele Neuigkeiten für den Sommer-Bergtourismus im westrumänischen Karpatenraum. Natürlich darf eine Seilrutsche nicht fehlen. Aber die ist längst keine Neuigkeit mehr. Zum Winterbetrieb in einem europäischen Skigebiet gehört seit der akuten Klimakrise unbedingt Kunstschnee dazu und hierfür ist ein Wasserreservoir von ausreichendem Fassungsvermögen nötig, das dauernd nachgefüllt werden kann. Daran arbeitet Reschitza gegenwärtig. Und den entstehenden Bergsee soll eine Sommerrodelbahn umrunden, ein Agility-Hürdenset soll gebaut werden und ein Gleichgewichtsparcours, kurz: eine Erlebnisarena nach dem Vorbild des im steirischen Sankt Corona am Wechsel befindlichen Motorik-Parks. Mit Kinderhürdenset, Intervall-Training, Middle-School-Playgrounds und einem Extreme Angled Balance Obstacle Course. Da alles faktisch auf ebener Erde angelegt ist und man sich auf keinen großen Höhen zu bewegen braucht – Ausnahme: die Seilrutsche – braucht die künftige Anlage wenig Aufsichtspersonal – eigentlich faktisch keines. Außer beim Eintritt, wenn nicht auch der mit automatischem Zugang, nach Entrichtung der Eintrittgebühr, ausgestattet wird.

Popa: „Mit den fünf bis sechs Millionen Euro, die wir beantragt haben, finanzieren wir die Seilrutsche und eine unklassische Sommerrodelbahn mit Elektromagnet-Antrieb, mit der der künstliche Bergsee umrundet werden kann. Die Erlebnisarena – der Motorik-Park – entsteht auf etwa zwei Hektar Gelände rund um den Bergsee und ist so gedacht, dass sich dort jeder aussuchen kann, was seinen Fähigkeiten seiner Meinung nach am besten entspricht – oder woran er seine Fähigkeiten messen oder testen kann. Auf alle Fälle wird das nachgewiesenermaßen eine sehr effiziente Test- und Trainingsanlage für die persönliche Motorik jedes Besuchers. Erfahrungsgemäß haben solche Motorikparks einen hohen Zuspruch und sind sehr geschätzt. Wir werden also am Semenik die Zusatzattraktion der Einzigartigkeit für Rumänien anbieten.“ 

Bergsee und Nautikzentrum

Auf dem Bergsee werde es zudem Möglichkeiten für nautische Betätigungen geben, vermittels einem entstehenden Zentrum für Nautiksport. Gefragt, welche Sicherheit er habe, dass der Bergsee unter den Bedingungen der erwarteten Dauerdürrejahre der kommenden Jahrzehnte voll sein wird, antwortete der Reschitzaer Bürgermeister: „Dieser Bergsee wird zweifellos voll sein! Er wird von zwei Quellen mit einer durchschnittlichen Durchflussmenge von 20 bis 40 Liter pro Sekunde gefüllt, den Quellen Gozna und Goznu]a. Deswegen machen wir dort im Sommer auch das Nautik-Zentrum auf, mit Paddelmöglichkeiten und Kajaks.“ 
Der Kern des Sommerbetriebs am Semenik wird in der Nähe der Ankunftsstation der Gondel gebaut, die aus Richtung Franzdorf auf den Semenik führt.