Der Asphaltkönig baut sich ein Stahl- und Walzwerk

Die Ferdinandsberger „UMB Steel“ des ostrumänischen Umbrărescu-Clans nimmt Gestalt an

Aus Ferdinandsberg/Oțelu Roșu erreichen uns zuversichtlich stimmende Nachrichten betreffs der grundlegenden Modernisierung und des Umbaus des Stahl- und Walzwerks „Oțelul Roșu“, das seit seinem Kauf durch den „Asphaltkönig“ Rumäniens, dem aus der Moldau stammenden Dorinel Umbrărescu, vor knapp drei Jahren unter dem Namen „UMB Steel“ („UMB“ ist ein Namenskürzel, das allen Firmen des Umbrărescu-Clans voran gestellt wird) umfassend saniert und modernisiert wird. Parallel dazu fällt auf, dass gerade jetzt die staatlichen Eisenbahnen CFR SA eine Ausschreibung ins Netz gestellt haben, bei der es um die Wiederinstandsetzung zwecks Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Karansebesch – Ferdinandsberg geht – der Grund dafür kann nur und ausschließlich das aufkommende Interesse des regierungsnahen „Asphaltkönigs“ und seines Clans (angeblich soll sein Sohn das Stahl- und Walzwerk leiten) an kostengünstigen Transportmöglichkeiten für die Produkte des Stahl- und Walzwerks an der Bistra sein…

Denn bereits der Kauf des Werks durch den Umbrărescu-Clan geschah unter den protektiven Fittichen der PSD im Vorfeld des Superwahljahres 2024. Der damalige PSD-Landesvorsitzende und Regierungschef in Personalunion, Ion Marcel Ciolacu, der vor allem durch seine maßlose Vergeudungspolitik von Staatsgeldern in (leider politisch und ökonomisch sehr nachhaltiger) Erinnerung blieb, machte zusammen mit seinem Spezi, seinem heutigen Nachfolger als Parteichef und amtierenden Chef der Abgeordnetenkammer, damals sein Verkehrsminister, Sorin Grindeanu, Ende 2023 eine Tour durchs Banater Bergland. Längere Zeit verweilte er dabei in Ferdinandsberg (damals scheint auch der heutige farblose PSD-Senator Luca Mălăiescu vom Ferdinandsberger Bürgermeistersessel hochgeschubst und zum Senator in spe vorausgekürt worden zu sein). 
Die PSD hat einen Macher eingesetzt
In Ferdinandsberg lancierte das Pärchen Ciolacu/Grindeanu die PSD-Doktrin des Vorrangs der Wirtschaft vor Umwelt und allem Sonstigen (das Stichwort, auf dem die PSD heute noch trampelt: „Retechnologisierung Rumäniens“), und ebendort bereiteten sie, ganz offen, den Kauf des örtlichen Stahl- und Walzwerks durch den Umbrărescu-Clan vor, lauthals das Fortbestehen der glorreichen rumänischen Industrie vermittels rumänischer Investoren verherrlichend.
Fakt ist, dass sie mit Umbrărescu nicht den schlechtesten Griff taten. Denn der, ein Abonnent von Staatsaufträgen finanziert mit EU-Geldern, hatte die Ruinen des Stahl- und Walzwerks im Bistra-Tal mit dem erklärten Ziel erworben, von Baustahlimporten unabhängig zu werden und unter Umständen selber unter die Zulieferer von Baustahl zu gehen – angesichts des hohen Bedarfs an Baustahl in Rumänien und in Osteuropa, der nach Beendigung des Ukrainekriegs noch potenziert wird. Umbrărescu selber importiert gegenwärtig für seine Autobahnbau-Aufträge, auf die er sich clevererweise spezialisiert hat, jährlich um die 300.000 Tonnen Baustahl, und drüber, aus der Türkei. Das ist fast ein Drittel des Gesamtbedarfs an Baustahl, der jährlich in Rumänien im Bauwesen und Straßenbau verarbeitet wird (aber nicht in Rechnung gestellt ist hier etwa der hohe Bedarf an Baustahl bei Windkraftanlagen – 120 bis 150 Tonnen Stahl pro Mast – oder im Wasserbau), der für Gesamtrumänien mit einer Million Tonnen angegeben wird und der zur Stunde gänzlich aus Importen gedeckt wird. Die einzigen beiden rumänischen Baustahlproduzenten, das Stahlwerk COS Târgovi{te und die in russischer Hand befindliche Ductil Steel Buzău (die viewiegend Vor-Fertigprodukte aus Târgovi{te weiterverarbeitet),  sind stillgelegt (oder funktionieren nur gelegentlich)...

Umbrărescu baut auf Neu

Gegenwärtig hat UMB Steel beim Amt für Umweltschutz in Reschitza das Projekt „Bau einer Halle aus Metall für eine Walzstraße, samt (Versorgungs-)Netzwerken, Außenplattformen und Feuerwehrremise“ zur Genehmigung eingereicht, die auf dem Gelände am rechten Ufer der Bistra entstehen soll, das der Stahl- und Walzgutfirma „UMB Steel“ gehört. Vor allem PSD-freundliche Medien des Banater Berglands schreiben, quasi als Schlussfolgerung zu den Vorgängen in Ferdinandsberg, mit (entsprechend eingefärbtem) Seitenblick auf alle anderen Parteien, dass „Rumänien, trotz vielen und lauten politischen Hintergrundgeräuschen, funktioniert!“
Im Begleitschreiben von „UMB Steel“ an die Umweltschutzagentur APM heißt es: „Hauptziel des Vorhabens ist der Bau einer etwa 24.000 Quadratmeter großen Industriehalle für die technologische Linie der Walzstraße, sowie von rund 3000 Quadratmeter Nebenbauten (Feuerwehrremise, Pumpanlage für die Kühlungvorgänge), betonierte Außenplattformen. Die Umsetzungzeit des Projekts ist ab Genehmigung mit 14 Monaten angesetzt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1,04 Milliarden Lei.

UMB Steel wird europäische Spitzentechnologie einsetzen. Die deutsche Firma SMS Group (ein Komplettanbieter metallurgischer Prozessketten und von Walzwerktechnologie, mit Hauptsitz in Mönchengladbach) liefert nach Ferdinandsberg die Conitous Mill Technology 700 (CMT 700), die hier erstmals zum Einsatz kommt. Es handelt sich um ein komplexes Verfahren der Schrott-Verarbeitung, mit dem der Verarbeitungsprozess auf 120 Minuten reduziert wird. Das erlaubt die Verarbeitung von rund 700.000 Tonnen Alteisen pro Jahr (man denke auch an den nötigen Transportaufwand beim Herkarren des Schrotts). Als Endprodukte der UMB Steel sind Barren aus Betonstahl vorgesehen, zu Spulen zusammengerollter Betonstahl, Walzgut aus kohlenstoffhaltigem Stahl für die Bauindustrie u.ä..

Eisenbahn braucht noch Eichentraversen

Parallel dazu machen die staatlichen Eisenbahnen CFR SA wieder die Eisenbahnstrecke 215 Karansebesch – Băuțari fit, die Teil der ehemaligen Direktverbindung zwischen dem Nordbanat und dem zu Südwest-Siebenbürgen gehörenden Hatzeger Land war – eine Verbindung, die ursprünglich ab Bău]ari und über das Eiserne Tor Siebenbürgens mittels einer Zahlradbahn realisiert wurde. Diese wurde in den 1980er Jahren dummerweise aufgegeben und demontiert – ganze Abschnitte wurden auch gestohlen und als Alteisen verkauft (den total zugewachsenen Bahndamm sieht man allerdings heute nur noch streckenweise, wenn man weiß, wohin man schauen muss…). Bisher hat CFR SA rund 1,1 Millionen Lei für den Ankauf von Kleinzeug aus Plastik sowie der für die Schienenbefestigung auf den Eichentraversen typischen großen Sechskantschrauben ausgegeben, die – vor allem in den vielen Kurven – erneuert werden müssen. Die Lieferung der benötigten 2000 neuen Eichentraversen (2600x260x160 mm) für die Kurven ist allerdings noch in der Schwebe. Die Ausschreibung läuft bis zum 26. Oktober.