„Der Helm von Coțofenești zählt zu den bedeutendsten Beispielen edler Metallkunst der Zweiten Eisenzeit und ist ein Meisterwerk des nationalen archäologischen Erbes“, erklärt das nationale Geschichtsmuseum von Rumänien (Muzeul Na]ional de Istorie a României, MNIR) in einer Pressemitteilung. Der Helm, der aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammt, wurde ungefähr im Jahr 1927 zufällig in Poiana Co]ofene{ti, Gemeinde V²rbil²u, Kreis Prahova, entdeckt. Jedoch wurde er, wie sicherlich bekannt ist, im Januar 2025 im niederländischem Assen kurz vor einer Ausstellungseröffnung geklaut. Ein Jahr später, am 2. April 2026, erklärten die niederländischen Behörden, dass der Helm wieder aufgetaucht ist. Kurze Zeit darauf, Ende April/Anfang Mai, wurde der Helm wieder nach Rumänien, ins Geschichtsmuseum in Bukarest gebracht (die ADZ hat berichtet), wo er nun aufwendig restauriert wird. Da der Helm durch den Diebstahl sehr populär wurde, veröffentlicht das Museum die Restaurierungsarbeiten detailgenau auf ihrer Website. Und das ist einen Blick durchaus wert. Denn wie wird ein solcher antiker Helm eigentlich restauriert?
Zuerst versuchten die Wissenschaftler, sich wortwörtlich ein Bild vom Helm zu machen. Denn sie erstellten einige detailgenaue Fotos. Mit diesen kann man anschließend den Zustand des Helmes vor und nach der Restauration vergleichen. Dazu wurde eine photogrammetrische Dokumentation angefertigt. Das bedeutet, dass eine präzise dreidimensionalen Darstellung des Helms anhand von Fotografien aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht wurde. „Durch 3D-Scanning konnte auch die Form und Geometrie des Helms hochpräzise dreidimensional digital erfasst werden“, so das Museum.
Wie der Helm angefertigt wurde
Nun hatten die Wissenschaftler also den Helm erfasst, digital und auf Fotos. Anschließend wurden mit physikalisch-chemischen Analysen – bei denen Forscher des Nationalen Forschungs- und Entwicklungsinstituts für Physik und Kerntechnik „Horia Hulubei“ (IFIN-HH) sowie Experten der Nationalen Denkmalschutzbehörde des Königreichs der Niederlande halfen – die Materialien des Helmes bestimmt. Zur Bestimmung der Elementzusammensetzung wurde später unter anderem auch Röntgenfluoreszenzspektroskopie (RFA) eingesetzt.
Das Ergebnis: Die Legierung des Helmes, die besonders wichtig ist, besteht überwiegend aus Gold und Silber (mit vernachlässigbaren Mikrospuren von Kupfer). Es wurde außerdem beobachtet, dass die Anteile von Gold und Silber an unterschiedlichen Punkten variieren. „Dies lässt vermuten, dass die Legierung nicht durch vollständiges Aufschmelzen der Komponenten, sondern durch ein Heißverfahren (erhitzen, hämmern, formen und polieren) hergestellt wurde, das den Praktiken der historischen Epoche, aus der der Helm stammen soll, entspricht“, so das Museum weiter.
Ein präziser Blick der Wissenschaftler
Nachdem die Materialien bestimmt wurden, schauten die Wissenschaftler nochmal ganz genau auf den Helm: Zur detaillierten Untersuchung der Oberfläche des Helms wurde optische und digitale Mikroskopie eingesetzt, um Spuren von Abnutzung, Verformungen, Kratzern, Ablagerungen und mögliche Hinweise auf frühere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen zu identifizieren. Anschließend wurde durch eine Rasterelektronenmikroskopie bewiesen, „dass die Helmoberfläche deutliche Spuren mechanischer Bearbeitung und Oberflächenfehler wie Hohlräume, Mikrorisse und Abplatzungen aufweist“, so das Museum.
Der Helm hat zudem eine natürliche Patina, Ablagerungen, Gebrauchsspuren, Risse, Mikrorisse, Porositäten, Abplatzungen und frühere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen hauptsächlich in der äußeren Oberflächenschicht der Legierung. Die innere Struktur ist laut den Wissenschaftlern jedoch ausreichend stabil.
Deswegen schlagen die Wissenschaftler vor, den Helm an der Legierung sehr vorsichtig in kleinen Schritten zu restaurieren und das innere des Helmes in Ruhe zu lassen. In Phase I sollen die Materialien aus früheren Restaurationen entfernt werden. In Phase II sollen deformierte Bereiche kontrolliert umgestaltet und in die ursprüngliche Form gebracht werden und in Phase III, im letzten Schritt, soll die strukturelle Stabilität wiederhergestellt und der Helm für die sichere Aufbewahrung und Ausstellung vorbereitet werden.
„Geplant ist zudem, den Spalt zwischen Nackenschutz und Zierleiste der Schädelkappe zu verstärken, die Verstärkung im Bereich des linken Ohrs wiederherzustellen und das rechte Wangenstück wieder anzubringen“, so das Museum weiter.
Bald wieder im Museum zu bestaunen?
Dieser Restaurierungsplan wurde von der zuständigen Kommission abgenickt und die Arbeiten an Phase I haben bereits begonnen. „Der gesamte Prozess wird fotografisch und beschreibend dokumentiert, um die Nachvollziehbarkeit des Eingriffs und den Schutz des Originalmaterials zu gewährleisten“, so verspricht das Museum weiter.
Interessierte können die Restaurierung auf der Internetseite www. mnir.ro/cronologia-restaurarii-coifului-de-la-cotofenesti/ weiter verfolgen. Das Museum verspricht, die Website aktuell zu halten.
Wenn der Helm fertig ist, soll das symbolträchtige Kulturgut schon bald in der Ausstellung „Historischer Schatz“ wieder in Bukarest zu sehen sein.





