Gut vorbereitet in den Familienurlaub

Was unbedingt in die Reiseapotheke gehört

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke gehört in jedes Familiengepäck. Pflaster, Desinfektionsmittel, Fieberthermometer, Sonnen- und Insektenschutz sowie altersgerecht dosierte Schmerz- und Fiebermittel für Kinder sowie entsprechende Medikamente für Erwachsene gegen Durchfall und Probiotika zählen zur Grundausstattung.

Kinder reagieren besonders empfindlich auf starke Sonne – Sonnenschutz ist ein Muss.

Alexandra Ionescu ist Fachärztin für Kinderheilkunde in Temeswar.

Ausreichende Hydrierung ist vor allem für Senioren und Kinder wichtig. Elektrolyte können bei der Flüssigkeitsregulation helfen und versorgen den Körper mit wertvollen Mineralstoffen.

Sommerurlaub mit Kindern bedeutet Erholung, gemeinsame Erlebnisse und Abenteuer – aber auch Verantwortung. Ob am Meer, in den Bergen, auf dem Campingplatz oder bei einer Reise ins Ausland: Eine gut ausgestattete Reiseapotheke gehört ins Gepäck. Kleine Verletzungen oder plötzliche Erkrankungen lassen sich damit oft schnell versorgen, ohne sofort eine Apotheke oder Arztpraxis aufsuchen zu müssen. Wichtig ist jedoch, die Reiseapotheke individuell an Alter, Reiseziel und Gesundheitszustand der Familienmitglieder anzupassen.

Für Dr. Alexandra Ionescu, Fachärztin für Kinderheilkunde in Temeswar/Timișoara, beginnt ein gelungener Familienurlaub bereits vor der Abreise. „Eine ärztliche Untersuchung vor der Reise ist besonders wichtig. Wenn wir wissen, dass das Kind gesund und reisefähig ist, können wir gemeinsam auch die Reiseapotheke individuell zusammenstellen“, empfiehlt die Kinderärztin.

Eine Standard-Reiseapotheke gebe es nicht. Welche Medikamente und Hilfsmittel benötigt werden, hänge vom Alter des Kindes, dem Reiseziel und möglichen Vorerkrankungen ab. Während bei einem Badeurlaub Sonnenschutz und ausreichende Flüssigkeitszufuhr im Vordergrund stehen, spielen bei Wanderurlauben Insektenschutz und Zeckenprophylaxe eine größere Rolle. 

Die nötige Grundausstattung

Schon eine Schürfwunde, ein Sonnenbrand oder eine Magenverstimmung können den Urlaub beeinträchtigen. Deshalb gehören in jede Reiseapotheke Pflaster in verschiedenen Größen, sterile Wundkompressen, elastische Binden, Desinfektionsmittel, eine kleine Schere, eine Pinzette sowie ein digitales Fieberthermometer. Ebenso sollten altersgerecht dosierte Schmerz- und Fiebermittel für Kinder sowie entsprechende Medikamente für Erwachsene mitgeführt werden. Für Reisen ans Meer empfiehlt die Kinderärztin zusätzlich Mittel gegen Durchfall, Elektrolytlösungen, ein Kochsalz-Nasenspray, Ohrentropfen für empfindliche Ohren sowie eine kühlende Kompresse oder ein Gel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche.

Je nach Urlaubsort kann die Reiseapotheke außerdem um Mittel gegen Reisekrankheit, Allergiemedikamente oder zusätzlichen Mückenschutz ergänzt werden. Vor Fernreisen empfiehlt sich eine reisemedizinische Beratung, um notwendige Impfungen und Vorsorgemaßnahmen rechtzeitig zu planen. Sinnvoll sind außerdem eine Auslandskrankenversicherung sowie die Europäische Krankenversicherungskarte.

Sonnenschutz: Mehr als nur Sonnencreme

„Zur Grundausstattung gehört eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50+, egal an welchem Reiseziel, denn Sonnenschutz ist nicht nur am Meer wichtig“, ergänzt Dr. Ionescu. 

Kinder reagieren beson-ders empfindlich auf intensive Sonneneinstrahlung. Zwischen 11 und 17 Uhr sollten sie möglichst im Schatten bleiben. Neben Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor empfiehlt Dr. Ionescu UV-Schutzkleidung und einen Sonnenhut. „Sonnencreme ersetzt den Schatten nicht“, warnt sie.

Klagt ein Kind nach längerer Sonneneinstrahlung über Kopfschmerzen, Übelkeit oder starke Müdigkeit, sollte es sofort in den Schatten gebracht, gekühlt und ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden.

Verschlechtert sich der Zustand, ist ärztliche Hilfe erforderlich.

Wer einen Wanderurlaub plant, sollte Blasenpflaster, eine elastische Bandage und gegebenenfalls eine Zeckenzange einpacken. „Nach Wanderungen empfiehlt es sich, den Körper gründlich auf Zecken abzusuchen – insbesondere hinter den Ohren, auf der Kopfhaut, unter den Achseln, in den Kniekehlen und im Leistenbereich. Entdeckt man eine Zecke, sollte sie mit einer feinen Pinzette entfernt werden. Öl oder andere Hausmittel sind ungeeignet. Anschließend sollte die Bissstelle desinfiziert und mehrere Wochen beobachtet werden. Ein Antibiotikum ist nach einem Zeckenbiss nicht vorsorglich empfohlen“, stellt Dr. Ionescu klar.

Antibiotika nur nach ärztlicher Rücksprache

Gerade wenn es um Antibiotika geht, nehmen sie viele Eltern vorsorglich mit in den Urlaub. Davon rät die Kinderärztin ausdrücklich ab: „Antibiotika werden nicht bei jedem Symptom und nicht bei jeder Erkrankung eingesetzt.“ Auch Fieber, Durchfall oder Erbrechen seien kein automatischer Grund für eine Antibiotikatherapie. „Antibiotika sollten erst nach Rücksprache mit einer medizinischen Fachkraft eingenommen werden – und nicht auf Empfehlung des Internets oder von Bekannten“, sagt die Kinderärztin. 

Medikamente gehören ins Handgepäck

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte ausreichend Vorrat für die gesamte Reisedauer sowie einige Reservetage einplanen. Medikamente sollten möglichst im Handgepäck transportiert werden. Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln empfiehlt sich für Auslandsreisen eine ärztliche Bescheinigung.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Kinder mit chronischen Erkrankungen. „Die Behandlung macht niemals Urlaub“, betont Dr. Ionescu. Bei Asthma sollte der Notfallinhalator jederzeit griffbereit im Handgepäck sein und keinesfalls im Koffer oder Auto verstaut werden.

Dehydrierung früh erkennen

An heißen Sommertagen verlieren Kinder deutlich schneller Flüssigkeit als Erwachsene. Warnzeichen einer Austrocknung sind ungewöhnliche Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit, Reizbarkeit, trockene Lippen und Schleimhäute, seltenes Wasserlassen oder – in schweren Fällen – fehlende Tränen beim Weinen.

Nach Erbrechen sollte der Magen zunächst zur Ruhe kommen. Anschließend empfiehlt die Kinderärztin, Flüssigkeit langsam und in kleinen Mengen anzubieten. Auch bei Durchfall steht die Vermeidung einer Austrocknung an erster Stelle; die Ernährung sollte lediglich angepasst, aber nicht vollständig ausgesetzt werden.

Fieber richtig einschätzen

Nicht allein die Temperatur entscheidet über den Schweregrad einer Erkrankung. „Nicht die Höhe des Fiebers ist entscheidend, sondern der Allgemeinzustand des Kindes“, erklärt Dr. Ionescu. Ist das Kind trotz Fieber aktiv und spricht gut auf fiebersenkende Medikamente an, reicht häufig zunächst eine sorgfältige Beobachtung. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand oder treten weitere Beschwerden auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wann sofort zum Arzt?

Unverzüglich medizinische Hilfe benötigen Kinder bei Fieber im Säuglingsalter unter drei Monaten, Atemnot, Krampfanfällen, anhaltendem Erbrechen, blutigem Durchfall, schwerer Dehydrierung oder starken allergischen Reaktionen. „In all diesen Fällen sollte die ärztliche Untersuchung nicht hinausgezögert werden“, betont die Kinderärztin.

Gute Vorbereitung statt überfüllter Medikamentenkoffer

Zum Abschluss appelliert Dr. Alexandra Ionescu an Eltern, ihre Reiseapotheke bewusst und sinnvoll zusammenzustellen. „Eine überfüllte Reiseapotheke ist nicht automatisch eine gute Reiseapotheke“, fasst sie zusammen, denn eine entspannte Familienreise hängt nicht von möglichst vielen Medikamenten im Gepäck ab, sondern von einer guten Vorbereitung, wirksamer Vorbeugung und der Bereitschaft, bei ernsthaften Beschwerden rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.