Nakisa Serafniceanu verließ den Iran vor fast 37 Jahren, viele Jahre nach der Machtübernahme durch die radikale islamistische Bewegung von Ayatollah Khomeini. Damals war sie noch Studentin. Heute praktiziert sie als Kinderärztin in Bukarest und unterstützt den iranischen Widerstand über soziale Medien und Demonstrationen. ADZ-Redakteur Șerban Căpățâna fragte sie: Was passiert eigentlich im Iran?
Warum sagen Sie, dass Sie aus der Not heraus gegangen sind?
Ich gehörte zu den Menschen, die sich nicht anpassen konnten. Vor allem, nachdem ich zweimal wegen Kleinigkeiten verhaftet worden war, zum Beispiel, weil ich um 16 Uhr auf der Straße auf meine Mutter gewartet habe.
Die Veränderungen durch den Regimewechsel im Jahr 1979, als die Islamische Revolution stattfand, waren tiefgreifend. Ich war damals noch ein Kind. Natürlich glaubten alle, dass es nicht lange dauern würde, dass diejenigen mit vier Schuljahren, die die Macht übernommen hatten, nicht durchhalten könnten. Das neue Regime war in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil des damaligen normalen Lebens der Menschen. Und siehe da, es kam anders, denn es gab mächtigere Kräfte im Hintergrund.
War Ihre Ausreise friedlich und ruhig?
Keine Ausreise, außer der der iranischen Führung oder ihrer Kinder, war und ist friedlich und ruhig. Zum Beispiel kann eine Frau ohne die Zustimmung ihres Vaters oder Ehemanns keinen Reisepass erhalten. Genau wegen einer solchen Situation hat eine Frau, Mona Heidarii, vor einigen Jahren ihr Leben verloren. Weil sie eine Reise in die Türkei unternommen hatte. Ihr Vater ist ihr nachgefolgt, hat sie zurückgebracht, und dann wurde ihr Kopf von ihrem Ehemann abgeschlagen und voller Stolz durch die Straßen getragen.
Wie haben Sie den Kontakt zu Ihren Angehörigen zu Hause aufrechterhalten?
Man konnte nicht frei reisen, wir hatten keine Handys. Wir haben uns eher in Briefen ausgetauscht. Und die Briefe kamen immer ungeöffnet in die Hände unserer Eltern... (lächelt)
Ich erinnere mich, dass ich etwa 2015, als ich von zu Hause aus mit meiner Mutter am Festnetz telefonierte, jemanden husten hörte. Wir fingen beide an zu lachen, denn uns wurde klar, dass wir abgehört wurden. Danach, bis zum Tod meiner Mutter im Jahr 2021, hatte ich keine Möglichkeit mehr, über das Festnetz anzurufen. Ich habe bei der Telefongesellschaft hier Nachforschungen angestellt, und es stellte sich heraus, dass die Leitung von dort aus gekappt worden war. Schon damals konnten die iranischen Machthaber jederzeit den Zugang zum Festnetz oder Mobilfunk oder das gesamte Internet sperren.
Wie erklären Sie sich dann, dass im Internet Berichte auftauchen, die direkt aus dem Iran gesendet werden? Wie können wir erkennen, wann es sich dabei um Propaganda handelt?
Sehr leicht: Zum Beispiel steht im sozialen Netzwerk X auf jedem Profil, von wo aus man eingeloggt ist. Und wenn dort „Iran“ steht, wissen wir ganz klar, dass die Person eine „weiße Karte“ hat. Selbst die Sprecherin der iranischen Regierung sagte im März 2026 – ganz ungeniert –, dass diejenigen, die eine weiße Karte haben, Propaganda für das Regime betreiben. Gleichzeitig gibt es noch andere Internet-Karten, für geschäftliche Zwecke. Aber es gibt eindeutige Beweise dafür, dass all diese Unternehmen von der iranischen Regierung zu Propagandazwecken genutzt werden. Es ist in der Tat ein vom Islamischen Staat anerkannter Cyberkrieg. Und im Moment sieht es so aus, als würden sie ihn größtenteils gewinnen. Denn die Menschen im Westen kennen diese Feinheiten nicht.
Unter den gegenwärtigen Umständen, was können wir als real betrachten?
Ah, das ist eine Frage, die eine 10 verdient! Wenn es bestimmten Staaten nicht passt, dass es im Januar ein echtes Massaker im Iran gab, wenn die Anerkennung dieser Tatsache bedeutet, dass sie moralisch gesehen alle Beziehungen zum Iran abbrechen, der iranischen Bevölkerung helfen und lu-krative Verträge, die sie mit dem Regime unterzeichnet haben, verlieren müssten, dann wird für sie die Wahrheit lauten, dass ich lüge und der Islamische Staat verhandlungswürdig ist.
Helfen Sie uns zu verstehen, wie es 1979 zu diesem radikalen Machtwechsel kam.
Im Iran gab und gibt es eine etwas ungewöhnliche Form des Sozialismus, die dem Kommunismus nahekommt, mit vielen Nuancen, Formen und Bezeichnungen. Das Paradoxe daran ist, dass sie trotz der großen Anzahl von Gruppierungen und manchmal gewalttätigen Auseinandersetzungen untereinander nicht daran gehindert wurden, ihre Ideologie zu praktizieren.
Als das Pahlavi-Regime 1925 die Macht übernahm, war der Iran weder politisch noch wirtschaftlich ein blühendes Land. Im Ersten Weltkrieg haben sich die Menschen buchstäblich gegenseitig aufgefressen. Das heißt, es gab echten Kannibalismus, weil sie wirklich nichts zu essen hatten. Denn für diejenigen, die zuvor an der Macht gewesen waren, die Kadscharen-Dynastie, existierten die Iraner nicht im Sinne eines Volkes, sondern eher im Sinne von Dienern oder so.
Und natürlich war der Iran in die Hände anderer Staaten geraten, vor allem Russlands und Englands. Nur wenige Menschen profitierten davon. Vor diesem Hintergrund kam eine andere Regierung, ein König, der versuchte, das Land wieder auf die Beine zu bringen. Und hier begannen die heutigen Probleme zu entstehen. Denn viele von denen, die bis vor Kurzem die Herren des Landes waren, haben alles verloren. Und zu ihnen gehörten auch die Ultra-Religiösen, die Mullahs.
Das größte Problem waren die sogenannten „nützlichen Idioten“, die Hand des Regimes auf der Straße. Zu Zeiten des Schahs waren es die Mudschaheddin und die Kommunisten. Letztendlich haben diese es ermöglicht, Khomeini an die Spitze des Landes zu bringen, und versuchten, so viel Macht wie möglich an sich zu reißen. Doch Khomeini schuf sich seine eigenen „nützlichen Idioten“ und begann, alle zu töten, die nicht seiner Ideologie angehörten. In den Jahren, als ich das Land verließ, wurde man als Mudschahedin sofort verurteilt, und als Royalist kam man gar nicht erst vor Gericht, sondern wurde auf der Stelle getötet.
Aber war die Studentenbewegung auf der Straße wirklich der Wille des Volkes?
Auf welche der Bewegungen beziehen Sie sich? Eine der größten Studentenbewegungen war die von 1999. Dann die von 2009, als die Studenten merkten, dass die Wahlen manipuliert worden waren. Viele verloren damals ihr Leben, viele der Überlebenden sind heute Aktivisten und Monarchisten. Dann gab es 2019 Demonstrationen: Das Benzin war teurer geworden, und die Menschen gingen auf die Straße. Wieder wurden sie niedergemetzelt. Danach trat Herr Rohani vor die Öffentlichkeit und sagte, er habe erst am Morgen erfahren, dass das Benzin teurer geworden sei. Dann gab es noch die „Mahsa“-Bewegung, als alle auf die Straße gingen, Frauen, Männer, Menschen aller Ethnien, unabhängig von ihren politischen Ansichten. Aber wieder endete alles in einem Massaker. Sie sollten wissen, dass diese Geschichte kein Ende haben wird. Jeder Mensch, der sein Leben verliert, hat eine Familie. Und Familien können nicht vergessen. Und gleichzeitig lebt jede Generation mit ihrer Schuld – was sehr schwer auf mir lastet – dafür, dass sie zu lange geschwiegen hat.
Wie würden Sie dieses Regime im Iran charakterisieren?
Sie sind sehr, sehr gut organisiert, in jeder Hinsicht. Sie wissen sehr gut, wie man manipuliert, sowohl im Iran, als auch in den USA und in der EU. Also sagten sie jedes Mal, sie würden milder vorgehen – und beim nächsten Schritt starben noch mehr Menschen auf noch gewaltsamere Weise.
Da ich aus dem kommunistischen System von Ceaușescu komme, kann ich nicht einmal sagen, dass es mir seltsam erscheint, dass nichts gelöst werden konnte, denn auch in Rumänien waren mehrere Straßenproteste nötig, um eine Veränderung herbeizuführen.
Ja, ja, da stimme ich zu, keine Revolution geschieht von heute auf morgen. Aber der Iran ist ein bisschen anders. Wir sprechen hier von einer sehr, sehr großen Bevölkerung. Und von einer Fläche, die fast siebenmal so groß ist wie die Rumäniens.
Und rund um den Iran gibt es nur Länder, die vom islamischen Regime profitieren: Pakistan profitiert und hat auch seine eigenen extremistischen Schiiten, die wollen, dass der Iran so bleibt, wie er ist. Afghanistan ebenso, mit den Taliban. Der Irak hat, wie schon in der Vergangenheit, extremistische islamische Kämpfer entsandt, um die Straßenproteste im Januar niederzuschlagen. Sie sollten wissen, dass am 6. Januar viele Städte in der Hand der Menschen waren und die Armee und sogar einige derjenigen, die mit dem Regime zusammenarbeiteten, nicht mehr auf die Menschen schossen. Und dann hat das Regime die extremistischen schiitischen Iraker herbeigeholt...
Teilen die einfachen Menschen den Hass des iranischen Regimes gegen Israel?
Der einfache Iraner ist wie ich, wie Sie, wie jeder normale Mensch, der ein normales Leben führen und frei mit anderen Menschen sprechen möchte.
Wissen Sie, je nach Situation können sich die Interessen der Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinen, in dem Sinne, dass nur ein Volk, das ein Massaker durchlebt hat, das Massaker versteht. Deshalb versteht der durchschnittliche Iraner, was Israel durchmacht. Die gleiche Nähe zeigt sich zwischen Iranern und Ukrainern. Oder zwischen Iranern und Armeniern. Es ist ein Mitgefühl, das auf der Grundlage eines gemeinsamen Leids entsteht.
Und das beweist, dass die religiöse Politik des Iran tatsächlich gescheitert ist.
Ist der normale Iraner nicht wütend darüber, dass Israel und die USA sein Land bombardieren?
Die Familien derjenigen, die an den Protesten teilgenommen haben – und es waren Millionen von Menschen, die im Laufe der Jahre jemanden verloren haben –, sind nicht verärgert.
Nur: es geht hier nicht nur um den Iran, es geht um eine Ideologie, die stark ist und ihre Macht erhalten und ausweiten will. Und es geht auch nicht um die jüngste Geschichte. Alles begann bereits in der Zwischenkriegszeit, als die Muslimbruderschaft gegründet wurde. Und so beschränkt sich das religiöse Problem nicht nur auf den Iran.
Nun wird zunehmend der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, als möglicher Nachfolger des Regimes gehandelt, der den Iran wieder dem Westen öffnen wird. Glauben Sie, dass die Iraner ihn mit offenen Armen empfangen werden?
Sie haben ihn bereits mit offenen Armen aufgenommen. Andererseits verstehe ich auch, dass es eine gewisse Zurückhaltung gibt, da er der Sohn des Schahs ist. Aber er ist der einzige, der über die nötige Bildung und die Verbindungen verfügt, um dem Iran zu helfen. Er hat nie erklärt, dass er Schah werden will, sondern nur, dass er dem Iran in der Übergangsphase helfen will, damit die Menschen danach durch Wahlen entscheiden können.
Und glauben Sie, dass die iranische Gesellschaft wirklich bereit ist, das Regime zu wechseln?
Ich glaube schon. Es gibt dieses von Reza Pahlavi und zahlreichen Experten initiierte „Iran Prosperity Project“, das versucht, eine neue Richtung vorzuschlagen. Sogar ich habe einige Beiträge zur Verbesserung des Gesundheitssystems verfasst, denn die erste vorgeschlagene Variante ähnelte stark dem System in Rumänien, und ich musste erklären, warum es nicht funktioniert, und geeignetere Modelle vorschlagen, die auf den von UNICEF und der WHO praktizierten Methoden basieren. Und ich war positiv überrascht, als ich feststellte, dass meine Vorschläge berücksichtigt wurden.





