Installationen, selbstgeschriebene Gedichte und Geschichten, Schlagworte, Fotokollagen und Videos erwarteten die Besucherinnen und Besucher beim Streifzug durch die Räume des Studiengangs für Grund- und Vorschulpädagogik in deutscher Sprache (PIPP). Das Organisationsteam und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der europäischen Sommerschule „Forthem“ hatten eingeladen, gemeinsam den Abschluss einer intensiven Woche zu begehen.
„Forthem“ steht für „Fostering Outreach within European Regions, Transnational Higher Education and Mobility“. Diese Hochschulallianz verbindet neun europäische Universitäten. Das Netzwerk bietet Sommerschulen und Projektwochen an und möchte mit einem interdisziplinären Ansatz den Austausch und die Kurzzeitmobiliät von Studierenden fördern. Unter dem Motto „Living the difference“ hatten sich fünfzehn Studierende aus Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, Italien und Finnland über verschiedene künstlerische Zugänge dem Thema genähert.
So standen Musik, Bewegung, bildende Kunst, Sprache und Poesie bei den kleinen, selbstgewählten Projekten im Mittelpunkt: Eine Tanz-Musik-Performance in Form einer Traumreise über Zugehörigkeit, ein selbstgebasteltes Mini-Puppenhaus, an dessen Vorder- und Rückseite man über verschiedene Zettel und Aufträge miteinander ins Gespräch kommen konnte, ein Gruppentanz im Bollywood-Stil. Der Möglichkeit zur Interaktion waren auch für Besucher keine Grenzen gesetzt.
Begonnen hatte die Idee zur Sommerschule mit einer Konferenz im Dezember vergangenen Jahres. Ausgangspunkt dafür war eine wissenschaftliche Tagung an der Lucian-Blaga-Universität unter dem Titel „Living from difference – intercultural encounters and the contradictions of pluriversal ways of being“ unter der Leitung von Dr. Eveline Cioflec. Mit Forthem entstand die Idee, das Erlebnis von Interkulturalität und Mehrsprachigkeit künstlerisch zu verarbeiten.
Für Koordinatorin Teresa Leonhard ging es vor allem darum: Mit unterschiedlichen Ausdrucksformen zu experimentieren, über Differenzerfahrungen in unterschiedlichen Kontexten und dem Umgang damit zu sprechen. Auch die Herausforderungen in der heutigen Zeit, die sehr viele Differenzerfahrungen böten, hätten ihr am Herzen gelegen, so Teresa Leonhard: „Mit diesen persönlichen Erfahrungen haben wir uns in den Kontext Hermannstadt und Siebenbürgen gestellt, was wiederum neue Erfahrungen hervorgerufen hat.“ Auf Ausflügen, mit Hilfe von Zufallsbegegnungen auf den Straßen Hermannstadts und Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Ethnien in Siebenbürgen sei es möglich geworden, neue Erfahrungen zu sammeln – nicht zuletzt auch innerhalb der internationalen Gruppe. Siebenbürgen habe dabei als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Thema gedient.
Franziska Meyer und Nadia Idrissou, zwei Teilnehmerinnen der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, schätzen die Interdisziplinarität der Veranstaltung. Denn nicht nur die Herangehensweise an das Thema ist so ausgerichtet – auch die Studierenden der Forthem-Projekte kommen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen. Beide Studentinnen wurden durch eine Ausschreibung ihrer Universität auf das Format aufmerksam.
Für Franziska Meyer ist es bereits die zweite Forthem-Sommerschule – sie war damit zunächst in Finnland und hat sich nach dieser Erfahrung erneut beworben. Intensiv sei die Woche gewesen, erzählt sie. Man lerne wahnsinnig viel überei-nander. Interessant seien für sie auch die kulturellen und historischen Aspekte Rumäniens und das Wissen über die verschiedenen Minderheiten in Siebenbürgen gewesen: „Das hat mir den Anstoß dazu gegeben, mich damit auseinanderzusetzen, wiederzukommen und mich selber darüber zu informieren.“ Für sie sei nicht zuletzt der europäische Gedanke bei dem Projekt stark spürbar gewesen.
Vor allem der Titel „Living from difference“ habe sie angesprochen, betont Nadia Idrissou. „Ich habe einen persönlichen Bezug dazu und dachte mir, dass es interessant wäre, so etwas einmal in einer diversen Gruppe zu diskutieren, aber auch in einem neuen Setting im Ausland zu sein und zu sehen, was es dort diesbezüglich für Themen gibt.“ Die Projekttage hätten sie zum Nachdenken gebracht, erzählt sie: „Wir haben viel über Differenz diskutiert, über Kategorien, darüber, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Wir haben das hier in einem sehr kleinen Rahmen betrachtet – das Thema ist aber sehr groß. Da ich selbst eine familiäre Migrationsgeschichte habe und in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, fand ich die Perspektive der Siebenbürger Sachsen besonders interessant. Ich nehme stark mit, dass Identität häufig im Spannungsfeld zwischen Fremdzuschreibungen und der eigenen Selbstidentifikation entsteht. Diese Diskrepanz macht es für mich schwierig, Identität eindeutig festzulegen – sie ist dynamisch und nicht statisch.“
Vielleicht geht es darum, zu erkennen: Identität und die Geschichte eines Menschen sind niemals eindimensional, sie lassen sich nicht in ein Schema pressen. Wer das versucht, ob als Individuum oder als gesellschaftliches System, muss zwangsläufig scheitern. Parallelen zu ziehen zwischen dem Hier und Dort und zwischen Minderheiten kann helfen, sich selbst zu betrachten – und zu verstehen, dass Menschen – eigentlich fast immer – Differenz in sich tragen.







