Jung und Alt feiern ein Pfingstfest der Begegnung und Lebensfreude

Der 76. Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl war bei schönstem Wetter ein großer Erfolg

Kindergruppe aus Bistritz beim Trachtenumzug | Foto: Laura Micu

Das Motto „Generationen verbinden – Perspektiven schaffen“ wurde beim 76. Heimattag vom 22. bis 25. Mai in Dinkelsbühl mit großem Erfolg umgesetzt und gelebt. Rund 20.000 Siebenbürger Sachsen feierten mit zahlreichen Ehrengästen und Freunden ein großes Fest der Begegnung und Lebensfreude. Bei herrlichem Pfingstwetter nahmen über 3200 Trachtenträger in 116 Trachtengruppen und Blaskapellen am Festumzug durch die mittelalterliche Altstadt teil, der so lang war wie noch nie in der Geschichte des Heimattages. Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) und das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen, die ihr 40-jähriges Bestehen feierten, steuerten als Mitausrichter ein vielseitiges und niveauvolles Programm bei. Zu den Höhepunkten zählten neben dem Trachtenumzug und der Jugendveranstaltung „Aus Tradition und Liebe zum Tanz“ auch neue Formate wie das Quizspiel „Schlag den Lehni!“ und der längste Baumstriezel der Welt (zehn Meter lang), den die Projektgruppe Haferland zugunsten der Dachsanierung von Schloss Horneck backte.

Von historischer Bedeutung war der Beitritt des Vereins der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz zur Föderation der Siebenbürger Sachsen, der in festlichem Rahmen in der Eröffnungsveranstaltung am 23. Mai in Dinkelsbühl vollzogen wurde. 1983 wurde die Föderation der Siebenbürger Sachsen als weltweiter Dachverband der Verbände in Österreich, Kanada, den USA und Deutschland ins Leben gerufen. Das Siebenbürgenforum schloss sich der Föderation 1993 an, nun kommt die Schweiz als sechstes Land hinzu. Präsident der Föderation ist Rainer Lehni.

Der Pfingstsonntag begann traditionell mit dem Gottesdienst in der St. Paulskirche. Seiner Predigt legte Dr. Johann Schneider, Regionalbischof des Bischofssprengels Magdeburg, Kapitel 2 der Apostelgeschichte über das Pfingstwunder zugrunde, das er ebenso wie das abschließende Vaterunser in Siebenbürgisch-Sächsisch vortrug. „Was wir dringend brauchen, ist eine Grundgrammatik und ein Lehrbuch des Siebenbürgisch-Sächsischen, damit unsere Kinder und Kindeskinder unsere schöne Sprache lernen können“, sagte der 1963 in Mediasch geborene Theologe.

„Wir haben es geschafft, unsere junge Generation an unsere Gemeinschaft, an unsere Basis und unseren Verband zu binden“, freute sich Rainer Lehni, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., in seiner Festrede am Pfingstsonntag. „Generationen zu verbinden, bedeutet, unsere Sprache, Kultur, Werte und Geschichte an die jungen Leute weiterzugeben und das kulturelle Leben mit neuem Leben zu erfüllen.“ Lehni richtete die Bitte an die Politik, die Ungerechtigkeit bei der Kürzung der Fremdrenten zu lösen und die Kultureinrichtungen auf Schloss Horneck finanziell zu unterstützen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zeigte sich begeistert von den vielen jungen Menschen, die den Festumzug und Heimattag in Dinkelsbühl mitgestalteten. „Nicht nur Tradition wird gelebt, nicht nur die Gegenwart wird geprägt, auch die Zukunft wird hier gestaltet“. Die heutige Politik brauche an allererster Stelle Optimismus, betonte Dobrindt. „Wer an Pfingsten fröhliche und glückliche Menschen treffen will, der muss einfach nach Dinkelsbühl kommen.“ Die Aufgaben, die er zuvor in seiner Rede angesprochen hatte, nahm Dobrindt gerne entgegen, da er sich als „Vertriebenenminister“ gleichsam „als oberster Interessenvertreter der Aussiedler, Vertriebenen und deutschen Minderheiten“ verstehe.

In der Eröffnungsveranstaltung am Samstag lobte der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer die Siebenbürger Sachsen als Vorbild für den Frieden in Europa und weltweit. Sie hätten Völkerverständigung und Versöhnung praktiziert und am europäischen Erweiterungsprozesses mitgewirkt.

Der Bundesaussiedlerbeauftragte Dr. Bernd Fabritius, der tags zuvor am ersten Sudetendeutschen Tag in Brünn in Tschechien teilgenommen hatte, betonte, dass sowohl aus Brünn als auch aus Dinkelsbühl „unglaublich wichtige Zeichen europäischer Friedenspolitik“ ausgingen. Er dankte Rumänien, das ab sofort die monatlichen Entschädigungszahlungen für ehemalige Russlanddeportierte und andere politische Opfer, die in Deutschland leben und  krankenversichert sind, ohne zehnprozentigen Abzug leistet.

Die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, bezeichnete die Siebenbürger Sachsen als „einzigartig“: „Wer weiß, wie schwer es in Zeiten von Social Media ist, junge Leute von etwas zu begeistern, kann über das großartige Engagement Ihrer Jugend für den Erhalt von Tradition und Brauchtum nur staunen.“

Das Patenland Nordrhein-Westfalen begleite und unterstütze die Siebenbürger Sachsen auch bei ihren diesjährigen Jubiläen, versicherte der nordrhein-westfälische Aussiedlerbeauftragte Heiko Hendriks: Ende Juni wird das 60-jährige Bestehen der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe und Anfang Oktober das 75-jährige Bestehen der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen in Köln gefeiert.

Die Botschafterin von Rumänien in Berlin, Adriana St²nescu, freute sich, dass die Beziehungen zu Deutschland enger denn je seien: im Rahmen des hochrangigen politischen Dialogs, auf Arbeitsebene und im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, zu denen die Siebenbürger entscheidend beitragen.

Grüße der Landsleute aus Siebenbürgen übermittelte Dr. Radu Nebert, Vorsitzender des Siebenbürgenforums. Er lud zum 36. Sachsentreffen ein, das vom 19. bis 20. September 2026 in Schönau/[ona unter dem Motto „Jugend bewegt Siebenbürgen“ stattfinden wird. Es sei ein Fest, „das Zusammenhalt und Offenheit verkündigt, wertvolle Schätze in diesen trüben politischen Zeiten, die leider ganz Europa erfasst haben“.

Aus Siebenbürgen angereist war die Tanzgruppe „Vergissmeinnicht Jr.“ des Bistritzer Forums unter der Leitung von Izabella-Anna Popescu, die zusammen mit den Gastgruppen der Föderation aus Kanada und der Schweiz vorne im Trachtenumzug teilnahm.

Thomas [indilariu, Unterstaatssekretär beim Department für interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens, hielt erstmals als Vertreter der Regierung Rumäniens die traditionelle Rede an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen. Er sprach in aller Offenheit das von Rumänien der deutschen Minderheit zugefügte Leid und die von ihnen erfahrenen Ungerechtigkeiten an, ebenso die moralischen und materiellen Maßnahmen der rumänischen Regierung zur Wiedergutmachung. An der Gedenkstätte legte [indilariu einen Kranz seitens der Regierung nieder mit der Inschrift „Nur gemeinsam sind Abgründe vermeidbar!“ Es sei ein „Zeichen der tiefen Reue und des aufrichtigen Bedauerns der Gesellschaft Rumäniens und ihrer Regierung“ sowie „des Willens zum gemeinsamen Einstehen für ein Europa, in dem die Menschenrechte, die Unantastbarkeit der menschlichen Würde garantiert sind und über allem und jedem stehen, und zwar für immer!“, sagte der Historiker.

Zum niveauvollen Programm des Heimattages gehörten Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Tanzdarbietungen, eine spannende Podiumsdiskussion zum Thema „Mer walle bleïwe, wåt mer sen?“ und die Preisverleihungen am Pfingstsonntag in der St. Paulskirche. Die renommierte Neurologin Prof. Dr. Hannah Monyer, Direktorin der klinischen Neurobiologie in Heidelberg, wurde mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis gewürdigt. Der Vorsitzende des Hilfsvereins der Siebenbürger Sachsen „Stephan Ludwig Roth“ e.V., Klaus Waber, wurde mit der Carl-Wolff-Medaille und Astrid Göddert mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendpreis ausgezeichnet.