Eine Woche lang tauschten sich sieben Bischöfe aus verschiedenen evangelischen Kirchen der Welt über wichtige Aspekte ihrer Arbeit in Hermannstadt aus – diesmal rund um die Themen Ökumene und Bildung.
Vom 1. bis 7. Juni hat in Hermannstadt/Sibiu und Michelsberg/Cisnădioara eine Bischofskonsultation der Partnerkirchen der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, vertreten durch Frau Bischof Dr. Beate Hofmann, stattgefunden. Die eingeladenen Partnerkirchen waren: die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche, vertreten durch Erzbischof Urmas Wiilma, die Kirche von Südindien (Karnataka Northern Dio-cese), vertreten durch Bischof Dr. Martin Borgai, die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Kirgisischen Republik, vertreten durch Bischof Alfred Eichholz, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia, vertreten durch Generalsekretär Aser Adriaan Bock, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Südafrika (Western Diocese), vertreten durch Bischof Neo Elias Mogorosi und die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien, vertreten durch Bischof Reinhart Guib.
Zum einen fanden im Elimheim Vorträge und Diskussionen zum Thema Ausbildung von Mitgliedern in der Kirchengemeinde, von hauptamtlichen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern, statt. Zum anderen standen auch einige Besuche in der Region auf dem Programm, um aus erster Hand zu erfahren, wie Bildungsaufgaben in Siebenbürgen angegangen und gelöst werden.
Unter anderem besuchten die Bischöfe die Heltauer Kirche, wo Stadtpfarrer Zoran Kezdi über Ausbildung in Kirche und Schule referierte. Ein ähnliches Thema stand auch in Seligstadt/Seli{tat auf der Tagesordnung, wo Pfarrerin Britta Seidner und Iulia Prepelea die sogenannte Kinderuniversität vorstellten, in der Kinder während der Sommerferien auf spielerische Art lernen. Im Hermannstädter Begegnungs- und Kulturzentrum „Friedrich Teutsch“ präsentierten deren Leiterin, Dr. Gerhild Rudolf, die ehemaligen Kuratoren Friedrich und Ilse Philippi, wie auch Diakonin Cristina Arvay Möglichkeiten, wie sich Ehrenamtliche – von Kindern bis zu Erwachsenen – im Dienst der Kirche engagieren können. In Kleinschenk/Cincșor zeigten Pfarrer Michael Reger und Landeskirchenkuratorin Dr. Carmen Schuster auf, wie eine Kirchenburg als Ort der Bildung funktionieren kann.
Am 3. Juni hat das Zentrum für Evangelische Theologie Ost (ZETO) zu einer offenen Podiumsdiskussion eingeladen. Dadurch wollte man zum einen ein Bild bekommen, wie Ökumene in verschiedenen Kontexten verstanden wird, zum anderen wie sich diese im kirchlichen Bereich, aber auch im Alltag äußert.
Das Thema der Podiumsdiskussion war eine Frage: „Ökumene – Ein Luxus oder eine Lebensnotwendigkeit?“ Der Begriff „Ökumene“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet die „ganze bewohnte Welt“. Man könnte die Ökumene knapp auch so beschreiben: die Lehre vom einigen Zusammenwohnen. Das ist jedoch viel leichter gesagt als getan. Viele verstehen außerdem – vor allem in Europa – unter „Ökumene“ die Gemeinschaft verschiedener Kirchen und den damit verbundenen innerchristlichen Dialog. Ökumene sollte aber globaler gedacht und wahrgenommen werden. Es gibt viel mehr Kirchen in der Welt als aus dem europäischen Blickwinkel meistens wahrgenommen wird. Und diese leben ihr kirchliches und christliches Dasein in unterschiedlichsten Ausprägungen und Formaten. Vieles mag auf den ersten Blick fremd sein, beim zweiten Hinsehen jedoch inspirierend wirken.
Weitere Themen der Podiumsdiskussion waren: „Warum pflegen wir ökumenische Beziehungen?“, „Wo ist Ökumene für meinen Dienst und (auch) für mein Leben in meiner Kirche relevant geworden?“ Die letzte Frage, die Pfarrer Gerhard Servatius-Depner, Leiter des ZETO, der auch die Moderation der Diskussion übernommen hatte, den beteiligten Bischöfen stellte, lautete: „Was war für Sie das prägendste Ereignis im Bereich der Ökumene?“
Es zeigte sich in den Antworten der hohen Kirchenvertretern, dass das Wichtigste in der Ökumene die Begegnung und das gegenseitige Kennenlernen ist, der gemeinsame Austausch, das gemeinsame Essen, das gemeinsames Singen und – so möglich – auch das gemeinsame Beten. Wichtig oder zumindest hilfreich ist auch, aus purer Neugier Gemeinschaft zu suchen und wahrzunehmen. Wo jedoch Begegnung weder möglich noch gewünscht ist, bleibt Ökumene eine Utopie, ein schöner Traum und mehr nichts.
Zuhören ist ebenso wichtig und soll gefördert werden, wenn Christen über ihre Kirche und ihren Glauben berichten. Das kam in der Podiumsdiskussion selbstredend zum Ausdruck.
Eine absolute Antwort, wie Ökumene zu schaffen ist und wie diese lebendig bleibt kann noch nicht gefunden oder gegeben werden. Aber Christen – so unterschiedlich sie sind – können auf verschiedene Weise zur Einheit beitragen. Institutionalisierte Ökumene setzt auf Statuten, Erklärungen oder Konkordien. Dadurch werden Unterschiede reduziert, eingeebnet oder entschärft. Die Ökumene an der Basis, die in Gemeinden oder an verschieden Wohnorten (er)lebt werden kann, nährt sich von dem Wunsch nach Frieden unter Menschen, die beieinander oder nebeneinander leben, so verschieden ihre Kultur oder ihre Lebensweise auch sein mögen.
Ebenfalls wurden auch Schwierigkeiten benannt, etwa historische Spannungen, unterschiedliche theologische Positionen oder Fragen der gegenseitigen Anerkennung kirchlicher Ämter und Sakramente. Diskutiert wurde unter anderem über die Rolle von Frauen im kirchlichen Amt, unterschiedliche Auffassungen zu Eucharistie bzw. Abendmahl, finanzielle Abhängigkeiten in internationalen Partnerschaften und der Umgang mit konfessionellen und kulturellen Unterschieden.
Die Diskussionsteilnehmer warnten aber auch davor, sich ausschließlich auf theologische Streitfragen zu konzentrieren. Praktische Zusammenarbeit im Alltag könne oft mehr zur Einheit beitragen als langwierige Debatten.
Zusammenfassend ließe sich festhalten: Christen verschiedener Konfessionen sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Ökumene ist kein Selbstzweck, sondern ein Weg, den christlichen Glauben glaubwürdig zu leben, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam Verantwortung für Kirche und Gesellschaft zu übernehmen. Frieden, gegenseitiger Respekt und Zusammenarbeit werden dabei als die wichtigsten Früchte der Ökumene angesehen.






