Stadtverwaltung sucht nach Lösungen

Wie sicher sind die Gehsteige der Kronstädter Innenstadt für Passanten?

In der Gegend um das Waisenhausgässer Tor sollte man als Passant besonders vorsichtig sein. Fotos: die Verfasserin

Die Gehwege auf der Klostergasse, wo sich der tragische Unfall im August ereignet hat, sind immer voller Fußgänger.

Der tragische Unfall, der sich am 11. August in der Klostergasse/Str. Mureșenilor in der Kronstädter Altstadt ereignete, bei dem ein Fahrer die Kontrolle über sein Auto verlor, auf den Gehweg geriet, zwei Passanten tötete und einen schwer verletzte, rückt das Thema der Sicherheit der städtischen Infrastruktur in der Stadt unter der Zinne erneut in den Fokus. Nach der Tragödie fragten sich viele Menschen: Wie sicher bin ich als Passant auf den engen Gehwegen und auf den Fußgängerüberwegen in der Innenstadt? 

Eine Reihe von Unfällen 

Nur wenige Tage nach dem Unfall, am 21. August, stellte eine Firma, die in derselben Klostergasse ein Gebäude renovierte, ein Gerüst auf, das den Gehweg vollständig versperrte. Die Fußgänger waren gezwungen, direkt auf der Fahrbahn zwischen den Autos zu gehen. Eine Frau verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte vor einem PKW auf die Straße, der gerade noch rechtzeitig bremsen konnte.

Die Firma wurde von der Polizei mit einer Geldstrafe von über 4000 Lei belegt und dazu verpflichtet, umgehend einen schützenden Fußgängertunnel einzurichten.

Derartige Ereignisse passieren in der Kronstädter Innenstadt immer öfter. In der Schwarzgasse/Str. Nicolae Bălcescu werden immer wieder Vorfälle gemeldet, bei denen Autofahrer aufgrund überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren und entweder Fußgänger oder ordnungsgemäß geparkte Autos rammen. Auch am Rossmarkt/Str. Gheorghe Barițiu ereigneten sich in der Vergangenheit mehrere Verkehrsunfälle, bei denen Passanten auf dem Fußgängerüberweg von Autos angefahren wurden. Bei dieser Straße handelt es sich praktisch um eine direkte Verlängerung der Klostergasse und sie bildet die Hauptverkehrsachse der Kronstädter Innenstadt. Dieser gesamte Bereich ist zu einem kritischen Punkt für die Sicherheit der Fußgänger geworden. Beide Straßen verzeichnen einen hohen Zustrom an Touristen und Einheimischen, die sich denselben schmalen Raum mit starkem Autoverkehr teilen. Vor zwei Jahren verlor ein Fußgänger hier auf dem Gehweg das Gleichgewicht, nachdem er in ein Schlagloch getreten war. Er stürzte auf die Fahrbahn, woraufhin das automatische System eines Tesla-PKW abrupt nach links in die Gegenfahrbahn lenkte, um dem Fußgänger auszuweichen, dabei stieß das Auto frontal mit einem anderen PKW zusammen. Der Fußgänger blieb unverletzt, die Fahrer mussten jedoch medizinisch versorgt werden. Auch beim Waisenhausgässer Tor/Poarta Schei fühlt man sich als Passant unsicher. Die Gehsteige sind sehr schmal und zu jeder Stunde voller Touristen, die die Sy-nagoge besuchen (und das Schnurgässchen, als es noch offen war).

Um die großen Touristengruppen zu umgehen, muss man immer mitten auf der Straße gehen, was besonders gefährlich ist. 

Denn viele Autos fahren trotz Geschwindigkeitsbegrenzung hier sehr schnell. Obwohl auf man theoretisch auf den Straßen der Innenstadt nicht schneller als 30 km/h fahren darf, wird diese Regel nicht eingehalten. Viele Bewohner klagen auf den sozialen Medien über die Raser, die in den späten Abendstunden die Leistung ihrer Motoren unter Beweis stellen wollen. 

Auch die Stadtverwaltung ist verantwortlich

Nach dem Unfall vom 11. August forderten verschiedene Bürgerinitiativen die Neugestaltung der Klostergasse, damit sie für Passanten sicherer ist. Es wurde vorgeschlagen, die Anzahl der Fahrspuren zu reduzieren, die Gehwege zu verbreitern, Poller zu installieren, verkehrsberuhigende Maßnahmen zu ergreifen und den Autoverkehr in der Altstadt zu beschränken. Die Infrastruktur sollte so gestaltet werden, dass Fußgänger und Radfahrer besser geschützt werden. Laut dem Verein „Pro Infrastructură” geht es bei diesen Unfällen nicht nur um die Feststellung der Verantwortung der Fahrer, sondern die Stadtverwaltung müsste analysieren, wie der öffentliche Raum gestaltet ist und welche Maßnahmen zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern ergriffen werden könnten. Nach Angaben von Vertretern des Vereins liegt der Schwerpunkt bei einem Verkehrsunfall in der Regel auf der Ermittlung des Schuldigen und der Kette von Ursachen, die zu der Tragödie geführt haben. „Pro Infrastructura“ ist jedoch der Ansicht, dass sich die Kommunalverwaltungen auch fragen sollten, was sie tun können, damit die Infrastruktur das Risiko schwerer Unfälle verringert, auch wenn ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Laut „Pro Infrastructură“ hat die große Anzahl an Fahrspuren zu einer Verringerung des für Fußgänger verfügbaren Raums geführt. Die Gehwege sind dadurch eingeengt, obwohl die Straße in einem Gebiet liegt, das besonders zur Urlaubszeit voller Touristen und Einheimischer ist.

Darüber hinaus ist die Strecke eine wichtige Verbindung für Einwohner, die von der Postwiese ins Stadtzentrum gelangen wollen. „Städtische Infrastruktur, für Menschen gedacht“ lautet die Botschaft des Vereins, der eine Neugestaltung der Klostergasse vorschlägt. Eine der vorgestellten Lösungen besteht darin, eine Fahrspur zu entfernen und die Gehwege zu verbreitern. Der zusätzliche Platz könnte für die Aufstellung von Schutzelementen wie Pollern, Pflanzkübeln oder Bänken genutzt werden. Diese könnten sowohl eine ästhetische Funktion erfüllen als auch verhindern, dass ein PKW auf den Gehweg fährt.

Gleichzeitig würde die Neugestaltung der Straße die Anpflanzung weiterer Bäume und die Schaffung von schattigen Bereichen für Fußgänger ermöglichen. Der Verein schlägt zudem Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vor, wie die Verengung der Fahrspuren und die Einrichtung von erhöhten und häufiger angeordneten Fußgängerüberwegen. Ein weiterer angesprochener Aspekt ist die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, die nach Ansicht der Vertreter des Vereins in diesem Bereich nicht ausreichend eingehalten wird. Die Stadtverwaltung müsste hier Radargeräte installieren. 

Pflastersteine auf der Fahrbahn? 

Der Bürgermeister von Kronstadt, George Scripcaru, erklärte in diesem Kontext, dass es zwar ein Konzept für die Neugestaltung des Verkehrs in der Innenstadt gebe, dieses jedoch so ausgearbeitet werden müsse, dass auch die Sicherheit der Fußgänger erhöht werde. „Wir haben ein Konzept zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in der Klostergasse, müssen es jedoch gemeinsam mit Fachleuten und Vertretern der Verkehrspolizei ausarbeiten. Es ist vorgesehen, den Asphalt zu entfernen und die Fahrbahn mit Pflastersteinen neu zu gestalten, wodurch sich die Fahrgeschwindigkeit automatisch verringert. Außerdem wollen wir die Gehwege verbreitern, sodass pro Fahrtrichtung jeweils nur noch eine Fahrspur für den Straßenverkehr verbleibt und der Fußgängerbereich erweitert wird. Darüber hinaus müssen wir gemeinsam mit den Fachleuten prüfen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um den Fußgängern auf den Gehwegen mehr Sicherheit zu bieten“, erklärte Bürgermeister George Scripcaru. Außerdem erwähnte er , dass er einmal beinahe selbst Opfer von Rasern geworden wäre, die sich auf dieser Straße nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten. „Ich war selbst einmal in einer gefährlichen Situation: Als ich die Straße überqueren wollte – obwohl die Ampel für Fußgänger auf Grün stand –, rasten einige Motorradfahrer einfach bei Rot vorbei, ohne sich da-rum zu kümmern. Es gibt noch andere Raser, die mit hoher Geschwindigkeit durch die Gegend fahren, weil sie Wettrennen veranstalten“. Scripcaru wies außerdem darauf hin, dass die Sanierung der Klostergasse, sowie der Schwarzgasse/Str. Nicolae B˛lcescu vorangetrieben werden soll, um Unfälle zu verhindern sowie andere akute Verkehrsprobleme zu lösen. 

Wann diese Pläne umgesetzt werden, bleibt dahingestellt. Bis dahin sollte man als Fußgänger besonders aufpassen. Ein guter Rat ist, sich immer auf der Straßenseite entgegengesetzt der Fahrtrichtung zu befinden, damit man die Autos von vorne kommen sieht und sich vor ihnen hüten kann.

Ebenfalls ist auch auf den Fußgängerübergängen größte Aufmerksamkeit zu empfehlen.