Als ich mich gegen Ende der 12. Klasse an der Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar/Timi{oara auf mein deutsches Abitur vorbereitete, machte mich Prof. Mathias Storm, damaliger Leiter der Deutschen Spezialabteilung, auf eine Organisation aufmerksam, die mein Leben verändern sollte: das Evangelische Studienwerk Villigst. Er erzählte mir von einem Förderprogramm, das begabte und engagierte junge Menschen nicht nur finanziell, sondern auch ideell begleitet.
Schon nach diesem ersten Gespräch hatte ich das Gefühl, dass es zu mir passen könnte – und überzeugte mich, mich zu bewerben. Im April 2023 reichte ich meine Bewerbung ein, im Februar 2024 kam die Zusage.
Ohne dieses Stipendium wäre mein Medizinstudium in Deutschland heute so nicht möglich gewesen. Im Oktober 2023 bin ich von Rumänien nach Gießen gezogen, um dort Medizin zu studieren - ein Neuanfang, bei dem mich das Studienwerk von Anfang an unterstützt hat.
Eine Gemeinschaft mit langer Tradition
Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, merke ich, wie sehr das Studienwerk mein Leben geprägt hat. Das Evangelische Studienwerk Villigst gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Begabtenförderungswerken Deutschlands – eines von insgesamt 13 im ganzen Land. Seit Jahrzehnten begleitet es junge Menschen auf ihrem Bildungsweg, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Spender, die dieses vielfältige Bildungsangebot erst möglich machen.
Diese lange Geschichte spürt man, wenn man Teil des Studienwerks wird: Man bekommt nämlich nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern wird auch Teil einer Gemeinschaft, die über Generationen hinweg besteht. Studierende, Promovierende und - seit 2024 – auch Auszubildende, Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Lebenswegen, finden hier zueinander und tragen diese Tradition gemeinsam weiter.
Mehr als Geld: Gemeinschaft und Zusammenhalt
Das Studienwerk hat mich auch auf kultureller, sozialer und spiritueller Ebene begleitet. Das hat mir in der schwierigen Anfangsphase in Deutschland enorm geholfen, als ich fern von Familie und Freunden in einem fremden Land neu anfangen musste. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie divers und bunt das Studienwerk ist: Bei den Konventen treffen Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen und Traditionen aufeinander – aktuelle Stipendiaten ebenso wie ehemalige Villigster. Dort kommen Menschen mit vielfältigen Biografien zusammen, und ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt.
Genauso wertvoll war es für mich, Menschen aus völlig anderen Fachrichtungen kennenzulernen und so aus meiner „Medizinstudierenden-Blase“ herauszukommen. Außerdem habe ich mich fast jedes Semester ehrenamtlich beim Auswahlverfahren engagiert. Dadurch habe ich weitere Stipendiaten kennengelernt, mit denen inzwischen echte Freundschaften entstanden sind.
Die Sommeruniversität – das Herzstück des Bildungsprogramms
Ein fester Bestandteil des Jahres ist für mich die Sommeruniversität, die traditionell von Mitte August bis Mitte September stattfindet. In mehreren Seminarwochen an verschiedenen Orten beschäftigen sich Stipendiaten aus verschiedenen Fachrichtungen mit einem gemeinsamen Thema. Besonders spannend ist der Austausch zwischen den verschiedenen Fachrichtungen: In den Seminaren diskutieren angehende Mediziner mit Juristen, Theologen oder Ingenieuren über dieselbe Fragestellung, jeweils aus ihrer eigenen Perspektive. Genau diese Mischung aus wissenschaftlicher Auseinandersetzung und persönlicher Begegnung macht die Sommeruniversität für mich zu einem meiner liebsten Angebote des Studienwerks.
Finanzielle Sicherheit
Natürlich spielt auch die finanzielle Unterstützung eine große Rolle: Die Grundförderung orientiert sich am Bundesausbildungsförderungsgesetz – mit dem entscheidenden Unterschied, dass ein Stipendium, anders als beim BAföG-Satz, nicht zurückgezahlt werden muss. Gerade für internationale Studierende wie mich, die ohne finanzielles Polster nach Deutschland kommen, nimmt diese Unterstützung einen enormen Druck weg.
Mein Rat an Studieninteressierte aus Rumänien
Bewerben kann sich grundsätzlich jeder, der ein Studium in Deutschland beginnen möchte – unabhängig von Herkunft oder Konfession, denn eine Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche ist keine Voraussetzung für eine Förderung durch das Studienwerk. „Begabt“ zu sein bedeutet dabei übrigens nicht in erster Linie Bestnoten, sondern vor allem Neugier, Engagement und den Willen, sich über das eigene Fach hinaus einzubringen.
Wer aus Rumänien über ein Studium in Deutschland nachdenkt, sollte sich die Fördermöglichkeiten des Evangelischen Studienwerks Villigst genauer ansehen – und sich einfach bewerben. Heute bin ich sehr froh, dass ich von Villigst erfahren habe. Ich bin überzeugt: Das Studienwerk kann vielen weiteren jungen Menschen den Start in Deutschland genauso erleichtern wie mir.
Weitere Informationen gibt es auf www.evstudienwerk.de sowie auf Instagram (@evstudienwerk) und Facebook (@EvangelischesStudienwerkVilligst). Traut euch, einen Blick hineinzuwerfen – wer weiß, vielleicht wird Villigst auch für euch zu einem Ort, an dem ihr wachsen und neue Freundschaften finden könnt. Am besten schaut man sich das Bildungsangebot einmal in Ruhe selbst an, um herauszufinden, ob es zu den eigenen Interessen und Plänen passt.




