Was bedeutet Demokratie eigentlich für junge Menschen entlang der Donau? Genau dieser Frage sind in den vergangenen Monaten Schulklassen aus 14 Donau-Anrainerstaaten nachgegangen – organisiert im Rahmen des Projekts „Don@u Online 2026" unter dem Motto „Demokratie – made in Eu-rope!”. Mitten drin: Schülerinnen und Schüler des Deutschen Theoretischen Lyzeums „Johann-Ettinger“ aus Sathmar/Satu Mare.
Demokratie, Videobotschaften und das Donaujugendcamp in Ulm/Neu-Ulm – das Projekt „Don@u Online 2026" hat Jugendliche aus dem Donauraum monatelang grenzüberschreitend zusammengebracht. Den Abschluss bildete das Internationale Donaujugendcamp, an dem auch zwei Schülerinnen des Johann-Ettinger-Lyzeums aus Sathmar mit ihrer Begleitlehrerin Iulia Hölzli vom 2. bis 7. Juli teilnehmen durften. Zudem gab es aus Rumänien auch teilnehmende Jugendliche aus Temeswar/Timișoara, Reschitza und Galatz.
Ein Fachtag als Auftakt
Den offiziellen Startschuss gab der Fachtag „Demokratie an den Schulen entlang der Donau“ am 9. Februar 2026 in den Donauhallen von Donaueschingen – dort, wo die Donau ihren Ursprung hat. Eingeladen waren Lehrkräfte aus mehr als 30 Schulen Baden-Württembergs sowie aus allen 14 Donauländern. Auf dem Programm standen ein Grußwort von Staatssekretär Volker Schebesta, ein Impulsvortrag der Münsteraner Erziehungswissenschaftlerin Katrin Hahn-Laudenberg zur politischen Bildung Jugendlicher sowie Speed-Dating-Runden und ein World-Café, bei denen sich Lehrkräfte aus ganz unterschiedlichen Ländern erstmals persönlich austauschen konnten.
Daran schloss sich vom 10. bis 12. Februar eine Auftaktveranstaltung im „Haus auf der Alb“ in Bad Urach an, zu der die Lehrkräfte aus Osteuropa – und damit auch die Lehrerin Iulia Hölzli aus Sathmar – verpflichtend anreisten. Dort stellten sich die beteiligten Schul-Teams gegenseitig vor, lernten den gemeinsamen Moodle-Kursraum kennen und entwickelten erste Ideen für die Projektarbeit ihrer Klassen.
Die Projektidee: „404 – Europa nicht gefunden”
Aus diesen ersten Begegnungen entstand eine Zusammenarbeit zwischen 12 Schülerinnen und Schülern des Deutschen Theoretischen Lyzeums „Johann-Ettinger“ aus Sathmar und sechs Schülerinnen und Schülern seiner deutschen Partnerschule, der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, einer kaufmännischen Schule in Kirchheim unter Teck, verantwortet auf deutscher Seite von Lehrer Johannes Veil. Gemeinsam entwickelten die Schulteams ein Projektthema mit dem Titel „404 Europa nicht gefunden – demokratische Werte in Gefahr”: Anhand verschiedener Themenschwerpunkte sollten die Jugendlichen erkunden, was es konkret bedeutet, in einem gemeinsamen europäischen Wirtschafts-, Bildungs- und Werteraum zu leben – und dabei auch einen dystopischen Blick riskieren, wie ein Europa ohne die Europäische Union aussehen könnte.
Die Recherche gliederte sich in mehrere Themenblöcke: von den Bildungs- und Fördermöglichkeiten, die die EU jungen Menschen bietet, über den praktischen „Warenkorb” – also den Vergleich von Supermarktpreisen zwischen Rumänien und Deutschland – bis hin zu Reisefreiheit im Schengen-Raum, dem europäischen Arbeitsmarkt und der Rolle der EU als Friedens- und Demokratieprojekt. Am Ende stand für die Jugendlichen eine klare Erkenntnis: Ein demokratisches Europa ist nicht perfekt, aber die beste Alternative zu anderen politischen Entwürfen.
Zwischen März und Juni 2026 arbeiteten die beiden Schulgruppen intensiv zusammen – ausschließlich online, begleitet von Tutorinnen und Tutoren des Projekts. Insgesamt zwölf Schülerinnen und Schüler aus Sathmar sowie sechs aus Kirchheim unter Teck brachten sich ein. Am Ende entstand ein gemeinsames Video, mit dem die deutsch-rumänische Gruppe die Fragen aus dem Projektkonzept beantwortete.
Aufruf zum Videobeitrag
Parallel dazu waren alle Don@u-Online-Schulen aufgerufen, einen kurzen Videoclip von maximal 60 Sekunden einzureichen – unter dem Motto „Demokratische Beteiligung im Schulalltag – Dein Beitrag ist gesucht!”. Gezeigt werden sollten reale Beispiele demokratischer Teilhabe an der eigenen Schule, etwa die Arbeit der Schülermitverwaltung. Die mit dem Smartphone produzierten Beiträge wurden beim Fachtag in Donaueschingen präsentiert.
Höhepunkt: Das Donaujugendcamp in Ulm/Neu-Ulm
Der Höhepunkt des Projekts fand vom 2. bis 8. Juli 2026 statt: das Internationale Donaujugendcamp „Europa sind wir” in Ulm und Neu-Ulm, eingebettet in das Internationale Donaufest und die Aktion „Junge Donaubotschafter”. Dort trafen sich ausgewählte Schülerinnen und Schüler aller beteiligten Schulklassen, um ihre Projektergebnisse vorzustellen und an einem europäischen Kulturprogramm teilzunehmen.
Da laut Projektplan pro Klasse nur zwei Schülerinnen und Schüler reisen durften, konnten von den zwölf rumänischen Teilnehmenden letztlich nur zwei nach Ulm fahren – eine Chance, die sie sich nicht entgehen ließen. Für die beiden Schülerinnen des Johann-Ettinger-Lyzeums bedeutete die Reise weit mehr als den Abschluss eines Schulprojekts: Nach Monaten virtueller Zusammenarbeit trafen sie ihre deutschen Projektpartnerinnen und -partner erstmals persönlich und erlebten live, wie viele junge Menschen aus unterschiedlichen Donauländern sich für dasselbe Thema begeistern.
Ein Projekt mit Nachwirkung
Was in Donaueschingen mit einem Fachtag begann, führte über Wochen virtueller Zusammenarbeit bis an die Ufer der Donau in Ulm – und zeigt exemplarisch, wie europäische Bildungsprojekte funktionieren können: konkret, persönlich und mit echten Begegnungen als Lohn für monatelange gemeinsame Arbeit. Für die Schülerinnen des Johann-Ettinger-Lyzeums aus Sathmar war die Teilnahme am Donaujugendcamp damit weit mehr als ein Ausflug – sie war der sichtbare Beweis dafür, dass Demokratiebildung über Ländergrenzen hinweg funktioniert, wenn junge Menschen die Gelegenheit bekommen, sich auszutauschen und ihre eigene Stimme hörbar zu machen.
Getragen wurde das Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, dem Europa Zentrum Baden-Württemberg, dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und der Kulturreferentin für den Donauraum, Dr. Swantje Volkmann, unterstützt vom baden-württembergischen Kultusministerium.






