Wort zum Sonntag: Durch Maria zu Jesus


Zu den kostbaren Schätzen unseres Glaubens gehört nach meiner Meinung auch die Marienverehrung. Oft wird Maria mit dem Jesuskind dargestellt, auch auf unserem Gnadenbild von Maria Radna. Auf dieses Kind kommt es eigentlich an! Denn dieses Kind war für Maria der Mittelpunkt ihres Lebens.

Wir ehren Maria nur, weil sie die Mutter Jesu und damit die Mutter Gottes geworden ist. Wir rufen sie an, weil wir durch sie zu Jesus kommen wollen. Indem wir Maria ehren, ehren wir Gott selber. Indem wir sie ehren, preisen wir die Macht der göttlichen Gnade, die sich in ihrem Leben auf wunderbare Weise gezeigt hat.

Marienverehrung ist nicht Selbstzweck. Maria will uns nicht für sich gewinnen. Sie will hin weisen auf Jesus, sie will uns hinführen zu ihrem Sohn. Darum heißt der Grundsatz katholischer Marienverehrung: „Per Mariam ad Jesum“ – „Durch Maria zu Jesus!“ 

Um zu Jesus zu gelangen, muss man nicht den Umweg über Maria gehen. Man kann direkt zu ihm gehen. Aber viele Menschen finden leichter zu Jesus durch Maria. Das wird besonders an den großen Wallfahrtsorten deutlich. So auch in Maria Radna, oder in Maria Tschiklowa, in Altötting, in Lourdes, in Fatima und an vielen anderen Wallfahrtsorten.  Eine richtig verstandene, biblisch fundierte, auf Christus ausgerichtete Marienverehrung stellt auch heute noch eine Bereicherung unseres Glaubens dar.

Viele Gläubigen haben ein großes Vertrauen zu Maria. Vor ihren Bildern zünden sie gern Kerzen an, schmücken sie mit Blumen, beten davor. Verschiedenste Anliegen tragen sie vor Maria, und hoffen, dass Maria helfen wird. „Maria hat geholfen und wird auch weiter helfen“ ist auf unzähligen Votivtafeln zu lesen. Woher kommt dieses Vertrauen?

In einem Gebet (altes GL 783,5) wird darauf folgende Antwort gegeben: „Königin des Himmels, du bist von Gott so hoch erhoben wie kein anderer Mensch, außer deinem Sohn Jesus. In den Himmel aufgenommen, bist du doch Schwester der Menschen geblieben. Du weißt, was wir brauchen, und bittest Christus um alles, was uns nottut. In jeder Not können wir voll Vertrauen zu dir kommen, unsere Fürsprecherin, Helferin und Mittlerin.“
„Du weißt, was wir brauchen.“ Gläubige Menschen fühlen sich  von Maria verstanden. Sie hat ja selbst das schwere Schicksal der materiellen Armut, der Flucht, der Heimatlosigkeit, der Verfolgung, des Spottes und der Verachtung kennen gelernt. Sie hat selber unter furchtbarsten Umständen ihr einziges Kind verloren. Sie hat alle Dunkelheiten, die der Glaube einem abverlangen kann, ausgehalten. Deshalb vertrauen viele Menschen darauf,  dass Maria ein Ohr für ihre Not hat, weil sie mitfühlen kann. Und sie kann auch helfen. 

Das Gebet des hl. Bernhard: „Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir verlassen worden ist“ spricht aus, was viele Menschen in ihrem eigenen Leben erfahren haben. 

Maria ist nicht nur Mutter Gottes, sie ist auch unsere Mutter und Fürsprecherin. Sie ist eine von uns und kann uns auch zum Vorbild im Glauben werden. Von ihr sagt ein Dichter: „Groß, Maria, war dein Glaube/ Fest und unerschütterlich,...“ Weil ihr Glaube groß war, wird sie auch Mutter der Glaubenden genannt. Elisabeth sagt von ihr: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45). Maria war zutiefst überzeugt: Gott ist einer, der uns liebt und der uns auf geheimnisvoller Weise durch das Leben führt.

Maria ist den Weg des Glaubens gegangen. Sie kann uns darin Vorbild sein. Bitten wir sie heute, sie möge uns die Gnade erflehen, damit wir Gott treu bleiben und Jesu, ihrem Sohn nachfolgen können, auch wenn unser Lebensweg streckenweise zu einem Kreuzweg wird. Denn dieser Weg kann auch für uns der Weg zum Heil, der Weg zu einem gelingenden und sinnerfüllten Leben werden. Amen.