Wort zum Sonntag: Ein Leben ohne Christus ist geistlich gesehen ein totes Leben


Am 13. Sonntag im Jahreskreis haben wir erneut die Gelegenheit, über die Güte des Herrn, über sein unendliches Erbarmen nachzudenken und zu versuchen, den Sinn der göttlichen Geheimnisse zu erfassen, die unseren Seelen Schönheit und Erfüllung schenken.

In den Worten des Antwortpsalms dieses Sonntags erkennen wir, wie schön König David vor Tausenden von Jahren dem himmlischen Vater sang: „Glücklich ist das Volk, das den Jubelruf kennt und im Licht deines Angesichts wandelt, Herr! Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und rühmen sich deiner Gerechtigkeit. Denn du bist ihre Schönheit und ihre Stärke.“ Es bleibt zu prüfen, ob auch wir uns in diesen Worten wiederfinden: Sind wir jenes Volk, das den Herrn nicht nur in der Kirche preist, sondern auch außerhalb, und das im Licht seines Angesichts in jedem Augenblick des Tages wandelt – bei der Arbeit, zu Hause und in der Gesellschaft? Ist Gott tatsächlich unsere Stärke in schweren Stunden, in komplizierten Momenten und in dunklen Situationen? Jeder Christ ist eingeladen, auf diese Fragen zu antworten, um sich selbst zu prüfen, wie er den Glauben im eigenen Leben verwirklicht und welche Ehre er Dem erweist, der uns erschaffen, erlöst und sowohl das irdische Leben als auch die Ewigkeit geschenkt hat.

In unserer modernen Zeit, in der eine stark individualistische Kultur und eine konsumorientierte Mentalität gefördert werden, fällt es uns schwer, die Heiligkeit und die Gegenwart Gottes wertzuschätzen, wenn wir ihnen in unserer Umgebung oder in einer Person begegnen. Wir selbst begehren die Heiligkeit nicht ausreichend und suchen unseren Schöpfer und Erlöser nicht mit glühendem Herzen und ganzer Hingabe. Vielmehr verfolgen wir das, was unseren Körper und Stolz nährt, streben nach materiellem Besitz, nach Ruhm und danach, von anderen Menschen möglichst hoch geschätzt zu werden. Wenn wir uns jedoch dem zuwenden, was für die Seele und die Ewigkeit von Wert ist, dann belohnt Er uns nach seiner unermesslichen Güte. Machen wir nur einen einzigen Schritt auf Gott zu, so macht Er viele Schritte auf uns zu. Doch wie schwer fällt uns dieser eine Schritt zu unserem Herrn und Vater! 

Das Evangelium dieses Sonntags (Mt 10, 37–42) spricht unter anderem von Verzicht und Opferbereitschaft. Doch wer ist heute noch bereit, um des Glaubens willen auf etwas oder sogar auf jemanden zu verzichten? Für vergängliche Ehren und irdische Güter hingegen sind wir zu großen Anstrengungen bereit; wir verausgaben uns, ohne Rücksicht auf Müdigkeit, Stress oder die geringe Zeit, die wir mit Gott oder unserer Familie verbringen. Und dennoch: Wann werden wir beginnen, dem Herrn den Vorrang einzuräumen, den Er verdient? Was muss geschehen, damit wir für alles, was unser Vater uns schenkt, wirklich dankbar werden? Wann werden wir die Tiefe seiner Liebe zu jedem einzelnen Menschen begreifen?

Die Antwort lautet: Dann, wenn wir zur Demut zurückkehren. Zu jener Demut, durch die wir erkennen, dass alles, was wir sind, alles, was wir haben, alles, was wir sein werden und alles, was wir besitzen werden, ein himmlisches Geschenk ist – angefangen mit dem Geschenk des Lebens, dessen wir uns jeden Tag erfreuen dürfen. Nichts liegt in unserer eigenen Macht; alles liegt in Gottes Hand. Alles Schöne, Gute und Reine, jede Liebe, die wir für andere empfinden oder die andere für uns empfinden, jeder edle Gedanke, jedes Verlangen nach Heiligkeit, jeder tägliche Segen, jede Wohltat, die wir empfangen oder weitergeben – alles kommt von Ihm und durch Ihn. Darum gebührt Ihm die Ehre und nicht uns! Ihm sollen zuerst Dank und Lob dargebracht werden und nicht uns! Ihn sollen wir durch unser Leben verherrlichen und nicht uns selbst!

Bemühen wir uns daher, mit Vertrauen und Mut auf dem Weg des Glaubens voranzuschreiten – diesem Geschenk und diesem Schatz, der unseren Tagen auf Erden Sinn verleiht. Gehen wir furchtlos den Weg der Liebe, die unser Leben verschönert, und wachsen wir auf dem Weg der Hoffnung, die uns Tag für Tag Kraft und Frieden schenkt. Amen.