Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, lieber Diakon, der heute zum Priester geweiht wird, liebe Akolythen Mario und Francisc, die heute die Diakonenweihe empfangen, liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Das heutige Evangelium zeigt uns zwei wichtige Wahrheiten: den Grund unserer Freude und zugleich eine Warnung vor der Enttäuschung, die auch das Leben eines Priesters oder Diakons treffen kann.
Zuerst der Grund zur Freude: Jesus fragt: „Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ Der Bräutigam ist Christus selbst. Er war nicht nur bei seinen Jüngern vor zweitausend Jahren gegenwärtig. Er lebt auch heute mitten unter uns. Er liebt uns mit unendlicher Liebe. Seine Gegenwart ist die Quelle unserer Freude.
Liebe Weihekandidaten, eure Sendung besteht darin, den Menschen diese Gegenwart Christi bewusst zu machen. Ihr sollt ihnen helfen zu entdecken, dass Gott mit ihnen ist und sie unendlich liebt – auch dann, wenn sie diese Liebe jenseits der Schwierigkeiten des Lebens nicht mehr erkennen können.
Auf diese Liebe gibt es nur eine angemessene Antwort: Dienen. Der Diakon und der Priester sind Diener Gottes, indem sie den Menschen dienen. Sie gehören allen, aber sie haben dieselben Vorlieben wie Christus. Ihr besonderer Platz ist bei den Armen, den Kranken, den Leidenden, bei den Einsamen und bei jenen, die die Freude der Nähe Jesu verloren haben. Wo Not ist, soll der geweihte Diener hingehen, um die Gegenwart des Herrn zu bringen, denn Christus heilt, tröstet und schenkt Hoffnung.
Und gerade darin werdet ihr eure eigene Erfüllung finden. Denn der Herr lässt sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Wenn ihr ihn anruft, wird er bei euch sein, euch stärken, euch trösten und euch leiten. Er selbst bleibt die Freude des Priesters und des Diakons.
Das Evangelium enthält aber auch eine Mahnung. Jesus sagt: „Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche.“ Das bedeutet: Ein neues Amt allein genügt nicht. Ein neues Gewand über einem unveränderten Herzen bringt keine Erneuerung hervor.
Papst Leo hat einmal gesagt: „Eine große Gefahr ist: in den Dingen Gottes zu Hause sein und dennoch nicht aus Gott leben.“ Gerade darin liegt die Gefahr. Man beschäftigt sich mit heiligen Dingen, ohne sich vom Herrn innerlich verwandeln zu lassen. Dann versucht man, Menschen nur äußerlich zu verändern, statt ihr Herz zu erreichen. Man entdeckt eher ihre Fehler, als ihre Würde. Man kritisiert schneller, als dass man hilft. Doch Christus sendet euch nicht aus, um zu verurteilen, sondern um in jedem Menschen das Werk Gottes zu entdecken, das oft längst begonnen hat, noch bevor der Mensch selbst es wahrnimmt.
Darum soll die Liebe Christi in eurem Herzen immer neu lebendig werden – dieselbe Liebe, mit der er euch schon geliebt hat, bevor ihr Diakone oder Priester wart.
Liebe Weihekandidaten, ihr habt gebetet, und der Herr hat euch erhört. Heute nimmt er euch in besonderer Weise in die Gemeinschaft seiner engsten Mitarbeiter auf. Vielleicht empfindet ihr wie der Hauptmann im Evangelium: „Herr, ich bin nicht würdig.“ Ja, keiner von uns ist würdig. Und doch hat Christus uns geliebt, berufen und gesandt. Von heute an soll euer Dienst deshalb nicht nur Pflicht sein, sondern eine dankbare Antwort auf die Liebe, die euch zuerst geschenkt wurde.
Danken wir heute gemeinsam dem Herrn für dieses große Geschenk und bitten wir ihn, dass euer ganzes Leben Zeugnis seiner Liebe werde und viele Menschen durch euren Dienst die Freude entdecken, dass der Bräutigam auch heute mitten unter seinem Volk lebt.
Amen.





