Wort zum Sonntag: Zu Maria kommt man nach Hause

Man sagt, dass der Mensch, solange seine Mutter lebt, ein Elternhaus hat, ein Zuhause, in das er immer wieder zurückkehrt, um Schutz und Ruhe zu finden. Vielleicht lenkt uns diese Tatsache mit unseren Gedanken hin zum Paradies von einst, jenem aus längst vergangenen Zeiten, in dem der Mensch ganz und gar Gott gehörte. Und wir können sagen, dass wir alle von jenem Anfang an bis zum heutigen Tag auf der Suche nach dem Paradies sind, auf der Suche nach Gott, dem wir gehören und den wir aus der Tiefe unseres Herzens ersehnen. Solange Maria als unsere Mutter in unseren Herzen und in unserem Glauben lebt, haben wir eine Heimat, ein Elternhaus, in das wir immer wieder zurückkehren, um jenen Frieden und jene Erfüllung zu finden, die zu unserer höchsten Berufung hin, zu Vertrauen und Frieden gehören.

Wir kehren auch in diesem Jahr wieder zur Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf zurück und tragen in unseren Herzen das heilige Bild unserer Mutter, der seligen Jungfrau Maria von Radna, wie es auch das Lied „Ein Bild ist mir ins Herz gegraben“ besagt. Vielleicht ist es das Bild des Schutzes und des Vertrauens in Gott, das wir aus der Güte unserer himmlischen Mutter schöpfen. Vielleicht ist es das Bild unserer Dankbarkeit gegenüber dem Herrn. Vielleicht ist es das Bild jenes Paradieses, nach dem wir unaufhörlich suchen, mit jener Neugier, die den Kindern eigen ist. Als ich noch Student am Priesterseminar in Alba Iulia war, sagte mir Dr. Franz Metz: Für uns, die wir aus dem Banat ausgewandert sind, bedeutet Maria Radna sehr viel. Wir haben unser Elternhaus dort nicht mehr, und für viele von uns ist die Kirche in Maria Radna zum Elternhaus geworden, in das wir gerne zurückkehren, wann immer wir können.

So ist es: Wo immer wir die Jungfrau Maria verehren und suchen, finden wir Gottes Schutz und Segen. Wir finden ein Stück Himmel. Denn Maria tut das, was jede Mutter tut: Sie ruft uns zu sich, um uns zuzuhören, uns Trost zu spenden, uns zu nähren, uns zu beschützen und uns aus ihrem Herzen das Allerbeste zu geben. Das größte Geschenk, das eine Mutter erhalten kann, zu wissen, dass ihre Kinder erfüllt und glücklich sind und ihren Weg gehen. Maria ist heute besonders glücklich darüber, dass wir alle hier zusammen sind, denn die größte Freude einer Mutter ist es, zu wissen, dass alle ihre Kinder zu Hause sind. 

Und wir tragen wiederum in unseren Gedanken und Herzen all unsere Lieben, leuchtende Gestalten aus unserem Leben, geliebte Menschen, von denen viele heute nicht mehr unter uns sind. Das Leben geht jedoch immer weiter. Es erfüllt uns und führt uns auf dem Weg des Vertrauens, des Glaubens und der Liebe zu Gott. Niemand weiß, wohin ihn der Faden seines Daseins führt, aber eines wissen wir: Maria begleitet uns bei jedem Schritt, durch Gottes Barmherzigkeit. So sagte Jesus vom Kreuz herab zum Apostel Johannes: Siehe, das ist deine Mutter. So sagt er es heute auch uns allen. Siehe, Maria ist deine Mutter. Ich vertraue sie dir an, ich schenke sie dir. 

Manchmal denke ich, dass Gott uns deshalb eine Mutter geschenkt hat, damit wir Maria besser kennenlernen können, damit wir ihr Antlitz sehen und lieben können, damit wir auf sie und ihre Hilfe vertrauen können. Wie würde unser Glaube ohne Maria aussehen? Wie arm wäre jedes Jahr ohne all die Feste zu Ehren der Jungfrau Maria, die die Menschen näher zu Gott und zueinander bringen. Jede Pilgerreise verändert etwas in den Seelen der Menschen und schenkt ihnen etwas Wunderbares. Ich erinnere mich immer daran, dass meine Mutter mir jedes Mal, wenn ich von zu Hause wegging, etwas mitgeben musste. Ich bin nie mit leeren Händen von zu Hause weggegangen. Und ich bin überzeugt, dass auch wir von der Jungfrau Maria nicht ohne irgendein Geschenk weggehen. Gott vollbringt wahrhaftig Wunder, sogar in unserem Leben. Das wissen wir alle. Lasst uns also den Frieden Gottes in unsere Herzen kommen lassen und uns von der Hilfe der Heiligen Jungfrau Maria begleiten. Möge sie uns zu ihrem geliebten Sohn führen und uns mit ihrer mütterlichen Liebe segnen.

Amen

(Auszug aus der Predigt zur Wallfahrt der Donauschwaben in Maria Ramersdorf, München, 30. August 2026)