Es gibt politische Wendungen, die so dreist sind, dass man sie eigentlich nur mit Fassungslosigkeit wahrnehmen kann. Präsident Nicu{or Dan, einst der Hoffnungsträger der reformhungrigen Wählerschaft, hat in den letzten Wochen eine solche Wendung hingelegt. Ein Mann, der gewählt wurde, um das System zu erneuern, hat sich entschlossen, das System zu perfektionieren — allerdings jenes, das er früher angeblich bekämpfen wollte. Seine Wähler stehen nun daneben, zur Fußnote im Plan des Mathematikers degradiert.
Der Regierungssturz war der Auftakt. Ein sauber inszenierter, kalt kalkulierter Schlag. Doch das Überraschende kam erst danach: Nicht die Sozialdemokraten waren für die Regierungsübernahme vorgesehen. Kein Interesse, die erste Geige zu spielen. Das allein hätte jedem Beobachter zeigen müssen, dass hier etwas anderes gespielt wird. Doch Dan tat so, als sei alles normal, als sei der Sturz nur ein notwendiger Schritt, um „Stabilität“ herzustellen. Stabilität wofür? Für wen? Für seine eigene politische Zukunft?
Dann kam der Moment, in dem er die tote Katze warf — nicht in den Hof der PSD, sondern in den Hof der Liberalen. Ein klassischer Trick: Man schafft ein Problem, legt es jemand anderem vor die Tür und wartet darauf, dass dieser sich schmutzig macht. Doch die Liberalen spielten nicht mit. Sie schlossen um Ilie Bolojan die Reihen, widersetzten sich dem Druck, verweigerten die Rolle des Sündenbocks. Eine Partei, die sonst für interne Konflikte bekannt war, zeigte plötzlich Disziplin. Kein Aufstand, kein Durchstechen, kein panisches Umfallen. Nur ein klares, sicheres Nein. Und die gewesenen Allianzpartner USR und UDMR standen mit ihrem Nein auch fest.
Und genau das brachte Dan in Schwierigkeiten. Denn sein Plan sah vor, dass die Liberalen die Verantwortung übernehmen, scheitern, und er anschließend als Retter auftreten kann. Und während sein „Noch“-Premier Tomac scheinbar an der Regierungsbildung arbeitete, setzte er im Hintergrund zum K.O.-Schlag aus: die Ernennung des Liberalen Adrian Ve{tea zum Premier. Scheinbar auf dem Weg zum Berge Athos, nimmt Ve{tea im Geheimen das Angebot an. Dass er das Geheimnis vor den Parteigenossen hütete, mag man noch verstehen, aber dass er seiner Gattin erst zehn Minuten vor der Kundgebung seiner Ernennung diese neue Lebensaufgabe mitgeteilt haben soll, sagt schon was aus.
Ve{tea wurde nicht ernannt, um zu gestalten, sondern um zu beseitigen — nämlich Bolojan, den eigenständigen, für Dan und die PSD unbequemen, inzwischen zu beliebten Mann im liberalen Lager. Ein politischer Störfaktor, der zu viel Rückhalt hat, zu viel Profil, zu wenig Abhängigkeit. Also musste er weg. Und wie beseitigt man jemanden, der zu groß geworden ist? Man setzt ihm jemanden, ein politisches Schlafmittel, vor die Nase. Ein Platzhalter, der nur eine Aufgabe hat: Platz zu halten, bis der Präsident seine nächste Figur auf dem Brett verschiebt, während die PNL daran zerbricht.
Doch die Liberalen ließen sich auch hier nicht spalten. Kein Jubel, aber auch kein Aufstand. Nur ein stilles, trotziges Zusammenrücken. Ein Verhalten, das Dan nicht einkalkuliert hatte. Er hatte auf Chaos gesetzt, auf interne Kämpfe, auf das übliche liberale Zerbröseln. Stattdessen bekam er Geschlossenheit. Und Geschlossenheit ist das Letzte, was ein Präsident gebrauchen kann, der gerade versucht, eine Partei in die Knie zu zwingen.
Eines ist nun gewiss: Dan hat Farbe bekannt. Und diese Farbe ist PSD-Grindeanu-Rot. Ein Rot des Opportunismus, das jede Hoffnung übermalt. Während die Kameras laufen, lächelt er, als sei dies alles Staatskunst und nicht bloß ein schlecht kaschierter Machttrick. Am Ende bleibt nur die zynische Struktur eines Verratsalgorithmus, berechnet von einem Mann, der den Zahlen der Macht anscheinend treuer ist als den Menschen, die ihn gewählt haben.





