Acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein Tischler, zwei Baumstämme und vierzig Hobel. Im Schatten der Kirchenburg von Großschenk/Cincu lernten Interessierte, wie man Holz mit traditionellem Werkzeug bearbeitet. Der Weg vom Baumstamm zum Küchenbrettchen war mühsam – und flößte dem einen oder anderen motivierten Hobby-Handwerker Respekt vor der traditionellen Handwerkskunst ein.
Für die Vertreterin der Stiftung Kirchenburgen, Andreea Mănăstirean, ist der Tag in Großschenk ein Testlauf. Bereits Anfang Juni hatte die Stiftung einen Handwerks-Workshop zur Wollfaden- und Knüpfkunst in Heltau/Cisnădie angeboten, heute steht ein Tischler-Workshop auf dem Programm. Zu Besuch ist die Stiftung mit der Gruppe bei Marlene und Alex Herberth, die mit ihrem Verein KraftMade regelmäßig Aktivitäten rund um traditionelle Handwerkstechniken anbieten. Der Tag beginnt mit lockeren Gesprächen und mit einem Quiz-Heftchen, mit dessen Hilfe sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Kirchenburg und deren Geschichte erschließen.
Die Formate, die die Stiftung sonst anbietet, wie die „Hands on Conservation“-Kurse oder das „Heritage Lab“, dauern meist mehrere Tage bis Wochen und richten sich an Handwerks-Profis, die ihr Wissen erweitern wollen. Das Pilotprojekt, von der Stiftung kürzlich ins Leben gerufen, besteht aus eintägigen Workshops. Hier erhalten Laien in einer kürzeren Zeit eine Einführung in ein Handwerk, erfahren mehr über die Geschichte eines siebenbürgischen Ortes und dessen Kirchenburg. Es soll ein Paket sein, das mehrere Erfahrungen bündelt: „Die Idee dahinter ist, eine Verbindung zu schaffen zwischen einer Kirchenburg, einem Handwerk und der Neuinterpretation eines Handwerks,“ meint Andreea Mănăstirean. Damit soll auch eine Zielgruppe erreicht werden, die die Kirchenburg sonst vielleicht nicht besucht hätte.
Das ist an diesem Morgen gelungen. Um Punkt elf Uhr steht die Gruppe um einen dicken, frisch gefällten Baumstamm – eine Stieleiche, wie Tischler und Workshopleiter Alex Herberth die Versammelten wissen lässt. Mit Spaltbohlen und Spaltkeilen wird der Baumstamm in vier Teile gespalten. Schon dieser Vorgang verlangt Kraft und Präzision.
Der Bearbeitungsprozess wird anschließend an bereits getrockneten Spaltbohlen fortgesetzt. Mit Dechseln und Breitbeilen folgt die grobe Bearbeitung. Kein leichtes Unterfangen, denn die Spaltbohlen scheinen sich zu wehren. Bis in die Nachmittagsstunden bemühen sich die Hobby-Holztüftler um die Herausarbeitung eines Holzbretts, das anschließend zugeschnitten wird. Aber damit nicht genug: Im nächsten Schritt muss die behauene Oberfläche mit einem Schrupphobel bearbeitet werden – diagonal zur Maserung und längs zur Maserung, lernen die Teilnehmer. Dann folgt die Raubank, um das Brettchen zu ebnen. Mit dem Putzhobel werden schließlich die kleinsten Unebenheiten beseitigt. Wer besonders fleißig ist, schafft das Einölen seines Holzbrettchens noch vor Sonnenuntergang.
Alex Herberth bietet öfter Workshops an, meist für Architekturstudenten und Wandergesellen. Dieser Kurs sei einer der wenigen Kurse für Hobby-Handwerker. Die Rückmeldungen zu den Workshops, die er gebe, seien motivierend, erzählt er: „Aber es ist eben schwierig, so etwas machen zu müssen, wenn man nicht viel körperlich arbeitet.“ Ehrfurcht vor dem Handwerk sei eben wichtig, meint er. So lerne man alte Dinge zu schätzen: „Wenn Leute in alten Häusern wohnen und behauene Balken haben, dann sehen sie sie jetzt wahrscheinlich anders,“ sagt er mit einem Augenzwinkern.
Bis in die späten Abendstunden wird gearbeitet. In einer Pause führt Burghüterin Brigitte Boghean die Gruppe durch die Kirchenburg und auf den Turm – ein bisschen Erholung von der körperlichen Arbeit, die Stille in der Kirche, ein paar Geschichten aus dem Dorf. Bei einem selbstgemachten Kräutertee im Innern des Burghofs klingt der Arbeitstag aus.
Für Dragoș Bera, einen der Teilnehmer, haben sich an diesem Tag alle Erwartungen an eine Freizeitaktivität im Freien erfüllt: „ Ich wollte etwas Praktisches mit meinen eigenen Händen machen, weil ich sonst ziemlich viel am Laptop sitze.“ Gereizt habe ihn an dem Workshop, mit anderen zusammen an einem natürlichen Material an der frischen Luft zu arbeiten. Er selbst ist aufgewachsen in Fogarasch/Făgăraș, hat dort die deutsche Schule besucht und als Kind an den Kinderspielstätten in Seligstadt/Seliștat und Bekokten/Bărcuț teilgenommen. Für ihn ist es wichtig, dass das traditionelle Handwerk an einem Ort wie Großschenk weitergegeben wird. Damit werde die Kirchenburg mit Leben gefüllt, sagt er. Handwerker wie Alex Herberth seien durch ihr Wirken Vorbilder für andere. Auf Rumänisch gebe es das Sprichwort „Der Mensch heiligt den Ort“/„Omul sfințește locul“. Für ihn liegt darin der Beweis, dass man, wenn man seinen Herzensort gefunden hat, etwas Schönes schaffen kann – eben nicht nur in der Stadt. Für ihn steht fest: Die Kirchenburgen in Siebenbürgen und das Harbachtal werden auch in Zukunft ein großes Potenzial haben.







