Mit dem Auto über die größte Insel des Ionischen Meeres

Von Kalamia bis Antisamos: Strände, Höhlen und Tavernen auf Kefalonia

Xi Beach mit seinem orangefarbenen Sand

Sehenswürdigkeiten: Melissani-Höhle

orthodoxes Kloster des Heiligen Gerasimos

Antisamos Beach Fotos: die Verfasserin

Es gibt Urlaubsziele, bei denen man bereits nach wenigen Tagen das Gefühl hat, alles gesehen zu haben. Kefalonia gehört definitiv nicht dazu. Die größte der Ionischen Inseln ist weitläufig, bergig und voller kleiner Überraschungen. Hinter jeder Kurve kann eine neue Bucht auftauchen, ein malerisches Dorf, eine kleine Kapelle oder ein Aussichtspunkt, von dem aus sich das Meer in allen möglichen Blautönen bis zum Horizont erstreckt.

Wir reisen als Familie mit zwei Kindern und kommen Mitte August nach Kefalonia. Die Entscheidung für die griechische Insel fällt bei mir allerdings schon viele Monate früher. Kurz nachdem die Charterflüge für die kommende Saison ab Temeswar/ Timișoara angekündigt wurden, beginne ich mit der Urlaubsplanung. Die Flugtickets kaufe ich bereits im November, ungefähr rund um den Black Friday. Das ist übrigens ein Tipp, den ich auch anderen Reisenden geben würde: Nicht nur Elektronikhändler oder Modegeschäfte locken zu dieser Zeit mit Angeboten. Auch Fluggesellschaften haben immer wieder Aktionen, gerade wenn neue Strecken oder Charterverbindungen angekündigt werden. Wer früh plant und beim Reisedatum ein wenig flexibel ist, kann durchaus einen guten Preis erwischen.

Die Unterkunft suche ich anschließend separat über Booking. Wir entscheiden uns für ein Apartment mit Pool in Lassi, in unmittelbarer Nähe des Kalamia Beach. So haben wir einen festen Ausgangspunkt, können morgens spontan zum Strand gehen und sind gleichzeitig flexibel genug, um mit einem Mietwagen jeden Tag einen anderen Teil der Insel zu erkunden.

Der erste Blick auf Kefalonia

Schon bei der Ankunft ist die Landschaft beeindruckend. Kefalonia wirkt nicht wie eine flache Ferieninsel, auf der sich ein Strand an den nächsten reiht. Berge bestimmen das Bild, dazwischen liegen dichte Wälder, Olivenhaine und kleine Ortschaften. Die Straßen schlängeln sich durch die Landschaft und eröffnen immer wieder neue Ausblicke auf das Ionische Meer.

Und dann ist da dieses Geräusch. Die Zikaden zirpen eigentlich ständig. Morgens, wenn wir zum Frühstück auf die Terrasse gehen, hören wir sie bereits. Mittags werden sie vom Badebetrieb übertönt, aber am Nachmittag und Abend sind sie wieder allgegenwärtig. Ihr gleichmäßiges Zirpen gehört nach wenigen Tagen so selbstverständlich zu unserem Urlaub, dass die Stille zu Hause vermutlich ungewohnt wirken wird.

Auch sonst überrascht uns die Insel. Obwohl wir Mitte August, also mitten in der Hochsaison, unterwegs sind, gibt es abends kaum Mücken. Wespen begegnen uns ebenfalls erstaunlich selten. Man erwartet im heißen Mittelmeerklima eigentlich etwas anderes. Stattdessen sitzen wir abends lange draußen und genießen die warme Luft.

Unser kleiner Hausstrand: Kalamia Beach

Unser Strand liegt praktisch vor der Tür: Kalamia Beach. Der Strand befindet sich in Lassi und ist von Felsen und mediterraner Vegetation eingerahmt. Er ist nicht einer dieser riesigen Strände, an denen man kilometerweit Liege an Liege sieht. Gerade das gefällt uns.

Das Wasser ist klar und ruhig und eignet sich hervorragend zum Schnorcheln. Wir verbringen hier mehrere Stunden damit, die Fische zu bewundern. Die Kinder sind schnell begeistert und wollen kaum noch aus dem Wasser. Im klaren, warmen Meer scheint die Zeit ohnehin langsamer zu vergehen. Doch unser Kefalonia-Urlaub besteht nicht nur aus Baden. Im Gegenteil: Wir sind fast täglich mit dem Pkw unterwegs.

Mit dem Auto über die Insel

Ein Mietwagen ist für uns die beste Möglichkeit, Kefalonia kennenzulernen. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt zu den berühmten Stränden der Insel. Einer davon ist Xi Beach. Schon die Landschaft macht ihn unverwechselbar: Der Sand ist rötlich-orange (lustige Bemerkung nebenbei: Mein Sohn nannte ihn den „Trump-Strand“), dahinter erheben sich helle Lehmfelsen, und vor uns liegt das tiefblaue Meer. Die ungewöhnliche Farbkombination wirkt fast wie eine Kulisse aus einem Film.

Die Kinder entdecken natürlich sofort den besonderen Lehm. Wir streichen uns Lehm ins Gesicht – er soll sich gut als Gesichtsmaske eignen.

Der Xi Beach ist touristischer als unser kleiner Kalamia Beach und wegen des seichten Wassers perfekt für Kinder geeignet, aber gerade wegen seiner ungewöhnlichen Optik sollte man ihn gesehen haben.

Ganz anders ist Antisamos.

Antisamos und das Blau des Ionischen Meeres

Antisamos liegt in einer geschützten Bucht, umgeben von grünen, dicht bewachsenen Hügeln. Schon der Blick von oben ist spektakulär. Die Straße führt auf die Bucht zu, und plötzlich öffnet sich vor uns ein Panorama aus Grün, Weiß und verschiedenen Blautönen.

Das Wasser ist außergewöhnlich klar. Man kann weit ins Meer hinausschauen und trotzdem den Grund sehen. Auch hier verbringen wir viel Zeit im Wasser. Kinderfreundlich ist der Strand allerdings nicht, denn das Wasser wird schon nach wenigen Schritten einige Meter tief. 

Während Kalamia für uns der unkomplizierte Strand in der Nähe der Unterkunft ist, fühlt sich Antisamos wie ein Ausflugsziel an, wo man mehrere Stunden verweilen möchte. 

Kefalonia besitzt viele Gegensätze. Es gibt bekannte Strände, die auf Postkarten zu sehen sind, und kleine Buchten, die man eher zufällig entdeckt. Es gibt touristische Zentren wie Lassi und Argostoli, aber auch stille Bergdörfer. Und genau diese Mischung macht die Insel für Familien interessant: Man kann einen klassischen Badeurlaub verbringen, muss sich aber nicht darauf beschränken.

Unter der Erde: die Melissani-Höhle

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kefalonias gehört die Melissani-Höhle. Am liebsten sehr früh oder am Nachmittag dort ankommen, um nicht stundenlang Schlange stehen zu müssen. 

Mit kleinen Booten geht es auf den unterirdischen See. Durch die teilweise offene Decke fällt das Tageslicht hinein und verändert die Farbe des Wassers ständig. Je nach Sonnenstand wirkt es türkis, tiefblau oder beinahe leuchtend. Die Bootsfahrt dauert nur wenige Minuten, ist aber eindrucksvoll. Die Felswände, die Stalaktiten und Stalagmiten, das Wasser und das Licht erzeugen eine Atmosphäre, die man an einem gewöhnlichen Strandtag nicht erleben kann.

Auch die nahe gelegene Drogarati-Höhle gehört zu den bekannten Natursehenswürdigkeiten der Insel.

Kefalonia zeigt hier eine andere Seite: Nicht nur das Meer ist spektakulär, sondern auch das, was sich darunter und im Inneren der Berge befindet.

Zwischen Mythologie und Geschichte

Überhaupt scheint Kefalonia geradezu prädestiniert dafür zu sein, Geschichten zu erzählen. Schon der Name der Insel wird mit der griechischen Mythologie verbunden.

Der Legende nach geht er auf Kefalos zurück, einen Helden und König aus der griechischen Mythologie.

Verschiedene Überlieferungen erzählen, dass Kefalos auf die Insel kam und sie nach ihm benannt wurde. Wie bei vielen antiken Sagen existieren unterschiedliche Versionen, in denen sich historische Orte, Götter, Helden und dramatische Geschichten miteinander vermischen.

Beim Schutzpatron der Insel

Das Kloster des Heiligen Gerasimos gehört zu den wichtigsten religiösen Orten Kefalonias. Gerasimos, der im 16. Jahrhundert lebte, gilt als Schutzpatron der Insel. 

Das orthodoxe Kloster des Heiligen Gerasimos ist ein Ort der Ruhe und der Verehrung und gleichzeitig ein bedeutender Bestandteil der Inselgeschichte. Für uns ist es eine willkommene Abwechslung zu den Strandtagen. Nach all dem Meer, dem Schnorcheln und den Autofahrten erleben wir hier eine ruhigere Seite Kefalonias.

Lassi: Tavernen und Meeresduft

Lassi, der Ort unserer Unterkunft, ist touristisch geprägt, aber nicht unpersönlich. Tavernen, kleine Geschäfte und Unterkünfte reihen sich entlang der Straßen aneinander und überall mischen sich die Gerüche von gegrilltem Fleisch, Kräutern und Meer.

Besonders gut gefällt uns das Essen. In Lassi besuchen wir Nefeli, ein Restaurant, das zu den besonders beliebten Adressen der Insel gehört und in einem Ranking sogar auf Platz eins geführt wird.

Ein anderes Mal entscheiden wir uns für Tzogia’s Taverna. Die Preise sind erschwinglich, die Atmosphäre entspannt und die Speisekarte bietet genau das, was wir uns von einer griechischen Taverne erhoffen. Auf unserem Tisch stehen Oktopus und andere Meeresfrüchte, daneben Souvlaki und Gyros. Die Kinder finden schnell ihre Favoriten, während wir uns durch verschiedene Gerichte probieren.

Natürlich darf auch die regionale Küche nicht fehlen. Wer Kefalonia kulinarisch kennenlernen möchte, sollte nach Kreatopita fragen, einer traditionellen herzhaften Fleischpastete, oder Aliada, einer kräftigen Knoblauch-Kartoffel-Creme. Dazu kommen Tomaten, Oliven, Feta, frischer Fisch, Meeresfrüchte und reichlich Olivenöl. 

Argostoli und kleine Entdeckungen zwischendurch

Natürlich führt uns unser Weg auch nach Argostoli, die Hauptstadt Kefalonias. Die Stadt liegt an einer Bucht und ist das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Insel. Entlang der Uferpromenade spielt sich ein großer Teil des Lebens ab. Hier kann man morgens, wenn die Fischerboote zurückkehren, die großen Schildkröten im Wasser bewundern. 

Nach einigen Tagen kennen wir die Straßen rund um Lassi, wissen, wo wir zum Strand abbiegen müssen und welche Tavernen uns gefallen. Aus dem fremden Urlaubsort wird langsam ein vertrauter Platz. Gleichzeitig bleibt das Gefühl, noch lange nicht alles gesehen zu haben.

Vielleicht ist das die eigentliche Besonderheit Kefalonias. Die Insel ist bekannt und längst kein Geheimtipp mehr. Namen wie Melissani, Antisamos, Xi Beach oder Argostoli gehören zu den klassischen Zielen eines Kefalonia-Urlaubs. Trotzdem lässt sich zwischen diesen bekannten Orten noch viel Eigenes entdecken.

Für uns sind es am Ende nicht nur die berühmten Bilder, die bleiben. Es ist das Gefühl der warmen Steinchen unter den Füßen. Das klare Wasser von Kalamia. Der orangefarbene Sand von Xi. Das Grün rund um Antisamos. Das Licht in der Melissani-Höhle. Der Besuch beim Heiligen Gerasimos. Der Oktopus auf dem Teller. Und natürlich die Zikaden, die scheinbar niemals eine Pause machen.