Bukarest (ADZ) - Die durch Sparmaßnahmen und Inflation verringerte Kaufkraft großer Teile der rumänischen Bevölkerung drückt weiter auf das Konsumverhalten. Aus am Donnerstag vom Nationalen Statistikamt (INS) veröffentlichten Daten geht hervor, dass im ersten Halbjahr 2026 das Geschäftsvolumen im Einzelhandel 5,7 Prozent niedriger war als in den ersten sechs Monaten 2025 (saison- und arbeitstagbereinigte Daten). Dabei wurde im Warenhandel mit minus 7,5 Prozent der stärkste Rückgang verzeichnet, im Einzelhandel mit Lebensmittel waren es minus 4,3 Prozent und bei Treibstoff minus 2,6 Prozent. Gleichzeitig wurde im Juni 2026 ein Rückgang sowohl zum Vorjahresmonat (-7,3%) als auch zu Mai 2026 (-1,2%) verzeichnet.
Aus weiteren INS-Daten von Donnerstag geht hervor, dass im ersten Halbjahr 2026 im Tourismus sowohl Ankünfte (minus 4,1 Prozent) als auch Übernachtungen (-6,7%) deutlich gesunken sind. Während die Zahlen bei ausländischen Touristen um rund sechs bis sieben Prozent zugelegt haben geht der Rückgang auf weniger Inlandsreisen zurück: fast sieben Prozent weniger Ankünfte in Tourismuseinrichtungen sowie zehn Prozent weniger Übernachtungen von rumänischen Touristen im Inland.
Laut Ende Juli vom europäischen Statistikamt vorgestellten Daten konnten sich 2025 61,4 Prozent der Rumäninnen und Rumänen über 16 Jahre eine einwöchige Urlaubsreise gar nicht leisten – 2024 waren es noch 58,6 Prozent. EU-weit liegt die Rate in Rumänien weit über den nächstplatzierten Ländern: In Griechenland konnte sich 2025 46,6 Prozent der Bevölkerung keinen Urlaub leisten, in Bulgarien und Ungarn waren es jeweils 39,1 Prozent.
Entsprechend den jüngsten INS-Daten für Mai 2026 ist die Kaufkraft eines Durchschnittslohns in Rumänien in den vergangenen 12 Monaten um 6,9 Prozent gesunken. In besonders stark von Sparmaßnahmen getroffenen Bereichen wie Erziehung und öffentlicher Verwaltung sind die Einkommen nicht nur inflationsbereinigt, sondern auch nominell im Vorjahresvergleich deutlich gesunken, im Gesundheits- und Sozialhilfewesen sind diese unverändert geblieben.
Dass Sparmaßnahmen die Bevölkerung ungleich treffen wird auch aus den jüngsten Leistungsbilanzdaten der Nationalbank (BNR) ersichtlich: Für Auslandsreisen wurden zwischen Januar und Mai 2026 mit 3,9 Milliarden Euro 600 Millionen Euro mehr ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Das Auslandsdefizit Rumäniens in diesem Bereich ist dabei um rund eine halbe Milliarde Euro gestiegen.





