Wien (dpa/ADZ) - Rumäniens Wirtschaft wird in diesem Jahr in einer wachsenden Region um 0,1 Prozent sinken. Laut der am Mittwoch veröffentlichten jüngsten Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) stellt Rumänien einen Ausreißer für Mittel-, Ost- und Südosteuropa dar, und erwartet eine leichte Rezession. „Diese erklärt sich aus dem harten Sparkurs der Regierung nach den hohen Budgetdefiziten der Vorjahre und der politischen Krise im Land“, so das wiiw. Auch die Slowakei wird 2026 mit 0,5 Prozent nur ganz leicht wachsen, 2027 mit 1,6 Prozent aber bereits wieder stärker.
Für die Region insgesamt prognostiziert das Institut – trotz des Iran-Konflikts – ein robustes Wachstum. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Konflikt mit dem Iran nicht neuerlich eskaliert, die Straße von Hormus offen bleibt und sich die Energiemärkte normalisieren“, sagt Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des wiiw und Hauptautor der Sommerprognose. Der allgemeine Trend werde vom privaten Konsum, von EU-Geldern und von Investitionen in die Rüstungsindustrie angetrieben. Gleichzeitig kämpfe die mit Deutschland verflochtene Industrie der Region aber nach wie vor mit der deutschen Industrie-Krise, hieß es. In den elf östlichen EU-Ländern erwartet das wiiw ein Wachstum von 2,2 Prozent (2026) und 2,4 Prozent (2027) – deutlich stärker als die erwarteten Werte der Eurozone.
2027 und 2028 dürfte das Wachstum in Rumänien auf 1,6 bzw. 2,3 Prozent anziehen, die Inflation auf rund vier Prozent fallen, das Leistungsbilanzdefizit auf unter sieben und das Budgetdefizit auf unter sechs Prozent der Wirtschaftsleistung sinken sowie die Arbeitslosenquote bei über sechs Prozent bleiben.
Russlands Wirtschaft in der Krise
Die russische Wirtschaft steckt aus Sicht von Ökonomen wegen hoher Zinsen, ukrainischer Angriffe und Internetsperren in einer Krise. Laut der Prognose des wiiw stagniert das Wirtschaftswachstum dieses Jahr bei 0,6 Prozent – nach jeweils 4,9 Prozent und 1 Prozent in den Jahren 2024 und 2025.
Schuld an der aktuellen Lage sei vor allem die zu restriktive Geldpolitik der Notenbank in Moskau, „die die Wirtschaft abwürgt“, weil sie Kredite zu teuer mache, sagte wiiw-Russlandexperte Vasily Astrov. Die Investitionstätigkeit brach demnach im ersten Quartal um 14 Prozent ein.
Auch die ukrainischen Attacken auf russische Energieanlagen und die daraus entstandenen Probleme mit der Kraftstoffversorgung schadeten der Wirtschaft, meinte Astrov. Internetsperren sorgten für zusätzliche Probleme in der stark digitalisierten Wirtschaft, hieß es.
Dennoch bleibt Moskau aus Sicht des wiiw weiter in der Lage, den Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen und zu finanzieren. Nächstes Jahr rechnet das Institut mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.
Ukraine kämpft mit Folgen des Iran-Kriegs
Für das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine prognostizieren die Fachleute einen Anstieg von 1 Prozent in diesem Jahr und 2,5 Prozent im nächsten Jahr. Die Ukraine leide nicht nur unter den Angriffen auf ihre Energieanlagen, sondern auch unter den Auswirkungen des Iran-Kriegs, hieß es. Das Land sei von Treibstoff- und Düngerimporten abhängig, die durch die Blockade der Meeresenge von Hormus teurer geworden seien. Der im April bewilligte EU-Kredit von mehr als 90 Milliarden Euro stabilisiere aber die ukrainische Wirtschaft, so das wiiw.





