Temesch bleibt Wirtschaftsmotor der Westregion – Industrie verliert an Tempo

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Temeswar - Der Kreis Temesch/Timiș behauptet seine führende wirtschaftliche Stellung innerhalb der rumänischen Westregion. Bei Exporten, ausländischen Investitionen, Beschäftigung und Löhnen liegt er weiterhin vor den Kreisen Arad, Hunedoara und Karasch-Severin. Die jüngsten statistischen Daten zeigen jedoch eine Abschwächung der Industrie: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lag die Industrieproduktion im Kreis Temesch um 2,1 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums, so die Angaben des Regionalen Statistikamts Temesch.

Damit fällt der Rückgang in Temesch geringer aus als im landesweiten Durchschnitt. In ganz Rumänien sank die Industrieproduktion von Januar bis Mai 2026 brutto um 3,3 Prozent (saison- und arbeitstagbereinigt minus 3,1 Prozent). Ausschlaggebend waren vor allem Einbußen im verarbeitenden Gewerbe von 4,5 Prozent sowie in der Förderindustrie von 1,8 Prozent. Lediglich die Erzeugung und Versorgung mit Strom, Wärme und Gas legte zu.

Deutlich schwieriger ist die Lage im Nachbarkreis Arad, wo der Rückgang der Industrieproduktion in den ersten fünf Monaten mehr als 20 Prozent betrug. Auch das Banater Bergland meldete ein Minus. Nach einer Analyse der Nationalen Strategie- und Prognosekommission erwirtschaftet Temesch fast 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Westregion und mehr als die Hälfte ihrer Bruttowertschöpfung im Dienstleistungssektor.

Die längerfristige Entwicklung zeigt jedoch bereits einen Strukturwandel. Während die Zahl der Industrieunternehmen im Kreis Temesch zwischen 2018 und 2023 auf knapp 3300 stieg und ihre Bruttogewinne zunahmen, sank die Zahl der Industriebeschäftigten im selben Zeitraum um fast 22 Prozent auf rund 64.800. Dienstleistungen, Handel, Bauwirtschaft und Informationstechnologie gewinnen demgegenüber weiter an Bedeutung.

Temesch bleibt außerdem der bedeutendste Exportstandort der Westregion. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern gehören Maschinen, elektrische Ausrüstungen und Erzeugnisse der Automobilzulieferindustrie. Der Kreis weist zugleich einen deutlichen Außenhandelsüberschuss auf: In einer landesweiten Auswertung des Regionalen Statistikamts Olt belegte Temesch in den ersten zehn Monaten 2025 bei der positiven Handelsbilanz Platz drei hinter Argeș und Dolj.

Auch der Arbeitsmarkt bleibt vergleichsweise stabil. Die registrierte Arbeitslosenquote lag zu Jahresbeginn bei 1,08 Prozent – weiterhin einer der niedrigsten Werte Rumäniens. Die jüngsten Angaben bestätigen eine Quote von etwa einem Prozent. Allerdings ist die Zahl der Beschäftigten zuletzt leicht zurückgegangen, was zusammen mit der schwächeren Industrieproduktion auf eine vorsichtigere Personalpolitik vieler Unternehmen hindeutet.

Bei den Einkommen führt Temesch weiterhin die Westregion an. Der Kreis gehört gemeinsam mit Bukarest, Hermannstadt und Klausenburg zu den wenigen Landesteilen, deren durchschnittlicher Nettolohn über dem Landesmittel liegt. Nach einer auf INS-Daten beruhenden Auswertung lag der durchschnittliche Nettolohn im Kreis Temesch im April 2026 bei mehr als 6700 Lei und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 5843 Lei. Der landesweite Nettodurchschnitt betrug im Mai 5684 Lei, nachdem er gegenüber April um 2,7 Prozent gesunken war.

Die gelieferten Angaben von regionalen Statistikämtern und dem Nationalen Statistikinstitut (INS) bestätigen somit das Bild eines wirtschaftlich starken Kreises, dessen breite Unternehmenslandschaft, Exportorientierung und niedrige Arbeitslosigkeit weiterhin für Stabilität sorgen. Zugleich zeigt der Rückgang der Industrieproduktion, dass auch Temesch von der schwachen Nachfrage, den Schwierigkeiten des verarbeitenden Gewerbes und der gedämpften Konjunktur nicht verschont bleibt.