Die Abkürzung PECA steht für „Pentru copii abandonați“. Heute ist man bei der Stiftung nicht glücklich mit dem Beiwort „abandonați“ im Titel. Auch der ein Jahr später (1995) in Basel gegründete Partnerverein trägt diesen Namen, dessen Änderung leider mit viel Aufwand und auch Kosten verbunden ist. „Abandonați“ also „verlassen“ einem Kind nachzusagen – und später als Erwachsener diesen Makel nicht zu vergessen – das ist nicht mehr zeitgemäß. Aber vor drei Jahrzehnten war diese Einstellung vorherrschend – es gab zu viele Kinder, die von ihren Familien verlassen wurden, die niemand haben wollte. Es gibt sie auch heute noch – nicht so zahlreich, aber das Problem kann nicht als zufriedenstellend gelöst betrachtet werden. „PECA“ betreut heute 21 Kinder und Jugendliche in den Häusern „Prichindel“ und „Livezii“. Die Stiftung unterstützt ein weiteres Haus („Salix“), gewährt wöchentlich Hilfe in Form von Lebensmitteln, Waschmittel und Ähnlichem an benachteiligte Personen aus der Roma-Gemeinde in Dumbrăvița (vorausgesetzt und überprüft wird, dass die Kinder in den Kindergarten und zur Schule gehen). Seit 2013 gibt es das „Atelier Diversis“ – eine Schneiderwerkstatt, die den beruflichen Einstieg einiger der betreuten Jugendlichen erleichtern soll und die außerdem durch Verkauf der dort hergestellten Ware der Stiftung zusätzliche Geldmittel zuführt. Außerdem kann die Stiftung zeitweilig Wohnungen für jene bis zum 18. Lebensjahr betreuten Jugendlichen zur Verfügung stellen, die eigene Familien gründen.
Das sind nur einige Bereiche der vielseitigen Tätigkeit, die die Stiftung heute vorweisen kann und die bei der Jubiläumsfeier am 5. Oktober in der Weidenbacher Kirchenburg anhand von Bildern und Erinnerungen vorgestellt wurden. Es sprachen die Schweizer Heilpädagogin Sonja Kunz, Gründerin der Stiftung, für deren Koordinierung sie weiterhin zuständig ist, Maria Gavriliu, ebenfalls Gründerin von PECA, Carmen Cristureanu, Direktorin, und Monica Dănilă, Erziehungsdirektorin. In ihrem Grußwort wies Sonja Kunz darauf hin, dass diese Feier nicht zufällig in der evangelischen Kirche stattfindet. Sozusagen als „Motto“ dieser Feier stellte sie die Psalmworte: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Denn für sie war es eine göttliche Fügung, dass sie nach Weidenbach kam und dafür ihre Heimat, ihre Familie und einen guten Job verließ. Die bisher hier verbrachten 30 Jahre bezeichnete sie als „segensreiche Jahre“. Mit Gottes Hilfe, mit viel Vertrauen, mit Hilfe von Freunden und Unterstützern von nah und fern konnte die Stiftung eine Vision umsetzen: Kindern ein Zuhause zu bieten. Pfarrer Uwe Seidner und sein orthodoxer Amtsbruder aus Weidenbach, Călin Comșa, würdigten die Leistungen der Stiftung, ihrer Mitarbeiter, der Freiwilligen und der Spender. Nächstenliebe kenne keinen Kalender; wer Gutes tue, der fühle dabei selber Freude. Bürgermeister Ionel Fliundra unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Nationalität, Herkunft oder Sprache keine Hindernisse für die Nächstenliebe sein können. Gott habe Sonja nach Weidenbach geschickt; für ihre Verdienste werde sie demnächst im Stadtrat als Weidenbacher Ehrenbürgerin vorgeschlagen. Fliundra vergaß nicht, auch die Kinder der Stiftung anzusprechen – man wachse und lerne mit ihnen, man freue sich mit ihnen – mit einem Wort, sie gehören zur großen Weidenbacher Familie.
Das war nicht immer so. Am Anfang gab es eine gewisse Skepsis gegenüber den Ausländern, die in Weidenbach (damals eher als Dorf mit nicht asphaltierten Straßen, mit der Kuhherde, die abends von der Weide kam – wie sich Sonja auf Rumänisch, das sie heute sehr gut beherrscht, erinnert) ein altes, reparaturbedürftiges Haus kauften, um da Kindern zu helfen, die unerwünscht waren oder als schwerkrank ohne Zukunft galten. Inzwischen ist man gegenüber der Stiftung und ihren Zielen in Weidenbach viel aufgeschlossener – ein Wandel, der die soziale Eingliederung der Kinder erleichtert.
Das erfahren auch die Kinder. Bewegende Worte als Dank waren abschließend in der Kirche zu hören. Codruța, die sechzehn Jahre Teil der Weidenbacher Familie von PECA war, und ihre jüngere Schwester erinnerten an die Hilfe, die sie und ihre Altersgenossen erfahren hatten. Zugang zu den besten Schulen wurde ihnen ermöglicht; wenn notwendig wurden sie von hinten geschubst, um nicht aufzugeben. Die Begabungen der Betreuten wurden gefördert – sei es in der Musik, im Sport oder in bildender Kunst.
Ana (Oboe) und Gia (Vokalsolistin) von der PECA-Stiftung spielten und sangen vor der vollen Kirche; der Bartholomäer Orgelspieler und Pianist Paul Cristian und seine Ehefrau Elena (Violinistin im Kronstädter symphonischen Orchester der Philharmonie) boten als Gäste musikalische Zwischenspiele von J. Chr. Bach, Telemann und Elgar. Draußen im Kirchhof spielte die von Matthias Roos geleitete Jugendblaskapelle auf, in der auch Kinder aus Weidenbach die Möglichkeit erhalten haben, ein Instrument in die Hand zu nehmen, spielen zu lernen und nun Teil des Ensembles zu sein.
Abschließend konnten Kinder, Mitarbeiter und Gäste einen schmackhaften Imbiss im Kirchhof genießen. Eine gelungene Feier ging zu Ende. Mit Recht kann man vorschlagen, dass End-A von PECA als adorabili (liebenswert) oder admirabili (bewundernswert) anstatt als abandonați zu verstehen. Das ist der von Sonja Kunz geleiteten Stiftung, ihren Mitarbeitern und Unterstützern aus der Schweiz, Deutschland und Rumänien zuzuschreiben.