Anleitung zum Glücklichsein

Praktische Tipps für ein harmonisches Leben

Was ist eigentlich Glück? Etwas, das einen zufällig trifft? Oder doch eher vorbestimmt ist? Etwas, was wir uns erarbeiten oder gewinnen können? Reichtum, Wohlstand, Schönheit, Ansehen? Keins von alledem! Glück hat zweierlei Ausprägungen: Da gibt es das große, stille, nicht sehr spektakuläre, aber langfristig erfüllende Hintergrundglück – ein passender Partner, ein sinnvoller Beruf,  gesunde Kinder, ein  gemütliches Heim mit Garten... Und dann den überschäumenden, kurzen Glücksmoment, der sich allerdings schnell abnutzt – die bestandene Prüfung, der überwältigende Moment vor dem Traualtar, die aufregende erste Flugstunde, der Kauf des langersehnten Autos... Was sie vereint: Glück ist ein Gefühl. Ohne „nur“!

Zum Glück gehört freilich auch die Erkenntnis, dass es Dauerhochgefühle nicht gibt. Aber auch die Weisheit, Unglück zu akzeptieren. Wer einen herben Verlust erlitten hat, muss den Schmerz erstmal durchmachen. Vergeblich stürzt man sich in sinnloses „Ersatzglück“ – Drogen, Alkohol, Abenteuer. Auch Glückspausen gehören zum Leben.

Trotzdem sind wir dem Schicksal nicht bedingungslos ausgeliefert. Mit ein paar Tricks kann man dem Glück durchaus auf die Sprünge helfen. Dazu gehört eine gewisse geistige Grundeinstellung und ein bisschen Gedankenhygiene. Denn: Glück ist keine Situation, sondern ein Gefühl!

Die folgenden Verhaltenstipps sind subjektiv ausgewählt, doch wissenschaftlich untermauert bzw. selbst erprobt.

Lachen – oder wenigstens Lächeln

Die bekannte Psychologin und Sprachenlerntrainerin Vera Birkenbihl predigte es schon seit Jahrzehnten: Lachen löst Aggressionen auf, ist gesund und hilft sogar beim Lernen, weil es hinderliche Stresshormone abbaut. Warum wohl hat man sich im Kommunismus so viele Bulă-Witze erzählt? Es war das nötige Ventil, um das Frustfass vor dem Überlaufen zu bewahren.

Eine Minute Lachen wirkt laut Birkenbihl so positiv auf die Gesundheit wie zehn Minuten joggen oder 45 Minuten Meditation. Also: Täglich scherzen mit dem Ehepartner, witzeln mit den Kollegen am Arbeitsplatz, hemmungslos blödeln mit den Kindern.

Hat man nicht, kann man nicht? Macht nichts! Denn das Gehirn lässt sich austricksen: Lächeln hilft fast genauso gut wie Lachen und man braucht dafür nicht einmal ein „Opfer“ – obwohl es nicht schwer sein sollte, jemanden zu finden, den man freundlich anlächeln kann. Es lässt sich auch vor dem Spiegel üben: Selbst ein Fake-Lächeln, 60 Sekunden beibehalten, hilft. Denn sobald die Mundwinkel nach oben gehen, drückt der Muskel auf einen Nerv und vermittelt dem Gehirn: Freude! Das Spiegelbild bewirkt außerdem, dass wir uns nett angelächelt fühlen. Und: Lächelnd finden wir uns schöner.

Forscher sagen, ob man sich die Freude, die Freundlichkeit oder die positive Ausstrahlung einbildet oder tatsächlich erlebt, kann das Gehirn nicht unterscheiden. Beides wird einen daher positiv beeinflussen – und auch das Immunsystem. Nicht umsonst heißt es, „wer mehr lächelt, lebt länger“. Ab jetzt am besten bei jedem Gang ins Badezimmer: üben, üben, üben!

Katzen – ja, Katzen!

Sie mögen jetzt schmunzeln (was ja bekanntlich gesund ist), aber es ist wahr: Katzen helfen, enge Bindungen einzugehen und Ängste abzubauen. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass das Streicheln einer Katze die Ausschüttung des sogenannten „Beziehungshormons“ Oxytocin bewirkt. Oxytocin steigert das emotionale Empfinden und spielt auch eine wichtige Rolle, wenn wir uns verlieben.

Warum aber ausgerechnet Katzen? Die US-Sachbuchautorin Abigail Tucker meint dazu: Hauskatzen haben Kulleraugen, Stupsnasen und dicke Backen – das perfekte Kindchenschema, und wiegen so viel wie ein Baby. Studien zufolge schütten vor allem Frauen beim Anblick ihrer Katze massenhaft Oxytocin aus. Die Katze übrigens auch. Selbst Katzenfotos sollen diese positive Wirkung haben (natürlich nicht auf die Katze).

Forscher nennen das wenig schmeichelhaft „fehlgeleitete Mutterinstinkte“. Doch wem schadet es? Nicht jeder kann sich ein Baby anschaffen. Viele Alten- und Pflegeheime halten bereits Katzen zu sozialen Zwecken, denn älteren Menschen geht es besser, wenn sie ein Tier um sich haben. Katzenstreicheln ist also Seele streicheln. Als „Katzenmutter“ nur zu bestätigen! Mit dem Hund funktioniert’s übrigens auch ganz gut...

Tagträumen, lesen, gute Filme gucken

Als Kind wurde man dafür abgemahnt: Sei präsent, sei kein Guck-in-die-Luft! Doch Tagträumen hat gleich zwei positive Effekte. Zum einen erträumt man sich schöne Situationen und findet so heraus, was man überhaupt will. Ich zum Beispiel träumte davon, Wissenschaftlerin zu sein, was ich später tatsächlich wurde. Viel später träumte ich von einem Aussteigerleben – lange bevor es sich realisierte und zu einer Zeit, als die Vernunft noch hart dagegen argumentierte. Alle wichtigen Dinge habe ich mir zuerst intensiv vorgestellt. Sonst wäre vieles sicher anders gekommen.

Tagträumen geht freilich nur, wenn man Warte- und Alleinzeiten dazu nutzt und nicht sofort auf dem Handy herumspielt oder sich von einem Gerät bespaßen oder berieseln lässt. Tagträumen bedeutet Visualisieren – eine bekannte Technik zur Wunscherfüllung.

Nun aber zum zweiten Effekt: Das So-Tun-als-ob löst im Gehirn dieselben Gefühle aus wie die tatsächlich durchlebte Situation. Das Gehirn kann wieder mal nicht zwischen Fake und Wirklichkeit unterscheiden. Wozu das gut sein soll? Ganz einfach: Wenn wir fiktive Szenen emotional durchleben, aktivieren wir dieselben neuronalen Schaltkreise wie beim realen Erleben. Und diese festigen sich mit der Zeit. Wir bahnen also vor, was später vielleicht gebraucht wird. Das Gehirn schafft sich schon mal die passenden Strukturen.

Das geschieht nicht nur beimTagträumen, sondern auch beim Lesen oder Filmegucken. Wenn wir bestimmte Szenen vor unseren inneren Augen abspielen – das Ich als mutige Lebensretterin, als ausdauernder Polarforscher, als tapferer Feuerwehrmann, als mitfühlende Ärztin – dann erleben und stärken wir Mut, Ausdauer, Tapferkeit oder Empathie, also genau das, was auch in der realen Situation benötigt wird.  

Empathie statt Gewalt

Auf in Büchern oder Filmen miterlebte Emotionen reagiert das Gehirn, als würden wir sie selbst erleben. Dies kann man sichtbar machen mit Magnetresonanz: Die Wissenschaftler um Christian Keysers vom Neuroimaging Center der niederländischen Universität Groningen zeigten Probanden z. B. kurze Filme, in denen eine Person aus einer Tasse trank und anschließend ein angewidertes Gesicht machte. Die Hirnaktivität der Zuschauer wurden dabei mittels funktioneller Magnetresonanztomographie abgebildet. Erwartungsgemäß waren bei diesen Bereiche in der Großhirnrinde aktiv, die bei der Empfindung von Ekel eine Rolle spielen. Und nun stellen wir uns vor, was im Gehirn von Kindern oder Erwachsenen passiert, die dauernd Gewaltfilme, Horror, Krimis usw. konsumieren...

Was man statt dessen Sinnvolles lesen oder gucken könnte? Wie wär’s mit inspirierenden Biografien von berühmten Wissenschaftlern – Physikgenie Albert Einstein, Chirurg Ferdinand Sauerbruch, oder „Die Doppelhelix“, ein packendes Buch über die Entdeckung der DNA? Das waren einst meine Lieblingslektüren. Und heute? „Business Insider“ präsentiert Top-Ten Biografien, von Kamala Harris über Britney Spears oder Javier Zamorra, der als neunjähriger Junge aus El Salvador in die USA reiste, um seine vor dem Bürgerkrieg geflohenen Eltern zu suchen. Die Bio-grafien zeigen allesamt moderne Probleme auf – Migration, Transgender, Armut, toxische Beziehungen usw. – doch vermitteln sie vor allem Empathie. Ein Schlüssel für den Umgang mit Mitmenschen und damit sicher ein Glücksfaktor!

Begeisterung üben!

Das Leben macht mehr Spaß mit Begeisterung. Doch woher im Alltag nehmen?  Nun, eigentlich kann man fast alles mit Begeisterung tun. Auch sogenannte „niedrige Arbeiten“.

Die mit meiner Mutter zelebrierten gemeinsamen Bügelabende habe ich in schöner Erinnerung, obwohl doch kein Mensch gern bügelt! Eben deswegen gab es bei ihr immer einen Piccolo-Sekt, im Geheimsprech unser „Bügelwasser“, und einen schnulzigen alten Film, den man auch ohne Hingucken genießen konnte. Ein Mutter-Tochter-Ritual.

Ein Musterbeispiel an Enthusiasmus aber liefern die Fischhändler vom Pike Place Markt in Seattle, USA, die eines Tages einfach beschlossen, den tollsten Job der Welt zu haben. Wirklichkeit oder Fiktion? Egal! Das Buch „Fish!“ von Stephen C. Lundin, Harry Paul und John Christensen beschreibt so mitreißend, wie die Hauptheldin, soeben Leiterin einer öden Verwaltungsabteilung mit unmotivierten Mitarbeitern geworden, ausgerechnet bei einem Besuch auf diesem Fischmarkt erfährt, zu welchen Leistungen ein Team fähig ist, das dynamisch, motiviert, lustvoll und mit ganzem Herzen an seine Aufgaben herangeht. Eine überaus amüsante Lektüre, die begeistert, erhebt, transformiert – und ruhig mehrmals gelesen werden kann. Immer dann, wenn man einen Energieschub benötigt.

Gleichtakt und Synchronisation

„Unser Gehirn liebt den Gleichtakt. Ob Tanzen, Rudern oder gemeinsames Klatschen – synchrone Tätigkeiten stärken die Gemeinschaft und machen glücklich“, schreibt Marta Zaraska in „Spektrum der Wissenschaft“ („Im Rausch des Gleichtakts“). Sich simultan mit anderen zu bewegen oder denselben Rhythmus zu trommeln stärkt Zusammengehörigkeitsgefühl und Vertrauen in der Gruppe, setzt Glückshormone frei und stimuliert das Belohnungssystem im Gehirn, zitiert sie verschiedene Studien. Dies gilt für Tanzgruppen, marschierende Musikvereine, für den Chorgesang und sogar für das Fingertrommelspiel, an das wir uns wohl alle aus dem Kindergarten erinnern: „Alles was Flügel hat, fliegt!“

In der Edu-Kinestetik von Dr. Paul Dennison geht es hingegen darum, dass Teilbereiche des Gehirns bei Stress abschalten und das Lernen blockieren können, was durch bestimmte Übungen verhindert oder aufgelöst werden kann – etwa mit Überkreuzbewegungen, die die Gehirnhälften besser synchronisieren. Dazu gehört auch schnelles Spazierengehen mit gegenläufig pendelnden Armen und Beinen. Es gibt aber auch gezielte Übungen, die Finger und Augen einbeziehen oder durch Drücken und Kneten Verspannungen lösen. Ein paar Minuten vor dem Unterricht genügen, um Lernblockaden zu lösen.

Dennison, Autor mehrerer Bücher zum Thema, geht davon aus, dass Lernen keine isolierte Funktion des Gehirns darstellt, sondern einen ganzkörperlichen Prozess. Erfolgreiches Lernen aber stärkt das Selbstvertrauen, macht Lust auf mehr – und damit glücklich.

Gedankenhygiene

Es gibt Menschen, die einen trotz aller guten Empathievorsätze auf die Palme bringen. Die es vielleicht sogar darauf angelegt haben! Und selbst wenn sie physisch gar nicht da sind, man bekommt sie nicht aus dem Kopf. Wo Verzeihen nicht hilft, weil zu viel passiert ist, beruhigt statt einem gedachten Schimpfwort ein Zaubersatz das ungesunde Neuronengewitter: „Friede sei mit dir!“ Gelesen in einem längst vergessenen Buch über gewaltfreie Kommunikation – seither vielfach angewandt... Lieben kann man nicht jeden – aber Frieden kann man immer wünschen. Ob der Gedanke beim andern ankommt? Vielleicht. Ganz sicher aber hilft der repetierte Satz dem eigenen Seelenfrieden.

„Gedankenhygiene“ – so nenne ich das bewusste Aufräumen im Kopf: Weg mit jeglichem inneren Gejammer, das verfestigt sich sonst! Weg mit Feindschaften, Neid, Geiz, Eifersucht und was man sonst noch so in sich oder bei anderen aufspürt! Bloß nicht durch Aufmerksamkeit Negatives nähren. Gedankliches und sprachliches Eliminieren von Unerwünschtem ist Voraussetzung dafür.

Zur Gedankenhygiene gehört aber auch das bewusste Fokussieren auf die Liebe, das Schöne und Positive im Leben. Man kann Menschen, die man mag, in Gedanken Liebe schicken, wenn man sie nicht gut genug kennt, um es auszusprechen. Man kann seine Mitmenschen loben und ehrliche Komplimente  machen, was voraussetzt, dass man deren besondere Qualitäten erstmal entdecken muss – und diese dann tatsächlich schätzt. Symbolische Gesten der Liebe gewöhnen daran, mit liebevollen Gedanken durchs Leben zu gehen: Bäume umarmen, mit Pflanzen sprechen, eine Raupe vom vielbegangenen Weg an den Rand setzen. Vor allem aber: regelmäßig Danken für das Gute, das einem im Leben widerfährt. Denn wenn Glück ein Gefühl ist, dann ist Dank mit Sicherheit der allerstärkste Magnet dafür!