Dieser Tage, wo der US-König versucht, sein Versprechen des Stopps, „binnen 24 Stunden“, des Aggressionskriegs Russlands gegen die Ukraine doch noch umzusetzen, fiel mir wieder das Urteil des vom Scheitern seines Übersee-Lebensneuanfangs enttäuschten Nikolaus Lenau über die „Verschweinigten Staaten von Amerika“ ein. Der Ruf der USA als rücksichtslos-egozentristischer Staat hat seine Wurzeln wohl schon in seinem Gründungsmythos und ist geprägt von den Gründungsvätern: Macht voll ausreizen zum strikt eigenen Nutzen und Hochkommen (bzw. -bleiben), ohne sich ums Wohl anderer zu scheren.
Trumps Handespolitik – Ausnahme: die Führung des Trump-Imperiums durch seinen eigenen Clan und deren Handlanger (unter ihnen der Ex-US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell), die auf rüchsichtslose Expandierung und Einverleibung ganzer Landstriche abzielt (Schottland, Albanien etc., die Spitze des Eisbergs war Trumps Verplapperer betreffs Ferienparadies Gaza-Streifen...) – diese seine US-Handelspolitik ist derart fehlgeleitet, (selbst-)zerstörerisch und unberechenbar, dass jede ihrer Beschreibungsversuche gleichzeitig schmeichelhaft und verbesserungsbedürftig ist. Deswegen folgt an dieser Stelle nicht noch ein solcher Versuch, hingegen soll auf Folgen und Wirkungen seiner ergomanen wirtschaftlichen Selbstversuche eingegangen werden.
Denn bizarrerweise legt das Handelschaos, dass Trump in der Weltwirtschaft blindwühlerisch anrichtet, Stärken und Schwächen Anderer frei. Showman Trump zwingt – ungewollt (darin sieht er weder sein Interesse noch einen „Deal“) – andere Staaten, in den Spiegel zu schauen: Was sagen ihre Reaktionen über ihre eigenen Absichten, Fähigkeiten und Möglichkeiten aus?
Erstmal war und ist Trumps Frontalangriff auf die Weltwirtschaft für alle ein Schock. EU-Europa, China und Wirtschafts-Mittelmächte wurden gezwungen, sich selber klarzumachen, wer sie sind, wo sie stehen und was sie wollen. Und können. Wie ehrlich das geschah, steht auf einem anderen Blatt. Aber damit war der Ansatz zu einer neuen, post-neoliberalen Weltwirtschaftsordnung – der ersten nach dem zweiten Weltkrieg – gegeben. Die Chance, Ungleichgewichte, fehlende Nachhaltigkeit (die heilige Kuh der EU) und Ungerechtigkeiten auszuschalten. Daran ist als Erste die EU gescheitert. Der wirtschaftliche Führungsanspruch des vorgeblich wirtschaftlich mächtigsten Landes (mächtig ist nur immer noch sein Dollar) hätte abgeschüttelt, ernsthaft hinterfragt oder in Frage gestellt werden können.
Denn die EU ist fast so wirtschaftsstark wie die USA: ihr Anteil an der Weltwirtschaft liegt bei 14,1 Prozent, der der USA bei 14,8 Prozent. Über ihnen thront China mit 19,7 Prozent. Doch unter Ursula von der Leyen reagierte die EU engstirnig, provinziell, ängstlich. Vorm Polterer Trump knickte sie ein. Das bleibt unverzeihlich. Vor allem die beiden lächerlichen Demütigungen, die Riesenimporte fossiler Energieträger und die megalomanischen Investitionen in den USA, sind moralisch-wirtschaftlich problematisch. Die EU bleibt bloß ein Zusammenschluss von Ländern ohne kollektives Identitätsgefühl, mit einem im 19. Jahrhundert eingeeisten Staatsverständnis. Vor Trumps Frechheitsvorstoß war sie baff. Blieb offenen Mundes.
China reagierte hart. Zahn um Zahn. Gleiches gegen Gleiches. Und noch was drauf! Trumps Manderln verhandeln immer noch mit China. Er selber schweigt dazu im Maisfeld.
Es gibt aber „vielleicht keinen Staats- und Regierungschef auf der Welt, der so sehr Präsident Trump die Stirn bietet wie Lula“, so die New York Times. Der Brasilianer weigert sich, vor Donald T. zu kriechen. Strafzöllen und dreckigen persönlichen Angriffen zum Trotz. Verteidigt Souveränität, Demokratie und Justizunabhängigkeit Brasiliens.
Er hat entschieden zwischen Selbstbewusstsein und Demütigung. Trump glotzt Lulas Stinkefinger an.