Temeswar als internationaler Studienort

Studenten aus aller Welt machen die Stadt kulturell bunter

Der Campus der West-Universität Temeswar ist Treffpunkt für Studierende aus über 60 Ländern.

Architekturstudenten aus Kolumbien, Vietnam und Marokko a an der UPT | Fotos: privat

Die Universität für Lebenswissenschaften bietet spezialisierte Programme in Agrarwissenschaft, Biotechnologie oder Veterinärmedizin in Englisch und Französisch an.

Die Stadt Temeswar/Timișoara gehört nicht nur zu den dynamischsten Städten Westrumäniens – sie ist auch ein wachsendes Zentrum internationaler akademischer Zusammenarbeit. Die vier großen Universitäten vor Ort – die West-Universität Temeswar  (UVT), die Universität für Lebenswissenschaften „König Michael I.“ (USVT), die Universität für Medizin und Pharmazie „Victor Babeș“ (UMFVB) und die TU „Politehnica“ (UPT) – investieren verstärkt in Programme, Strukturen und Partnerschaften, die Studierende aus aller Welt anziehen. Was sind die Strategien, Stärken und Herausforderungen dieses Prozesses?

Die zunehmende Internationalisierung des akademischen Lebens trägt entscheidend zur Veränderung und Bereicherung der Multikulturalität in Temeswar bei. Mehr internationale Studierende, Programme und Dozenten machen Temeswar kulturell bunter. Die globale Ausrichtung wird dabei durch Deutsch- oder Englisch-Studiengänge, Auslandskooperationen und EU-Projekte gestärkt. Die bedeutendesten Universitäten in Temeswar erweitern kontinuierlich ihr fremdsprachiges Studienangebot, sodass sich die Bega-Stadt zunehmend zum echten Campus-Stadt-Erlebnis – akademisch und kulturell aufgeschlossen, weltoffen und lebendig – entwickelt hat. 

Tausende internationale Studierende – aus Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika – wählen die westrumänische Stadt, um ihre berufliche Zukunft zu gestalten. Temeswar behauptet sich als weltoffene europäische Bildungsstadt und bildet die nächste Generation globaler Fachkräfte aus – in Medizin, IT, Kunst, Sozialwissenschaften oder Landwirtschaft. Alle vier Universitäten bieten mittlerweile Bachelor- und Masterstudiengänge in Fremdsprachen an und legen Wert auf die kulturelle und akademische Integration ausländischer Studierender und bieten Rumänischkurse, Nachhilfe, psychologische und berufliche Beratung, interkulturelle Camps, soziale Aktivitäten und Festivals zum Thema Diversität an. 

Studierende aus aller Welt in Temeswar

Die West-Universität Temeswar (UVT) ist mit über 25 Studiengängen auf Englisch, Französisch und Deutsch führend im Bereich der fremdsprachigen Bildungsangebote. Die Uni zählt jährlich über 1200 internationale Studierende aus 65 Ländern. Viele davon kommen aus dem Iran, Marokko, Algerien, der Ukraine, aber auch aus EU-Ländern wie Spanien und Italien. Einige Studiengänge sind zweisprachig oder bieten einen Doppelabschluss – in Partnerschaft mit Universitäten in Frankreich, Italien oder Deutschland. Somit kann man zum Beispiel auf Deutsch Rechnungswesen und Wirtschaftsinformatik studieren. Einzigartig in Rumänien, aber auch in Osteuropa, ist das Angebot an der West-Uni, Schauspielkunst auf Deutsch zu studieren. Studierende können aber auch Informatik, Künstliche Intelligenz, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften oder Europastudien in internationalen Sprachen studieren. Englischsprachige Studienangebote in Mathematik, Wirtschaft, Informatik, Politikwissenschaft, Psychologie und Kunst sind hier verfügbar. 

Die UVT strebt an, ihr fremdsprachiges Programmangebot zu erweitern und die internationale Mobilität durch die UNITA-Universitätsallianz, der sie angehört, zu steigern. Die Universität entwickelt außerdem internationale Partnerschaften und kurzfristige Erasmus-Intensivprogramme, um auch Studierenden, die nicht im Ausland studieren können, Internationalisierung zu ermöglichen. „Die UVT ist ein Wendepunkt im beruflichen und persönlichen Leben derjenigen, die sie besuchen – sie ist ein Tor zur internationalen akademischen Welt. Unser Ziel ist es, alle Fachrichtungen mindestens einmal auch in einer Fremdsprache anzubieten. Dies ist ein integraler Bestandteil unserer Internationalisierungsstrategie“, so die Vertreter der West-Universität Temeswar der ADZ gegenüber.

Das internationale Studienangebot an der West-Universität ist von der offiziellen Webseite der Uni unter uvt.ro abrufbar. 

Fremdsprachen-programme für eine globale Zukunft

Die Universität für Lebenswissenschaften „König Mihai I.“ (USVT) mit ihrem agronomischen und veterinärmedizinischen Profil bietet Studiengänge in gleich zwei Fremdsprachen – Englisch und Französisch – an. Die Fakultät für Veterinärmedizin zählt inzwischen über 450 internationale Studierende, vor allem aus Frankreich, Italien und dem Balkan. Ziel ist es jedoch, die Internationalisierung auszubauen und mehr Studierende aus Nicht-EU-Ländern anzuziehen. „Unsere Programme in Veterinärmedizin und Agrarwissenschaften sind international sehr gefragt, weil sie spezialisierte Inhalte mit starker Praxisorientierung in einem modernen Campusumfeld verbinden“, erklärt Prof. Dr. Dorin Camen, der Prorektor der Universität, zuständig für Kommunikation und internationale Beziehungen. 

Die Uni richtet sich in ihrer Werbung explizit an Studierende aus dem globalen Süden – etwa aus frankophonen Ländern Afrikas oder Zentralasien. „In vielen Zielregionen ist das Studienangebot in Rumänien wenig bekannt – und auch, dass Rumänien zur EU gehört, ist nicht überall selbstverständlich“, erklärt der Vertreter der USVT. Des Weiteren setzt die Universität darauf, internationale Dozenten zu gewinnen und neue interdisziplinäre Programme in englischer Sprache zu entwickeln. Weitere Details zur Universität und Studienangebt sind von der Webseite usab-tm.ro abrufbar.
 

Medizin für Studierende aus 75 Ländern

Auch die medizinische Ausbildung in Temeswar zieht junge Menschen aus aller Welt an. An der „Victor Babeș“-Universität kann Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin vollständig auf Englisch oder Französisch studiert werden. Die UMF „Victor Babeș“ ist mit über 2000 internationalen Studierenden die internationalste Universität der Stadt. „Unsere Studierenden kommen aus über 75 Ländern. Das macht uns nicht nur vielfältiger, sondern wissenschaftlich wie auch menschlich besser“, so die Vertreter des UMF-Rektorats der ADZ gegenüber. An der „Victor Babeș“-Universität für Medizin und Pharmazie sind Deutschland, Israel, Griechenland, Italien und Frankreich am stärksten vertreten. Die Uni unterhält medizinische Austauschprojekte mit Kliniken weltweit und stärkt ihr internationales Image durch Akkreditierungen, Partnerschaften und globale Netzwerke weiter. Informationen zu einem Medinzinstudium in jeweiligen Fremdsprachen für Studierend aus aller Welt sind auf der Webseite umft.ro erhältlich.

Was zieht Studierende aus dem Ausland an?

Die TU „Politehnica“ (UPT) ergänzt die akademische Szene der Stadt dynamisch mit einem zunehmend vielfältigeren Angebot an Studiengängen in Englisch und Deutsch: Computer und Informationstechnologie (CTI), Bauingenieurwesen, Maschinenbau auf Bachelor-Niveau und zahlreiche Master-Spezialisierungen in Maschinellem Lernen, Software-Engineering, Cloud & IoT. Darüber hinaus kommen jährlich über hundert internationale Studierende über „Erasmus+“-Programme, und die UPT unterhält globale Partnerschaften mit über 300 Universitätseinrichtungen. Im Jahr 2024 beherbergte die „Politehnica“ 513 internationale Studierende, darunter Rumänen aus aller Welt und Studenten auch aus Ländern außerhalb der EU (46 Nationalitäten) – von Sri Lanka, Syrien, Bangladesch bis Haiti, Äquatorialguinea oder Kolumbien. 

Die Zahl ausländischer Studierender in Temeswar steigt aus vielfältigen Gründen: Hier finden die jungen Menschen qualitativ hochwertige Bildung, erschwingliche Studiengebühren im Vergleich zu Westeuropa, niedrige Lebenshaltungskosten, praxisorientierte Lehre, etwa in den Bereichen Medizin, Agrar, Technik und Wirtschaft, „Erasmus+”-Mobilität und internationale Netzwerke. Aber auch die EU-Mitgliedschaft des Landes, die einladende multikulturelle Gemeinschaft und ein sicheres Stadtumfeld zählen zu den Vorteilen eines Studiums vor Ort. 

„Nicht nur die Jahresgebühr an der Uni ist wettbewerbsfähig, auch die Unterhaltskosten – die Unterkunft in einem modernen Wohnheim kostet 60 Euro pro Monat, und die Stadt gilt als sicher und freundlich – ein wichtiger Vorteil, insbesondere für Studentinnen. Teilzeitjobs sind verfügbar: die Gesetzgebung erlaubt eine Beschäftigung von 4 bis 6 Stunden pro Tag“, sagt Emilia Szuszmann seitens der Abteilung für internationale Beziehungen der UPT, zuständig mit der Rekrutierung internationaler Studenten und internationalem Marketing der Uni. 

Ein weiterer Vorteil ist auch das Vorbereitungsjahr in Rumänisch, das insbesondere für Studierende aus dem französischsprachigen Afrika oder Lateinamerika attraktiv ist. Und wer sich frühzeitig um staatliche Stipendien bewirbt, kann von kostenlosem Studium, einem monatlichen Stipendium von 1000 Lei und kostenloser Unterkunft profitieren, sofern er sein Studium anschließend auf Rumänisch fortsetzt. Infos dazu sind auf upt.ro erhältlich.

Zu den häufigsten Hindernissen zählen aber die langen Visumsverfahren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern, die Konkurrenz westeuropäischer Universitäten und das nach wie vor geringe Interesse europäischer Bürger an einem Vollzeitstudium in Rumänien. 

Internationale Stimmen in Temeswar

Rafael Usumu stammt aus Äquatorialguinea und hat im Sommer das Vorbereitungsjahr in Rumänisch absolviert. Seine Muttersprachen sind Französisch und Fang, eine Sprache Zentralafrikas. In nur wenigen Monaten hat er infolge des Intensivkurses Rumänisch gut gelernt. Nach dem Vorbereitungsjahr wird er im Herbst einen Master in Umweltingenieurwesen auf Rumänisch antreten. 

Youssef Oussayeh stammt aus Marokko. Seine Sprachen sind Arabisch, Französisch und Englisch. Er studiert bereits im fünften Jahr Architektur auf Rumänisch. „Ich habe zuerst Ingenieurwesen in Marokko studiert, aber mich hat immer Architektur begeistert so wollte ich mein Studium fortsetzen und habe Länder gesucht, die günstige Studiengebühren haben. Ich habe mich also für Rumänien als EU-Staat entschieden. Temeswar hat sich in den letzten sechs Jahren, seitdem ich da bin, stark entwickelt. Ich könnte mir gut vorstellen auch nach dem Studium hier weiter zu leben”, sagt der marokkanische Architekturstudent in Temeswar. 

Die Temeswarer Universitäten zeigen somit, dass Internationalisierung kein abstraktes Konzept, sondern gelebte Realität sein kann – mit Studierenden aus Dutzenden Ländern, mehrsprachigen Studienangeboten und einer Willkommenskultur, die mehr als nur formal ist. Für die internationale Strategien zur Sichtbarkeit setzen die Unis auf eine Mischung aus Online-Marketing, Teilnahme an internationalen Bildungs- und Karrieremessen, sowie gezielte Kooperationen mit Hochschulen in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Details dazu sind auch online auf den offiziellen Webseiten der Unis erhältlich.