Drei Jubiläen christlicher Frauen in Rumänien – Lernort der Hoffnung

Pfarrerinnen der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (v. l.): Bettina Kenst, Dr. Elfriede Dörr, Angelika Beer, Christiane Schöll, Hildegard Servatius-Depner. | Foto: Simon Tartler

50 – 30 – 25 Jahre: Dieses Jahr feierten christliche Frauen in Hermannstadt/Sibiu gleich drei „runde“ Jubiläen. Vor 50 Jahren begann der ökumenischen Weltgebetstag der Frauen in Rumänien, die Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche A. B. (EKR) wurde vor 30 Jahren gegründet und vor 25 Jahren schließlich als Werk der EKR anerkannt. Genauso bemerkenswert: Vor 31 Jahren wurde auch die Frauenordination von der Landeskirchenversammlung beschlossen. 

Diese Jubiläen waren in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Sie waren ein Lernort für Hoffnung in schwierigen Zeiten, sie hoben unscheinbare Anfänge ins Gedächtnis, die völlig unerwartet Wirkung zeigten, sie stellten aktive und selbstbewusste Frauen der verschiedenen Kirchen in den Mittelpunkt, die gegen viele Widerstände mit Resilienz, Solidarität, Vertrauen in Gott, Vernetzung und Kreativität ihre Überzeugungen verfolgten. 

Eine solche unglaubliche Geschichte ist die des ökumenischen Weltgebetstags der Frauen in Rumänien. Vier Frauen begannen vor 50 Jahren mit dem Weltgebetstag der Frauen. Die deutsche Frau des Bischofs Klein, Maria Klein, lud drei Frauen zu sich ins Wohnzimmer ein, um den Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen zu beten.  Kissen auf dem Telefon und dort, wo noch Mikrofone vermutet wurden, geflüsterte Informationen (es war die Zeit der Securitate). Zu „Take Courage!“ schrieben Frauen aus Ägypten, Philippinen, Indien, Jamaika und den USA den Gottesdienst. So begann der Weltgebetstag der Frauen in Rumänien. Ab 1975 konnte man einen Gottesdienst anmelden, die Vorbereitungen aber waren verboten und fanden auf „Erholungstreffen“ der Pfarrfrauen statt. Helga Pitters, 95-jährig, erzählte von den schwierigen Anfängen des Weltgebetstags in der kommunistischen Zeit mit heimlichen Treffen.

Der Kontext in Rumänien für ökumenische Arbeit ist bis heute intersektional: nicht nur verschiedene Kirchen und Kulturen, sondern auch verknüpft mit unterschiedlichen Sprachen und Traditionen. Evangelisch-deutsch, orthodox-rumänisch, katholisch-rumänisch oder ungarisch, reformiert-ungarisch. Und doch gelang ab 1995 der Aufbau eines ökumenischen Komitees, das mit der Liturgie zum Weltgebetstag 2002 beauftragt wurde.

„Wege entstehen im Gehen“ – mit diesem Titel der Jubiläumsschrift zum Beschluss der Ordination von Frauen vor 31 Jahren wird an den Lebensbildern klar: Nur Schritt für Schritt eröffneten sich im Lauf der Zeit Wege, die nicht gebahnt waren. Das gilt auch für heute. Ob solche Schritte im Nichts enden, weiß man nicht, es gibt keine Garantie für Erfolg.

Nach der Wende reisten viele Menschen insbeson-dere aus Siebenbürgen aus. Diejenigen, die blieben, sahen sich mit leeren Räumen, zerbrochenen sozialen Zusammenhängen der Familien, der Nachbarschaften und Freundschaften konfrontiert. Sich öffnen für andere Menschen war einer der Schritte, der die Evangelische Kirche in Siebenbürgen überleben ließ. So trafen sich vor 30 Jahren 111 Frauen, um die Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien zu gründen. Ihnen war wichtig, als Werk der Kirche und nicht als ein eigener Verein zu existieren. Fünf Jahre dauerte es, bis die Frauen den Antrag schließlich durchbekamen, ein Grund, die 25 Jahre zu feiern.

Der Raum war einerseits leer, er war andererseits auch verheißungsvoll offen, offen für neue Menschen, neue Ideen. „Ohne diese Öffnung wären wir heute nicht mehr existent“. Frauen begannen zu schauen, wer im Ort noch etwa im gleichen Alter war, egal welche Konfession oder überhaupt kirchlich. „Wir luden diese Frauen ein, um gemeinsam das bearbeiten, was uns alle bewegte.“ 

Jede Geschichtsschreibung ist geprägt von der politischen, kulturellen, sozialen Vision der Zukunft. Diese kann sich ändern, wenn neue politische Kräfte die Oberhand gewinnen. Entsprechend gilt das auch für die Kirchen. Jubiläen der Frauengemeinschaften machen bewusst und sichtbar, dass die Kirchen nie ohne das wesentliche Engagement von Frauen ausgekommen sind. 

Diese Geschichten  lehren: Ohne Mittel, nur auf sich selbst und auf Gott vertrauend, offen für Neues und für Veränderung, gibt es heute in Rumänien ein ökumenisches Weltgebetstagskomitee, war Rumänien 2002 Weltgebetstagsland, prägen seit 30 Jahren Pfarrerinnen und andere haupt- und ehrenamtliche Frauen die Evangelische Kirche und die Ökumene der Frauen. Abzusehen war das alles nicht. Chapeau!


Dr. Ulrike Bechmann ist Professorin für Religionswissenschaft i.R. an der Universität Graz. 


Gekürzt aus: www.feinschwarz.net/wege-entstehen-im-gehen-drei-jubilaeen-christlicher-frauen-in-rumaenien-ein-lernort-der-hoffnung