Seit August dieses Jahres wird der Hauptbahnhof von Temeswar/ Timisoara saniert. 387.150 Lei hat die staatliche Bahngesellschaft CFR dafür zur Verfügung gestellt, nachdem sie 2007 ein EU-Projekt für Sanierungsarbeiten verlor. Der Bahnhof verfiel von Jahr zu Jahr – Verputz fiel von den Wänden, Fenster blieben zerbrochen und Schmutz war überall zu sehen. Nun hat sich die CFR entschieden, einen Teil der Arbeiten selbst zu finanzieren. Es handelt...
Was genau während der Revolution 1989 passiert ist, wer die Befehle zum Schießen erteilt hat und welche Motivation dahinter stand…das wird man wohl nie genau erfahren. Mehr als eintausend Menschen starben und die anderen blieben mit der lebendig erhaltenen Erinnerung dieser blutigen Tage. Der folgende Bericht stützt sich auf ein Gespräch mit einem ehemaligen Berufssoldaten aus der Militäreinheit 01115 in Girok bei Temeswar. Von 1975 bis 1994 war...
Heute müsste Laura Andreea Negrutiu vor der kleinen Lenau-Schule stehen und ihr Kind abholen, so wie das viele Lenau-Absolventinnen ihres Jahrgangs tun. Oder sie wäre vielleicht nach Deutschland, Kanada oder in die USA ausgewandert, wie so manche ehemalige Klassenkolleginnen, wäre Ärztin oder Lehrerin geworden, wie es die Mädchen vor 1989 geträumt haben. Aber das würde bedeuten, Alternativgeschichte oder kontrafaktische Geschichte zu betreiben,...
Ist die Kunst ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält? Von wegen! Sie ist ein Hammer, mit dem man die Wirklichkeit gestaltet. So zumindest fasste es Karl Marx auf. Kein Wunder also, dass in allen sozialistischen Staaten Künstler verfolgt und zensiert wurden. Denn den eigentlichen Monopolanspruch auf die Realität hatten die Führungseliten erhoben. Sie bestimmten, was richtig und was falsch war, wer im Recht und wer im Unrecht lag. Und...
In dieser Woche erfüllen sich 25 Jahre, seit Temeswar die tragischste und triumphalste Zeit seiner Geschichte erlebt hat: die Dezemberrevolution. Temeswar hat zwischen dem 16. und 22. Dezember 1989 Rumänien vorgemacht, wie man ein vermeintlich für ewig installiertes Regime abschütteln kann. Und seinem Beispiel sind, spät – aber immerhin doch, nahezu alle anderen Ortschaften Rumäniens gefolgt, bis die Sekundärchargen der kommunistischen Führung...
Das traurige an der internationalen Konferenz zum Thema „25 Jahre seit der Rumänischen Revolution“ war die spärliche Anzahl an Besuchern. Bekannte Persönlichkeiten, die sich seit den 1990er Jahren für die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit einsetzen, sprachen vor einer Handvoll Menschen, über die ungelösten Probleme des Landes. Ana Blandiana erinnerte an den ersten Jahrestag seit der Revolution, als im ganzen Land erneut protestiert...
Die versilberten Messingknöpfe sind schon angenäht und die elektrische Nähmaschine läuft noch einmal über die Weste aus schwarzem Stoff. „Dies ist für die Tanzgruppe des deutschen Forums“, sagt Radu Cristea, Vorarbeiter bei der Handwerkergenossenschaft für Maßschneiderei „Îmbracamintea“ in Temeswar. Er ist einer von 52 Angestellten des Temeswarer Unternehmens - vor 25 Jahren, zur Wende, waren es etwa 850. Die Trachtenanzüge und Fracks für die...
Traian Orban, Tierarzt, geboren am 20. Februar 1944 in Petroschen, besuchte Schulen in Temeswar und studierte in Klausenburg. Nach Abschluss der Hochschule 1973 arbeitete er als Tierarzt in verschiedenen Tierzuchtkomplexen, zuletzt, 1989, als Farmleiter in Cadar, Gemeinde Tormak, bei Gataja. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1989 hing er am Radio und hörte die Nachrichten von „Freies Europa“ über die Protestbewegungen, die am Nachmittag...
Bei der Revolution 1989 war ich bloß viereinhalb Jahre alt. Ich hatte die Zeit als Pionier oder zumindest als „Falke des Vaterlandes“ nicht erlebt und man kann sagen, ich habe keine Erinnerung an die Zeit während des Kommunismus. Doch ich konnte in meinem bis dahin kurzem Lebensabschnitt Sachen sehen, erleben und fest in Erinnerung behalten: Das Schlangestehen zusammen mit meiner Mutter vor dem Laden für einen Liter Milch, umgeben von Milchgeruch...
Im Kloster Moldovita lebt Schwester Tatiana, eine Klosterführerin, ehemalige Lehrerin, der vom Erstberuf ein paar Ticks übriggeblieben sind („Haben Sie verstanden!?“, „Wiederholen Sie Bitte!“). Sie spricht nicht nur ein stark, aber angenehm pittoresk angehauchtes Deutsch, sondern gibt auch Antworten auf Fragen, die nachdenklich stimmen. Einem Oberlehrer, der nach dem Leben im Nonnenkloster fragte, schaute sie zuerst ironisch in die Augen, fragte...