Geboren bin ich in Rumänien. Besser gesagt (und betonenswert) im Nordwesten des Landes, in Klausenburg. Den größten Teil meines Lebens habe ich jedoch in Deutschland verbracht. Hier wurde ich sozialisiert, vom Kindergarten bis zum Hochschulabschluss. Und doch hatte ich als ‘Schwarzkopf’ stets das Gefühl (das man mir gerne auch immer wieder gab), irgendwie nicht dazuzugehören. So antworte ich bis zum heutigen Tage, wenn im Laufe eines Gesprächs...
Vor wenigen Monaten war noch der Papst höchstpersönlich auf dem Hintersitz des dunkelblauen Dacia Logan gesessen, nun wird das Auto von den Mitarbeiterinnen des Hospizes für Palliativkrankenpflege des Caritas-Verbands Temeswar/Timișoara genutzt. Am Dienstag, dem 24. September, am Hochfest des heiligen Gerhard, wurde das Papamobil, das den Heiligen Vater anlässlich seines Rumänien-Besuchs von einer Station zur anderen befördert hatte, durch...
Das imperiale Zeitalter Europas zwischen der Märzrevolution 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat Spuren hinterlassen, die sich nicht auf Wunschkommando wegwischen lassen. Hundert Jahre nach Beginn der Epoche der Nationalstaaten werden die Karten immateriellen Kulturguts der Vergangenheit erneut gemischt. An transnationalen Verhandlungstischen nehmen jeweils auch Spitzenvertreter aus Diplomatie und Politik Platz, deren Spielinstinkt in...
Informanten heißen hier Spitzel und wir meinen in der Regel Freiwillige oder Erpresste eines Geheimdienstes oder einer offiziellen Institution, die aufs Sammeln und Auswerten von Informationen spezialisiert ist, die sie auf unterschiedlichsten Wegen – Spitzeln, Abhören, Spionieren usw. – hortet. Auf Denglish und politisch korrekt spricht man heute von „Whistleblowern“, das sind IT-Fachleute, die an unterschiedlich große Mengen Informationen...
Festgottesdienst in der Bistritzer evangelischen Kirche: An den Seiten verhüllen Leintücher gnädig die Gerüste. Der Orgelprospekt ist leer und mit Folie abgedeckt, an der Stelle des Altars prangt nur ein Bild. Im Eingang rieselt auf so manchen Besucher ein wenig Sand herunter… Stolz, als würden sie die Baustelle gar nicht bemerken, schreiten die Pfarrer, die Ehrengäste, die Trachtenträger ein. Die Kirche füllt sich bis auf den letzten Platz. Von...
Altgriechisch und Latein sind Sprachen der klassischen Philologie. Ohne ihre Kenntnis ist kein unmittelbarer Zugang zu Philosophie und Weltanschauung der Geistesgrößen römischer und griechischer Antike möglich. Allgemein gebildete Bürger des modernen Europa und wachsenden Weltdorfes müssen sich nicht der Beschäftigung mit Alphabet und Grammatik derjenigen Sprachen stellen, die nicht mehr im Umlauf sind und nur noch in Fachbibliotheken oder...
Wie vom Erdboden verschluckt oder von einem Radiergummi ausgelöscht, so verschwinden sie nach und nach: die Familienmitglieder, die Nachbarn, Klassenkollegen und schließlich auch die beste Freundin. Es sind so viele, dass es nach einer Weile nicht mehr weh tut, man gewöhnt sich an das Verschwinden. Später kommen Briefe, Pakete, Postkarten… von den Verschwundenen, die eigentlich alle nach Deutschland ausgewandert sind.In ihrem jüngsten Stück...
Verpackungen, Tüten und Styropor: Medien berichten, dass die Meere schon über fünf Billionen Plastikteile enthalten. Außerdem sind die Aussichten alarmierend: 2050 soll praktisch jede Meeresvogelart der Welt Plastik fressen. Laut einem Bericht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND), einer nichtstaatlichen Umwelt- und Naturschutzorganisation, schadet Plastik der menschlichen Gesundheit, betroffen ist unter anderem auch das...
Wenn einem der Begriff Revolution im Alltag begegnet, denken die meisten Menschen wahrscheinlich an Revolutionen, die laut waren, die allen Mitwirkenden präsent waren und die die Grundbausteine einiger heute gängigen Praktiken sowohl in Politik als auch in der Gesellschaft legten. Besonders nach der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts assoziierte man mit dem Begriff vor allem einen gewalttätigen oder sogar blutigen Umsturz,...
Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und alsbald wich der Aussatz von ihm und er wurde rein. Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich...